Beim Thee.
Wenn vorhin davon die Rede war, daß den Frauen Japans keine selbständigen Erwerbsquellen offen stehen, so müssen doch einige Ausnahmen gemacht werden, die hauptsächlich für die Frauen der unteren Volksklassen gelten. Sehr zahlreich sind die Dienerinnen in Privathäusern, Hotels und Theehäusern, sowie jene, welche Terpsichore ihr Talent, und wenn auch das nicht, so doch ihre Jugend weihen. Wer hat nicht schon von den reizenden Gaishamädchen gehört, welche mit Musik und Tanz die geselligen Abende der Japaner erheitern? Aber auch diese finden trotz ihres losen Lebenswandels zuweilen einen Mann, ja die Gaishas heiraten sogar in die höchsten Stände ein und werden ehrbare Hausfrauen, die ihre Männer durch ihren Witz und ihr Talent viel länger zu fesseln verstehen als viele andere Frauen.
Die glücklichsten Frauen sind in Japan doch jene der ärmsten Volksklassen, und vornehmlich auf dem Lande. Die Männer haben nicht die Mittel, sich Nebenfrauen zu nehmen, und Not kennt kein Gebot. Gemeinschaftlich begeben sich Mann und Frau zur Arbeit, gemeinschaftlich wird gegessen, sie teilen Freud und Leid miteinander, und die Frau ist mitunter, statt Dienerin zu sein, selbst der herrschende Geist der ärmlichen Haushaltung. Bei dem geringen Ansehen, das die Frauen in Japan genießen, und bei der großen Freiheit der Männer, ihrer Herren, ist es ein wahrer Segen, daß die Japaner im allgemeinen so höflich, zuvorkommend und ruhig sind, selbst bis in die unteren Stände. Welches elende Los wäre den Frauen beschieden, wenn in den ersteren ebensoviel Roheit, Rücksichtslosigkeit und Flegelei herrschen würde wie in Ländern, die dem unserigen viel, viel näher liegen!
Arten der Fußbekleidung der Japanerinnen.
Bei der Toilette.