nie, so schadet es auch nichts, vorausgesetzt, daß man seinen Hund vernünftig hält, nicht überfüttert und für ausgiebigen Auslauf und Tätigkeit sorgt. Ein besonders kluges und zugleich schönheitlich hervorragendes Tier der Zucht ganz zu entziehen, wäre eine Schädigung für die Hochzucht und Rasse, da ohnehin die für Vermehrung tätigsten Zuchthunde leider vielfach Zwingerhunde sind, also zur Hebung von Intelligenz und guten Charaktereigenschaften selten beitragen. Wenn Rüden häufig Zeichen von Geschlechtserregung geben, auf andren Hunden reiten, so ist das ein Zeichen zu üppiger Fütterung, muß man reduzieren und für ausgiebige Bewegung sorgen.

[a]23. Kapitel.]
Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge; Scheren und Baden.

Jedem Haushund muß man sofort auf erstem Blick am Gesamteindruck ansehen, daß er gepflegt ist; das unterscheidet ihn von Straßenköter und Zwingerhund in Verbindung mit einer gewissen Haltung, die nur der wohlerzogene Hund zeigt. Dadurch übertrifft er selbst Ausstellungstiere von höheren Rassenwerten. Ein einmaliges Waschen und Bürsten gibt diesen Eindruck noch nicht; Pflege sitzt wie ein gutgearbeiteter und selbstverständlich getragner neuer Anzug. Wer durch etwas Ausübung Verständnis erhalten hat, wird — um durch sorgfältige Pflege seinen Kameraden zu heben — sogar den Pudel, den rauh- oder langhaarigen Rassenhund dem stock- und kurzhaarigen vorziehen. Allerdings sind die erstgenannten ohne oder mit mangelhafter Haarpflege geradezu abstoßend, die letzteren (kurzhaarige) auch dann noch erträglich. Da sie sehr wenig Pflege brauchen, unterbleibt leider oft das Wenige, doppelt beschämend für den Besitzer, zumal der, der keine Zeit für solche Äußerlichkeiten hat, die alle Welt feststellen und

kritisieren kann, noch weniger Lust und Sinn für Erziehung und Innenleben seines Hausgenossen hegen wird und besser täte, gar keinen Hund zu halten. Pünktlichkeit ist das Rückgrat der Pflichterfüllung, deshalb soll eine ganz bestimmte, alltäglich innegehaltene Viertelstunde gewählt und unerbittlich (gegen sich selbst) festgehalten werden, z. B. kurz vor dem Mittagessen, weil da die Hygiene ohnehin geistige und anstrengende körperliche Arbeit verbietet, also eine halbe Ruhepause als Übergang von Arbeit recht nützlich ist. Gibt es auch noch so wenig am Hund zu tun, er wird doch so täglich kontrolliert. Zunächst wird das Haar gebürstet; je länger oder seidiger dieses ist, desto weicher und länger muß die Bürste dazu sein. Ganz kurzhaarige Rassen auch Schäferhunde werden mit einer Borstenkartätsche, wie für Pferde üblich mit Lederschlaufe über Handrücken, behandelt. Vom Kopf nach rückwärts bis zum Rutenansatz, sodann Keulen und Läufe abwärts. Dieses Bürsten ist zugleich eine sehr wohltätige Hautmassage, es entfernt Staub und Schmutz, die für Ungeziefer und Räudeansteckung der Nährboden sind. Für zarte Rassen oder solche mit feiner Haut (Windhunde, Barzois, glatte Terriers, kurzhaarige Zwergpinscher) wird die Bürste am besten durch den sogenannten Haarhandschuh ersetzt. Nach Gebrauch wird letzterer, kräftig ausgeklopft, von Zeit zu Zeit mit Seife gewaschen. Die Bürste, mit Tuch sauber gerieben. Ein Kamm wird für langhaarige Rassen niemals benützt; einem Collie, Bernhardiner, Chin, Pekingesen, Malteser würde damit alle Schönheit (Haarreichtum mit dichter Unterwolle) hoffnungslos ruiniert. Filzt sich Haar je zusammen, so wird es nur mit den Fingerspitzen vorsichtig aufgezupft. Ein Kamm voll Haare nach dem Auskämmen wäre nicht Beweis von Pflege, sondern von unverstandener Mißhandlung. Der schöne Hund soll (ausgenommen Setter und Spaniel) nicht von dünner Haardecke leicht umgeben sein, sondern in einem vollen Haarschmuck prangen. Der harte Stahlkamm dient lediglich zur Korrektur für zu zottig

und üppig behaarte Rauhhaarrassen, wie Airedales, Schnauzer, Brüssler Griffons, namentlich muß damit das überragende Haar am Hals, Oberkopf, Läufen, Backen entfernt werden, um eine elegante Erscheinung herzustellen, die nicht wie ein Wollpudel aussieht. Ferner wird mit weitem Kamm täglich beim Wollpudel das Haar auf Kopf und Körper offen gehalten, damit es sich nicht zu Schnüren schließt. Zur Kontrolle, ob Flöhe vorhanden, dient der enge Staubkamm bei kurzhaarigen Rassen. Solche dürfen beim sauber gehaltenen Haushund nie Vorkommen; sie quälen den Hund (abirrend den Menschen) und sind Zwischenträger von Würmern. Sich wegen Ungeziefer kratzende Hunde ruinieren sich damit ihr Haar und ziehen sich leicht Hautverletzungen (Ekzem) zu. Ein gepflegter und gesunder Hund muß immer ein glänzendes Fell haben und auch ohne Bäder sauber aussehen. Nach der Haarpflege wird mit besonderem Tuch das Auge täglich gereinigt, so daß sich in den Winkeln nie Sekret festsetzt. Ist es katarrhalisch entzündet, so wird es mit leichter Borsäurelösung gewaschen, darauf gut getrocknet, damit nicht bei kühlem Wetter eine Erkältung eintritt. Nach den Augen wird das Ohrinnere mit feuchtem Schwämmchen (der in sogenannter Seifenschale geschlossen aufbewahrt und nach Gebrauch ausgewaschen wird) täglich gereinigt. Zeigt sich Ausfluß, so bläst man mit kleinem Röhrchen etwas pulverisierte Borsäure in den Gehörgang. Die Zähne der Junghunde bedürfen noch keiner Pflege; nur bei ersten Anzeichen von Staupe muß täglich mehrmals das ganze Gebiß mit desinfizierender Flüssigkeit (verdünntem Spiritus, Lösung von hypermangansaurem Kali, essigsaurer Tonerde oder dgl.) gründlich gesäubert werden, um das sogenannte Staupegebiß (kariös, ohne Schmelz) zu verhindern. Mit etwa 5 Monaten ist nachzuprüfen, ob die ersten Hakenzähne, dicht hinter den zweiten stehen geblieben sind. Da sich zwischen diese Speisereste festsetzen, riechen solche Hunde faulig aus dem Maul. Bei Zwerghunden ist das häufig. Die ersten Zähnchen sind mit dafür konstruierten

Zange leicht zu entfernen, oft schon mit der Hand; doch soll man sie herausziehen, nicht abbrechen. Erhalten Jährlinge harte Hundekuchen, Knochen für das kräftige Gebiß, das danach verlangt, so wird sich selten ein gelblicher Belag an den Eckzähnen bilden. Wo die Neigung dazu vorhanden ist, genügt ein tägliches energisches Darüberstreichen mit harter Zahnbürste, woran sich Hunde sehr rasch gewöhnen. Die erstmalige Entfernung des schon leicht verhärteten Belags kann mit Fingernagel oder Messer erfolgen. Laufen Hunde wenig auf harter Straße, so werden oft die Krallen zu lang; sie zersplittern sich auch bisweilen, so daß man von Zeit zu Zeit kontrolliert und mit Eisenfeile etwas kürzt. Abzwicken mit Zange erfordert scharfes Instrument (Nagelzangenschere), da sonst die Kralle splittert oder Blutung eintritt, wenn man zuviel wegnimmt. Allmähliches Abfeilen, wobei jemand den Hund beschäftigen und die Pfote halten mag, ist vorzuziehen. Namentlich ist bei Hunden mit Afterklauen (lose, fünfte Zehe am Hinterlauf) die Kralle zu kürzen, da sie sonst in das Fleisch hineinwächst. Vor Abzwicken mit warmem Wasser weich machen, schützt vor Splittern. Ausgenommen bei Hautkrankheiten zu intensiver Behandlung werden Hunde nie geschoren und so des natürlichen Schutzes auch gegen Sonnenbrand beraubt. Infolge des natürlichen Haarwechsels ist im Sommer ohnehin die sogenannte Unterwolle der dichtbehaarten Rassen dünner. Einen dicken Haarpelz, für bestimmte Rassen besonders erwünscht, z. B. für Collies, Chow-Chow, russische Windhunde, erzielt man nur, wenn man sie auch im Winter im Freien schlafen läßt. Die einzige Ausnahme macht der halbgeschorene Pudel, an dessen Keulen, Hüftknochen, Gelenken kleine Krausen stehen bleiben. Die Schnauze wird mit Ausnahme des Bartes bis etwa 2 cm über die Augen geschoren, das Kinn und die Kehle bis etwa unter Halsbandtiefe. Zum Füttern werden die langen Ohren mit einer Klammer (Schnurrbartklammer, bei Friseuren erhältlich) über dem Kopf befestigt. Sein Bart ist täglich mit Schwamm zu reinigen.

Wird der Hund täglich mit der Bürste oder Haarhandschuh gereinigt, was die meisten als eine Wohltat empfinden, so daß sie dazu willig sich stellen, so sind Bäder sehr selten nötig. Junge Hunde, die noch Mutterwolle tragen, sollte man überhaupt nicht baden, man setzt sie selbst bei aller Vorsicht im überhitzten Raum der Gefahr von Erkältung aus. Wird der ältere Hund gebadet, so hebt man ihn in eine Wanne, in der das Wasser nicht ganz bis zur Bauchhöhe reicht. In einer Schüssel wird etwas milde Seife im warmen Wasser aufgelöst und damit mittels Bürste (bei kleinen Rassen mit Schwamm) von der Mitte des Rückens nach rechts und links abwärts abgewaschen. Sodann kräftig mit Wasser nachgespült, das Haar energisch nach der Richtung des Wuchses ausgedrückt. Wollte man kräftig den Hund selbst einseifen, so brauchte man eine Unmenge Wasser, um alle Seifenspuren zu entfernen und verfilzt das Langhaar derartig, daß man später beim Auskämmen zu viel ausreißt. Hat man das Wasser aus dem Haar gestrichen, so überdeckt man mit einem Frottiertuch und klopft mit flacher Hand trocken. Zarte Seidenrassen, wie Malteser, Yorkshireterriers werden nachher dicht am wärmenden Feuer mit der Bürste trocken gebürstet; würde man das Haar am Feuer ohne Bürste (immer vom Scheitel abwärts) trocknen, so wird, es wellig, was ein großer Schönheitsfehler ist. Derbe Rassen wie Schäferhunde, Boxer, französische Bulldoggen, Foxterriers kann man etwas kräftiger abreiben, doch benütze man immer milde (überfettete) Seifen und lasse bei Kälte oder Wind die Hunde erst einige Stunden nach dem warmen Bad ins Freie, da die geöffneten Poren leicht zu Erkältung führen. Sehr bequem ist die sogenannte Trockenwäsche für weiße Hunde; doch soll man damit nur das äußere Haar reinigen, nicht die Hautporen verschließen. Trockenwaschpulver (eine Mischung von Kartoffelmehl und Magnesia) ist in Spezialgeschäften für Hundeutensilien erhältlich. Zur Erhaltung der Gesundheit und Sauberkeit wird das lange Stirnhaar (der Fall) von Pudel, Malteser,

Yorkshireterrier mit einem Seidenband zusammengebunden, man umfaßt es mit linker Hand, zieht es nach oben, umwickelt mehrmals mit farbigem Band fest zusammen, die Enden werden zu einer Schleife geknüpft. Ein sehr langer „Fall” wird zum Zopf geflochten.

[a]24. Kapitel.]
Utensilien zur Pflege und Dressur.