Es ist eine der vornehmsten zivilisatorischen Errungenschaften der Japaner, daß sie ihr Augenmerk nicht nur auf die in der Schlachtlinie kämpfenden, sondern auch auf die verwundeten Soldaten richteten, und mehr als mit den Hinterladerkanonen und dem preußischen Drill haben sie durch die Organisierung der Krankenpflege ihren Platz unter den Kulturstaaten gesichert.

Die Japaner besitzen nicht nur ein vorzügliches militärärztliches Korps mit Aerzten, die sich auf europäischen Universitäten ihr Diplom geholt haben, sondern sie besitzen auch eine Gesellschaft vom Roten Kreuz. Erst im Jahre 1877 mit etwa 20 Mitgliedern gegründet, zählt sie deren heute über 28000 und besitzt ein Jahreseinkommen von etwa 70000 Yen, ungefähr 150000 Mark, mit einem Reservefond von nahe einer Million Mark.

Der große Aufstand von 1877 in der Provinz Satsuma bot die Veranlassung zur Gründung dieser Gesellschaft. Vicomte Sano, der jetzige Präsident der Gesellschaft, war auch ihr Gründer, und seinem unermüdlichen Wirken, verbunden mit dem Beistand, den ihm die beiden Barone Siebold, Söhne des berühmten Japanschilderers, liehen, ist das heutige Blühen der Gesellschaft zu danken. Der Mikado und seine Gattin nahmen sich des jungen Unternehmens eifrig an; ihre Beiträge allein erreichten bisher eine Million Mark, und sie stellten die Gesellschaft unter ihren kaiserlichen Schutz. Vicomte Sano konnte sich kein besseres Vorbild für die Organisation seines Werkes nehmen als die von Baron Mundy gegründete Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft. Wie dort, so beschränkt sich auch in Japan die Krankenpflege nicht auf den Krieg. Die häufigen Erdbeben geben genug Veranlassung für segensreiche Thätigkeit im Frieden. So wurden bei dem großen Erdbeben im Oktober 1891 in den Provinzen Owari und Mino allein über 7000 Personen getötet und 11600 Personen verwundet. Sofort wurden Aerzte und Pfleger nach den zerstörten Orten gesandt und über 2000 Personen in Pflege genommen.

In demselben Jahre wurde in Tokio ein großes, ganz von den Mitteln der Gesellschaft erbautes Hospital eröffnet, für welches das Universitätshospital von Heidelberg als Muster diente. Alle Einrichtungen des Hospitals wurden in Tokio kopiert und als Chefarzt Dr. Hashimoto, der Chefarzt der japanischen Reservetruppen, erwählt.

Kaum war die Kriegserklärung gegen China erlassen, so meldeten sich sofort freiwillige Krankenpfleger in großer Zahl, die, in Kolonnen organisiert und mit allem nötigen Material ausgerüstet, der Armee nach Korea folgten.

Die Krankenpflege bei den Japanern in Korea und China war großenteils in ihren Händen, und in rühmenswerter Weise beschränkten sie ihre Thätigkeit nicht auf ihre Landsleute, sondern nahmen auch verwundete Chinesen auf.

Im Jahre 1886 trat die Gesellschaft durch Vermittelung der japanischen Regierung der Genfer Konvention bei und nahm auch trotz der heidnischen Religion ihrer Mitglieder merkwürdigerweise das christliche Abzeichen derselben an, das rote Kreuz im weißen Felde, das nun sogar auf den Schlachtfeldern des fernen Ostens seine segensreiche Thätigkeit entfaltet hat.

Vergnügungsboot.