Mangelhaftes, improvisiertes Werkzeug erschwert jede Hantierung, kostet mehr Mühe und Zeit, bringt geringen Erfolg und läßt schließlich von kleinen Manipulationen absehen, deren Unterlassung später Arbeit und Unkosten verursacht. Vor Ankunft des Hundes muß schon alles bereit liegen, die Anwendung ist zum Teil schon in vorherigen Kapiteln erklärt worden. Zunächst zur Haarpflege nur Borstenbürsten, niemals Marterinstrumente mit Stahlborsten, selbst nicht solche auf Gummiunterlage, man entzündet damit die Haut. Für stockhaarige und rauhhaarige Rassen kurze kräftige Borsten in Kartätschenform. Für Schoßhunde ganz Weiche lange Borsten, die den Kamm ersetzen. Nur in Spezialhäusern für Hundeartikel erhält man die Stahlkämme mit ganz kurzen Zähnen, die zugleich zum Abrupfen des überwuchernden Haares für Rauhhaarrassen dienen. Dieses soll nie so lang werden, daß es die Körperformen merklich überragt. Abgesehen von Bart und Augenbrauen erscheint Rauhhaar, speziell der Terrier, wie ein glatthaariger (nicht kurzh.) Hund; der deutsche Pinscher, Affenpinscher, wird ein wenig länger im Haar gehalten, doch schadet auch für ihn der sogenannte Rupfkamm nicht. Der Zweck der Eisenfeile (für Nagelpflege), harten Zahnbürste ist oben beschrieben. Zwei Porzellanschalen mit Deckel enthalten kleine, dichtgeschlossene Schwämme für Augen- und Ohrenpflege, die öfter in leichtem Desinfektionswasser (Wasser mit etwas Wasserstoffsuperoxydzusatz)
ausgewaschen werden. Ebenso die Bürsten. Ein feineres Staubtuch dient zum Nachtrocknen der Ohren und Augen. Ein vorzügliches Putzmittel zum Nachpolieren nach dem Abbürsten ist der Samthandschuh, den man nach Benutzung mit trockenem Tuch abreibt und gleichfalls von Zeit zu Zeit waschen läßt. Wenn man sich vor regelmäßiger Haarpflege einbildete einen sauberen Hund zu besitzen, so wird man sich durch Anblick des Tuches nach Abreiben des Samthandschuhes überzeugen, daß das Gegenteil der Fall war. Kein Wunder, daß manche Hunde übelriechen, wenn sie nach Regen feucht in das Zimmer kommen. Erst durch peinlichste Sauberkeit wird der Haushund zum Hausgenossen, den man auch berühren darf, ohne sich sofort darauf mit Seife und heißem Wasser waschen zu müssen. Begreiflich, daß zu solcher Pflege das richtige praktische blanke Werkzeug gehört. Schutzdecken (Schabracken) werden nur für kurzhaarige Rassen wie Black and Tan Terriers, Zwergpinscher, Windhund, Whippet (letzteren nach Renntraining sofort umgelegt), besonders Windspiel angeschafft; um ihnen ein gefälliges sportliches Aussehen zu geben, sind sie aus dunklem Tuch, mit Hellen, blauen oder gelben Streifen eingefaßt. Ausnahmsweise legt man solche aus Segeltuch und hinten rings geschlossen Doggen an, um aufgeschlagene Rute zu heilen. Für zarte Schoßhunde schneidet man von abgelegten, gestrickten Handschuhen die Spitzen ab, läßt den Schnittrand von der Hausfrau nachgiebig einfassen und zieht sie vor Ausgang bei nassem Schneewetter über die Füße als Schutzsocken. Blendend schön behaarte Yorkshireterriers und Malteser, die für Ausstellungen vorbereitet werden, müssen solche Schuhe beständig tragen, damit sie sich nicht kratzen können. Wie die Kravatte des Herrn nebst Nadel das einzige Bekleidungsstück ist, das Geschmack und Eleganz verrät, so auch das Halsband des Hundes, das bei der Dogge, dünn und rund genäht, den eleganten Hals unterstreicht und diskret den Übergang zum Rücken nicht stört, bei dem schwarzroten Dobermann oder
Terrier als glattes weißes Band das tief glänzende Fell hebt. Dem gedrungenen Bau mit kurzem Hals durch Wucht und Nägelbeschlag bei der Bulldogge sich anpaßt und den Schein hervorruft, als müßte dieses fürchterliche Tier an schwerstem Halsband gebändigt werden. Beim Barzoi und Pudel oder Collie besteht es nur aus einer vernickelten Kette, die im Haar verschwindet, ohne dieses zu verletzen. Sportrassen wie Foxterriers, Airedales tragen glattes, schmales hellgelbes Lederhalsband, z. B. Dreigliederhalsband, das zwar Zughalsband ist, aber sich nicht völlig zuziehen läßt, wie jedes solche sein sollte, dazu weit genug, um über den Kopf gestreift zu werden. Auffällig als solches durch Farbe oder Zierbeschläge darf nur das Halsband der Bulldogge, der japanische Originalkragen des Chins oder das mit Dachshaaren besetzte der französischen Bulldoggen sein. Das Eigenartige liegt sonst im Passen und Schlichtheit. Zum weißen Halsband gehört die Weiße Leine. Brustgeschirre erhalten nur solche Rassen, die bei fortgesetztem Ziehen am Riemen zu Kropf neigen (glatth. Zwergpinscher, Mops). Ein angehängtes Glöckchen ist eine Zumutung an Nerven des Hundes; geht man aber abends aus, so ist es nicht unpraktisch, ein solches an kleinem Karabiner zu besitzen, damit man die Anwesenheit des Hundes hört, wenn man den kleinen dunklen Kerl nicht sieht. Zum Ausgang in die Stadt gehört die kurze Führleine; je kürzer man den großen Hund hält, desto leichter und fester hat man ihn in der Gewalt. Zur Dressur kann man sich selbst die lange Leine aus fester gedrehter Hanfschnur herstellen. Für harte Hunde benutzt man zur Dressur das unwendbare Stachelgliederhalsband (Torquatus) oder den über das glatte Lederhalsband an zwei Schleifen über
zustreifende Stachelriemen, Marke Horridoh, der nach außen gedreht zum Schutz gegen fremde bissige Hunde dient. Für Hunde, die zum Entweichen oder Wildern neigen, läßt man sich einen sogenannten Knüppel herstellen. Das ist ein rundes Hartholzstück von etwa 50 cm Länge und 8 cm Dicke (je nach Größe, diese für Dobermannpinscher angegeben), dreht in der Mitte eine Ringschraube ein und befestigt mit 2—3 Verbindungsgliedern einen Karabiner, so daß der an das Halsband eingehängte „Knüppel” bis auf die Vorderläufe 1⁄3 von oben) herabreicht. Mit diesem „Knüppel” kann der Hund mit gehobnem Kopf gehen, auch ganz langsam traben, sobald er aber springt oder hetzt, schlägt ihm der Knüppel beständig auf die Vorderbeine. Namentlich für den im Landhaus gehaltenen zum Ausbrechen geneigten Hund, den man tagsüber im Garten frei laufen läßt, ist der „Knüppel” zu empfehlen. Hat er sich einige Zeit bewährt, so kann man ihn durch Absägen auf beiden Seiten kürzen, er wirkt als Warnung trotz Kleinheit weiter. Wer öfter reist und den Hund von mittlerer Größe oder Zwerghund mitnimmt, wird sich vorteilhaft einen Reisetransportkorb mit Gittertür anschaffen, der schon einige Tage vor der Reise nachts als Lager (geschlossen) dienen soll, so daß sich der Hund gar nicht aufregt, wenn er in diesem als Reisegepäck aufgegeben oder im Hotel bei Ausgang eingesperrt wird. Verläßt man das Hotel bei Tage, so überdeckt man den in dunkle Ecke gestellten Korb, weil sich für das Hundegehirn Dunkelheit mit Nachtzeit verbindet und er sich dann ruhiger verhält. Der Pudelbesitzer benötigt die Haarschere, die für großen Schlag eine Schnittbreite von 42—44 mm, kleinen Schlag 32—35 mm, eine Schnittlänge von 1⁄4 mm (sogenannte Bartschere) haben soll. Solche mit 1⁄2 mm schneiden zuweit über der Haut und rupfen. Man ölt gut und setzt kräftig die an der Stellschraube energisch angezogene Maschine gegen den Haarstrich ein. Hat das erstemal ein geübter Pudelscherer den Hund frisiert, so ist es dann eine Kleinigkeit ihn so zu erhalten. Zehen und Gesicht werden
alle 8—14 Tage, der Hinterkörper im Sommer alle 14, im Winter jede dritte Woche nachgeschoren. Überragende Haarspitzen entfernt man beim Wollpudel mit der Handschere. Nach dem Bad werden die Schnüren mit Tüchern partienweise trocken frottiert. Leider gehört in vielen Städten zu den aufgezwungenen Utensilien auch der Maulkorb für alle, oder doch größere Rassen, der natürlich gegen Verbreitung der Tollwut durch entweichende Hunde keinerlei Schutz bietet, aber für ängstliche Menschen, die meinen, daß alle Hunde „beißen”, eine Beruhigung ist. Er soll aus Lederriemen hergestellt und so lang sein, daß er vorn Nase und Schnauze nicht scheuert; gegen das Kahlreiben auf Nasenrücken schützt Umwicklung des aufliegenden Lederteils mit Tuchstreifen. Drahtkörbe sind wohl haltbarer, für kurzhaarige Rassen eine Marter, sollten höchstens für Zughunde benützt werden. Man nehme ihn lieber etwas größer als nötig und schütze ihn gegen Abstreifen durch eine Lederschleife hinten, die durch das Halsband gezogen wird. Es ist vorteilhaft, den Maulkorb aus schwarzem, weichem Leder Herstellen zu lassen; hellgelb irritiert das Hundeauge, wie ja auch die schwarze Hornbrille weniger stört als die mit glänzendem Goldrand. Das Angewöhnen erfolgt nicht in Haus oder Garten, sondern nach flottem Spaziergang, der die Aufmerksamkeit ablenkt und zwar in früher Jugend. Haben wir nur noch gut erzogne und wohlbehütete Hunde, keine beständig sich auf Straßen herumtreibenden Köter mehr, so wird der Maulkorbzwang von selbst wegfallen. Die Hundepeitsche braucht nur der Dresseur für den Berufshund (Jäger, Polizeihundführer), nicht der Erzieher; ihm genügt die Gerte oder ein leichtes spanisches Rohr.
[a]25. Kapitel.]
Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin.
Wie das Auge der Spiegel der Seele, so ist die Haut der der Gesundheit. Ein glattes glänzendes, gut anliegendes Haar verbürgt in Verbindung mit klarem Auge und kaltfeuchter Nase das Wohlbefinden. Munteres, lebhaftes Verhalten und guter Appetit sind die Folge. Die Exkremente, konsistent, wenn zu hart und steinig, so gebe man weniger Knochen und mehr Getränk. Zu viel Kot in breiiger Form verrät gehaltloses Beifutter, man füttere daher besser (mehr Eiweißgehalt). Die einfachste Kontrolle für richtige Ernährung und Verdauung ist also tägliche Beobachtung des Kots. Ist alles in Ordnung, so genügt ein Blick darauf. Jede Abweichung von dem eingangs beschriebenen Aussehen erfordert Beachtung. Krankheit kündet sich durch Mattigkeit, Ruhebedürfnis, Appetitlosigkeit an, wird bei täglicher Haarpflege sofort festgestellt. Bei katarrhalischem Aussehen von Nase und Auge wird sofort beim Junghund die Körpertemperatur (im After, Spitze des Fiebertermometers behufs leichten Einführens mit Vaseline oder Öl eingefettet) gemessen, beträgt sie über 39 ° C., etwa 39,5 und dünstet die Haut übel aus, so liegt Staupeverdacht (Sucht) vor, gibt man sofort etwas Hefe, hält den Hund warm im Zimmer und ruft einen Tierarzt, der selbst Züchter oder Spezialist von Hunden ist. Das übliche Futter bleibt sogleich weg, etwas geschabtes rohes Fleisch, falls roh nicht genommen, leicht angebraten und ganz klein geschnitten. Man versäume keine Zeit mit „unfehlbaren Staupemitteln”, die je nur eine bestimmte der zahlreichen Formen treffen, überlasse etwaige Injektion dem Tierarzt. Es ist weder nötig, daß alle Hunde die Staupe bekommen, noch schützt ein Anfall unbedingt gegen weitere; es ist nur wahrscheinlich, daß ein kräftiger Hund, der die
Staupe überstanden, gegen nächste Infektion geschützt ist oder sie leicht überwindet. Bleibt nach schwerer Sucht ein Nervenleiden (Zucken, Schwäche in Hinterhand), so soll das unheilbare Tier lieber erlöst werden, es ist zeitlebens ein Schwächling ohne Zuchtwert. Abgang von dünnflüssigem Kot ohne Fieber und Mattigkeit wird sofort mit Diät bekämpft. Tagelang kein kaltes Wasser, gegen Durst höchstens Reiswasser, als Nahrung Schleimsuppe durch ganz geringen Fettzusatz schmackhaft gemacht. Dazu Ruhe, Wärme, keine Medikamente, noch Heilmittel nach Laienvorschlägen. Unschädlich, doch wirksam sind kleine Gaben von Bismut. salicyl. Einmaliges Erbrechen, namentlich von Gras oder ähnlichen Fremdkörpern gibt zur Beunruhigung noch nicht Anlaß, zumal junge Hunde leicht erbrechen. Liegt bei solchem Verdacht vor, daß der Hund auf Spaziergang Aas (Fleischgift) oder Giftbrocken aufgenommen hat, so ist innerlich mit Kalomel (Dosierung je nach Größe durch Apotheker) zu reinigen und gegen Herzschwäche etwas Kognak einzuflößen. Wird ein Hund richtig ernährt, erhält er in der Jugend genügend Knochen, Nährsalze, Lebertran gegen Rachitis, hat er reichlich Bewegung, so ist er widerstandsfähig und wird höchst selten erkranken, namentlich wenn ihn Reinlichkeit gegen Infektion und Hautkrankheiten schützt. Zeigt die Haut kleine, rundliche, kahle Stellen ohne Juckreiz, so liegt Flechte vor; die befallenen Stellen werden mit Jodtinktur, die immer in kleinen Fläschchen vorrätig sein sollte, bepinselt. Haarausfall, heftiger Juckreiz, häßliche Hautstellen verraten Räude. Selbst die früher für unheilbar gehaltene Acarusräude ist durch energische Einreibung mit Schwefeloxydul (Chem. Fabrik Marienfelde-Berlin) heilbar, die gegebnen Vorschriften sind genau zu befolgen, da sonst wirkungslos. Fast alle Mittel helfen, nur muß die Kur bei den meisten sehr gewissenhaft befolgt werden. Es kommt weniger auf das Mittel selbst als auf die Anwendung an. Bei obigem Mittel genügt einmalige Einreibung. Hervorragend gegen
Sarkoptesräude, Ekzem, Herpes hat sich Odhlen (Bayer) bewährt.