Für den lokalen Briefverkehr in Shanghai, Hankau, Ningpo, Tschifu und Tschinkiang haben die europäischen Verwaltungen dieser Vertragshäfen eigene Briefmarken zur Einführung gebracht, und dieselben werden auch zur Freimachung der Briefe für andere Vertragshäfen benutzt. Die Behörden machen mit diesen Briefmarken vortreffliche Geschäfte, weniger durch die Lebhaftigkeit des Briefverkehrs als durch den Absatz, den sie bei europäischen Briefmarkensammlern finden.

Wie man aus den vorstehenden Ausführungen sieht, ist China ganz im Gegensatz zu den herrschenden Anschauungen viel mehr mit postalen Einrichtungen versehen, als es wünschenswert ist, ja in keinem Lande der Welt giebt es so vielerlei Postanstalten als gerade in China. Shanghai allein besitzt beispielsweise außer den sechs früher schon erwähnten staatlichen Postämtern noch gegen dreißig Privatposten für den Inlandverkehr.

Im Lauf der letzten Jahre hat es der Leiter des chinesischen Zollwesens, Sir Robert Hart, zu Wege gebracht, an vielen Hauptverkehrsrouten eine kaiserliche Post einzuführen. Er bediente sich dazu der Zollbeamten sowie einzelner Privatpostanstalten, und der ganze Apparat arbeitet so vortrefflich, daß bald das ganze Chinesische Reich kaiserliche Postämter besitzen dürfte.

Militärmandarin in Tsining.

Chinesisches Militär.

China hat wohl europäisches Kriegsmaterial erworben, aber der militärische Geist ist derselbe geblieben, wie er vor drei Jahrhunderten zur Zeit der Eroberung Chinas durch die Mandschus war. Die europäischen Instruktionsoffiziere fanden in China nicht etwa als Lehrmeister von Strategie und Taktik, sondern einfach als Drillsergeanten Verwendung. Vor drei Jahrhunderten hatte sich die Kriegskunst der Mandschus in so ausgezeichneter Weise bewährt, daß sie das größte Kaiserreich Asiens unterjochten und auf den Thron der gestürzten Kaiserdynastie einen Mandschurengeneral setzen konnten; warum und wozu sollte diese bewährte Kriegskunst geändert werden? Sie ebenso wie die ganze Heeresorganisation wurden also bisher mit fast abergläubischer Konsequenz beibehalten; da aber die Chinesen einsahen, daß ihre Soldaten mit Bogen und Pfeil gegen die modernen Schießwaffen der Europäer nicht aufkommen konnten, drückten sie einem Teil ihrer Streiter an Stelle des Bogens Hinterladergewehre in die Hände und schafften Kruppsche Kanonen an. Daß die Verschiedenheit der Waffen auch eine Aenderung der Taktik mit sich bringt, daran haben sie bisher nicht gedacht, obschon sie während ihrer Kriege gegen die Engländer, Franzosen und Japaner gewiß hinlänglich Gelegenheit bekamen, dies zu beobachten.