[a]I. Teil.]
Die Verpflegung und erste Anleitung.
[a]1. Kapitel.]
Trächtigkeit. Geburt und Pflege des Welpen bis zur Abgewöhnung von der Mutter.
Der Züchter, der einen lebenskräftigen Wurf erzielen und sich eine gesunde, die Welpen gut und reichlich ernährende Mutter erhalten will, muß schon kurz nach dem Belegen mit rationeller Behandlung und Fütterung einsetzen, damit die tragende Hündin nicht gezwungen wird, ihr eigenes Blut-, Kalk- und Fleischreservoir im Körper anzugreifen und zu erschöpfen. Sie muß in der kurzen Zeit von 9 Wochen eine Körpermasse bilden, die bis 1⁄7 ihrer eigenen beträgt. Innerhalb der ersten 14 Tage der Tragzeit läßt man einen Futterwechsel noch nicht eintreten, nur den Bedarf an phosphorsaurem Kalk verabreicht man ganz allmählich steigernd zunächst auf natürlichstem Wege durch Knochengaben. Weiche, nicht ausgekochte Kalbsknochen verdienen vor allem den Vorzug. Nach 14 Tagen, ist es schon angezeigt, ein Futter von besserer Qualität zu verabreichen, ohne die Masse zu vermehren, weil Darm und Magen ohnehin durch die ausgedehnte Gebärmutter bedrängt werden. Je schneller die Mutter unter lebhaftem Fungieren aller Organe als Grundzug jeder Fruchtbarkeit das Futter umsetzt, desto bester; jeder von den 63 Tagen der Tragzeit ist wertvoll. Luft, Sonne, Bewegung, Haut
pflege, Abwechslung im Futter, Spaziergänge und freundliche Ansprache, kurz alles, was das Wohlbehagen fördert, sind unsere Mittel. Von der vierten Woche wird der Auslauf verringert; Hetzen, Hochsprung, Massage der Hinterhand bei Bearbeitung mit dem Haarhandschuh, fallen weg. Sobald die Hündin sichtbar trägt, was man am besten über ihr stehend von oben feststellt, erhält sie ihr Futter in mehreren Rationen (3—4 täglich) und vermehrt in Menge. Je verdaulicher zubereitet und gehaltvoller, desto vollkommener wird sie Welpen aufzubauen vermögen; sie braucht dazu Eiweiß, Kalksalze, leimgebende Substanzen, und das alles muß erst von ihr auf dem Wege der Verdauung ihrem Blute zugeführt werden, um durch das Blut wiederum in die Gebärmutter zu gelangen und den Fötus (Leibesfrucht) zu ernähren. Statt einer Futtermenge von etwa 900—1000 g gemischter Kost (Fleisch, Knochen und Vegetabilien) im Verhältnis 1—3 für Bernhardiner, Dogge, 8—600 für Jagd- und Schäferhunde, 200 für Teckel, Foxterrier, je trocken gewogen, gibt man jetzt etwa 1250, 900, 300 g im Mischungsverhältnis 2:3 von Fleisch und Vegetabilien. Fett (z. B. in Fettgrieben), das auch junge Hunde schlecht vertragen, reicht man sparsam; von viel Milch ist jetzt abzuraten, da selbst die beste 87% Wasser enthält. Besteht Verdacht, daß eine Hündin mit Würmern behaftet ist, so soll eine Wurmkur (siehe Kap. 4) spätestens in der 5. Woche vorgenommen werden; eine spätere Gewaltkur gegen Bandwurm führt häufig zum Verwerfen. Ungeziefer (Flöhe) ist als Blutentzieher nicht zu dulden. Schon in den letzten Wochen, nicht erst Tagen oder Stunden, wenn die Hündin bereits unruhig geworden und vor dem Werfen steht, ist das Wurflager herzurichten. Für harte größte Rassen genügt eine gegen Zugluft abgeschlossene Hütte im Freien oder im Schuppen, im Haus die sogenannte Wohnkiste mit etwas erhöhtem Einschlupf und abdeckbaren Deckel, für kleinere Schläge eine flache Kiste, deren Seitenwände grade hoch genug sind, das Herausfallen der Welpen zu verhindern, für kleinste ein flacher
Korb. Als Einstreu trockenes Heu, kurzes Stroh, nie Holzwolle, noch alte Decken, die durch Fruchtwasser durchnäßt werden würden. Außerdem scharrt jede Hündin die Streu beim Werfen beiseite und legt die Welpen auf den blanken Boden, der deshalb nicht kalter Stein sein soll. An dieses Lager, das ruhig, etwas dunkel und geschützt stehen soll, gewöhnt man die Hündin schon einige Zeit vor der Fälligkeit des Wurfes (62.—63. Tag). Der Wurfakt geht meist nachts völlig glatt vor sich; der Laie vermeide jede, noch so wohlgemeinte Hilfe. Die Hündin beißt die Nabelschnur selbst durch, frißt diese, sowie die Nachgeburt, leckt die Welpen sauber und trocken. Zwischen den Pausen kann man ihr, wenn sie ersichtlich erhitzt ist und lechzt, etwas Trinkwasser hinhalten. Ist sie ruhig, so unterbleibt alles für mehrere Stunden. Dann erst läßt man die Hündin zur nötigen Entleerung ins Freie führen; inzwischen hat man schon eine Waschlösung (Eimer) vorbereitet mit warmem Wasser, in das etwa 50 g Septoform geschüttet wird, um den Boden zu reinigen. Die Welpen liegen einstweilen warm zugedeckt in einem Korb. Die der Mutter zu belassenden, bei Erstlingswurf höchstens 3—4, bei späteren bis 5, legt man der Hündin sofort bei Rückkehr unter. Die zu tötenden sind inzwischen weit entfernt worden, so daß die Mutter ihr Winseln nicht hören kann. Man tötet sie durch kräftiges Aufwerfen auf den Steinboden; der Sturz hat sie schon betäubt, ehe sie den Boden erreichen. Die kräftigsten Rüden läßt man leben; Hündinnen nur, wenn sie von Züchtern bestellt sind, niemals, um sie an Laien zu verschenken, da sie nur in Hände von Fachleuten gehören.
Für die säugende Hündin ist ein allmählicher Futterwechsel nötig, plötzlicher führt zu Verdauungsbeschwerden, die auf die Milch übergreifen. In den ersten Tagen gibt man vorwiegend Milchsuppen mit Hafer-, Gerstenflocken oder Mehlsuppen. Wie während der Tragzeit darf Kalk nicht fehlen, man fügt am einfachsten zu jeder Mahlzeit einen Eßlöffel Kalziumlösung, die man sich durch Auflösen, von 100 g