Bei zufälligen Verletzungen wasche man nicht mit nächstem Wasser aus, damit bringt man nur Keime aus der Umgebung in die Wunde; man betupfe die Umgebung der Wunde mit Jodtinktur, sorge daß der Hund nicht kratzt und scharrt. Den Wundrand selbst bepinselt man mit Perubalsam, der in jede Hundehausapotheke gehört, um bei Räude, Flechte, empfindliche Stellen wie die Augenumgebung zu behandeln. Ebenso soll eine Schachtel mit Borsäure immer vorrätig sein, am besten in kleinen Dosierungen (von 3 oder 6 g), um z. B. mit 100 g Wasser sofort eine 3prozent. Lösung zum Waschen tränender Augen herstellen zu können. Eine weitere Schachtel stehe mit einem trocknenden Desinfektionsmittel bereit wie Tannoform (Merck), Euguform (Güstrow), letzteres ein Idealmittel gegen alle Hautentzündungen (Wespenstiche) und Brandwunden, um kleine Wunden damit zu bestreuen. Da diese Pulver nasse Wunden rasch abtrocknen, entziehen sie den Mikroben ihre Lebensbedingungen. Hautabschürfungen überzieht man mit Jodoform-Kollodium. Tiefere Bißwunden spült man mit 5prozent. Karbollösung mit Wundirrigator und taucht die Fingerspitzen in diese vor Berührung. Zerschneidet sich der Hund durch Tritt in Glasscherben einen Ballen, so stillt man die Blutung mit Eisenchloridwatte, desinfiziert die Wunde, überstreicht sie mit Jodoformkollodium. Hierüber quer Heftpflaster, Mullbinde und Beobachtung des Hundes gegen Abreißen des Verbandes (Anlegen an Lager an kurze Kette oder sogenannten Halskranz, in Spezialgeschäften vorrätig). Da man Tiere nicht überreden kann, muß man Medikamente „eingeben”. Lösliche Arznei und Emulsionen gießt man aus der Flasche am Lefzenwinkel bei erhobnem Kopf ein, hält einen Augenblick die Nase zu, so daß der Hund durch das Maul atmen muß, wobei er schluckt. Größere Pillen taucht man in Öl und steckt sie tief in den Schlund, hält das Maul einige Zeit zu, streichelt die Kehle entlang.
Pulver oder Tropfen kann man in Gelatinekapsel füllen und ebenso in den Schlund schieben. Der Apparat „Pilleneingeber” erfordert sachkundige Handhabung. Bei kleinen jungen Hunden ist das schwierig; einige Tropfen (z. B. Chenoposanöl gegen Spulwürmer, das scharf riecht) bringt man durch List bei. Aus fetter Wurst, die sich streichen läßt, bereite man eine flache Oblate in Größe einer Kupfermünze, tropft darauf 1—3 Tropfen Medizin in kleine Höhlung. Das Ganze wird vorsichtig zusammengerollt, so daß kein Geruch nach außen dringt. Dann gibt man als Lockmittel von derselben Wurst einige Kugeln gleicher Größe, zuletzt die mit der Arznei, die gierig morgens nüchtern hinabgeschlungen und gar nicht erst mit der Nase geprüft wird. Am Abend vorher fällt das Futter, vor allem der Knochen, weg; der Magen muß möglichst leer sein, besonders bei Wurmmitteln, die rasch mit den toten Würmern abgehen sollen. Mancher scheinbare Mißerfolg (keine Würmer im Kot) grade prompter Wurmmittel (Allegan-Bayer) beruht darauf, daß die toten Würmer verdaut worden sind, was leicht zu Darmkatarrh führt. Hunden, die jedes Medikament sofort erbrechen, gibt man 1⁄2 Stunde vorher etwas dicke Schleimsuppe. Hilft auch das nicht, vorher ein Anästhesinpulver oder eine Lösung von Novocain. (1 %) mit Suprarenin in Bittermandelwasser. Ausgenommen bei Wurmkuren verschont man die Hunde möglichst mit Arzneimitteln, selbst wenn man gerne helfen möchte. Einige Tage kein Wasser, dafür Diät (Schleimsuppen) sind besser als Verstopfungs-, Abführ-, Brech-, Stärkungsmittel. Von letzteren ist Rotwein mit Ei (falls nicht freiwillig genommen, eingegossen), geschabtes oder kleingewiegtes Fleisch das beste. Der ruhende Hund braucht sehr wenig. Ein Kalbsschwanz genügt für einen Tag. Und auch sonst lieber etwas knapp gehalten, so daß man die Rippen ganz leicht angedeutet durchsieht, ist gesünder als gemästet. Natürlich darf der Junghund nie wie ein Gerippe mit Fell überzogen sich anfühlen, sondern eher prall. Der ältere Hund hingegen sei
hart durch Muskulatur, so daß es die Hand schmerzt, wenn man fest auf ihn klopft. Ist das der Fall, so ist er nicht nur in vollster Gesundheit, sondern auch ein Muster rationeller Haltung, die dem Besitzer Ehre macht.
[a]26. Kapitel.]
Altersschwäche und Tötung.
Das traurigste Kapitel dieses Buches, dem wir an Härte nehmen wenn wir die Naturnotwendigkeit uns klar machen. Von mehr als einem Hundebesitzer haben wir, von dessen ehemaligem Liebling sprechend, gehört, daß sein Tod der einzige Schmerz gewesen sei, den er je seinem Herrn zugefügt habe. Wird ein Hund vernünftig gehalten, erhält er, völlig ausgewachsen, nicht zuviel Eiweiß dessen Schlacken das Leben kürzen, auch nicht zu viel Salze, die durch Flüssigkeitsaufnahme die wichtigsten Säfte verdünnen, so wird er bei Kraft und Wohlgestalt, die zugleich Schönheit und Gesundheit sind, ein hohes Alter ohne frühe Altersschwächen erreichen. Wir wollen nicht durch Aufzählungen von einzelnen Hunden, wie Barzois, Spitze, Foxterriers, die 18 bis sogar etwas über 20 Jahre alt werden, falsche Erwartungen erwecken. Das sind Ausnahmen. Sicher ist nur, daß sogenannte trockne Rassen (von harter Struktur mit Stahlknochen) um 1⁄4—1⁄3 älter werden, als solche von Masse mit Falten, Halshaut, starken Knochen. Letztere gehen früher „aus dem Leim”, bekommen unförmigen Kopf, neigen zu Fettansatz, dem rechtzeitig durch trockne Ernährung Vorgebeugt werden muß. Was rastet, rostet. Um vor frühzeitigem Altern zu schützen, darf es auch dem älteren Hund nie an erfrischender, angemessener Bewegung fehlen. Knochen werden nach vollendetem 4. bis 5. Jahr keine mehr gegeben, die Zähne sorgfältig gepflegt und gegen Belag vorgegangen. Riesen und Zwerge altern früher, solche mittlerer Größe später. Hunde von
brauner Farbe, schwarze mit gelben, statt rostroten Abzeichen, bekommen früher graue Schnauze als erstes, jedermann kenntliches Alterszeichen. Doch wer denkt bei Anschaffen des Welpen oder Junghundes schon an dessen Alter. Stellen sich merkliche Altersschwächen ein, Trübung des Auges, und verminderte Sehfähigkeit, abgenütztes Gebiß, Unfähigkeit und infolgedessen Unlust zur Bewegung, mürrisches Wesen als Abwehr gegen Störung des Ruhebedürfnisses, das sich bei Unbehagen bis zur Bissigkeit steigert (bösartig aus Laune wird kein Hund!), so wäre es falsches Mitgefühl, hier nicht erlösend einzugreifen. Dem Tier ist das Geistesleben, das dem Menschen das Greisenalter in liebevoller Umgebung noch erträglich macht, versagt; es vegetiert, sich selbst und anderen zur Last. Man verwechsle nicht die Wehleidigkeit, sich selbst einen kurzen Abschiedsschmerz zu ersparen, mit falschem Mitgefühl, das ein Tier langsam verkümmern läßt. Ohne Beratung und quälende Erörterungen mit den Angehörigen faßt man den Entschluß selbst, erzählt erst bei Rückkehr ohne Hund, was unvermeidlich war und hält schon den Ersatz in Gestalt des pflegebedürftigen Nachfolgers bereit. Das herzerfrischende Spiel des jungen Hundes, sein sprudelnder Übermut, lassen fast wider Willen den Schmerz vergessen, und die Entwicklungsmöglichkeiten des noch unreifen Charakters trösten besser als es der Ersatz durch einen schon fertig ausgewachsenen Hund je vermöchte. Niemals gebe man den gealterten Hund in fremde Hand ab. Ein Schuß aus kleinkalibrigem Gewehr, dicht hinter dem Ohr von rückwärts eingesetzt, tötete durch Eindringen in das Kleingehirn sofort. Am besten gibt eine geübte, sichre Hand den Schuß ab, man entfernt sich erst, wenn man den Schuß gehört und sich durch Anblick vom Tod überzeugt hat. Tötung mit starker Morphiumgabe ist nicht zu empfehlen; es wird meist erbrochen und müßte durch Einspritzung direkt in den Blutlauf gebracht werden. Gegen Vorhalten von Chloroform wehren sich Hunde heftig. Die wäßrige Lösung von Blausäure, zersetzt sich trotz besten
Verschlusses rasch. Andre Gifte, wie Strichnin, sind zu langsam in der Wirkung. Mit Recht wünscht jeder Hundefreund daß sein Tier nicht leide und sofort tot sei. Tierarzt Hauck-Wien empfiehlt nach zahlreichen Anwendungen seinen Kollegen folgendes einfache und leicht ausführbare Verfahren bei Zuführung von Hunden zur Tötung: Man löst für Hund größter Rasse 5 g Kalium cyanatum in etwa 15 g Wasser, schüttet aus dem Fläschchen diese Lösung im Lefzenwinkel ein. Rechts vom Einschüttenden steht ein Gehilfe mit einem Fläschchen gewöhnlichen Haushaltessigs. Sofort nachdem der Hund den letzten Schluck der Cyankaliumlösung zu sich genommen, wird schnell etwas Essig hinterher eingeflößt und der Hund sich selbst überlassen. Der Tod tritt innerhalb weniger Sekunden durch die plötzliche Blausäureentwicklung ein, kaum daß man die Hand von ihm losgelassen hat. Ehe wir diesen Ratschlag hier weitergaben, haben wir selbst bei einigen solchen Vergiftungen assistiert und uns überzeugt, daß der Hund ohne Krampf, lautlos wie völlig gelähmt, zusammenfällt und niedersinkt, selbst die Gesichtszüge zeigten keine Spur von überstandenen Schmerzempfindungen. Selbstverständlich kann der Tierarzt auch eine eigens neu angefertigte Lösung einspritzen, doch muß er dann einige Tage vorher von dem Besuch zwecks Tötung unterrichtet werden.
Und einige Tage vorher wird auch schon der Nachfolger erworben; am besten ein noch hilfloses, pflegebedürftiges Hündchen, das unsre Zeit und Gedanken völlig in Anspruch nimmt und unsre Angehörigen über den schmerzlichen Verlust eines treuen Freundes hinwegbringt. Bei der zweiten Erziehung hat man viel gelernt, was nun praktisch verwertet wird. Allerdings handelt es sich ebenso wie in den Ausführungen dieses Buches nur um kleine Hilfsmittel und Handgriffe. Die Hauptsache muß der Erzieher selbst besitzen und mitbringen, und das ist genau dasselbe wie beim Einreiten des Pferdes: eine unendliche Geduld, ein feines Gerechtigkeitsgefühl und eine hochanständige Gesinnung.