Chlorkalzium in 12 l Wasser bereitet hat. Auch Phosphor ist nötig; er vermehrt und verbessert die Milch, und wird in Form von Phosphorlebertran verabreicht. Innerhalb der ersten Tage werden Afterklauen mit desinfizierter Schere (Eintauchen in schwache Septoformlösung) abgeschnitten und die kleine Wundstelle mit blutstillender Watte kurze Zeit geschlossen. Bis spätestens zum 8. Tage läßt man die Ruten von Terriers, Dobermannpinscher, Schnauzer, Zwergpinscher, Toyspaniel, Pudel, Rottweiler, Griffons, deutschen Vorstehhunden usw. kürzen, die Ohren erst mit 8—12 Wochen. Die Wurfkiste oder Hütte wird fleißig gelüftet, der Boden öfter mit Septoformlösung (aromatisch riechendes Desinfektionsmittel) gewaschen, das Lager beständig erneuert, so daß Blutsauger, wie Flöhe und Läuse, die zudem Überträger von Bandwurm sind, nicht aufkommen. Die Reinigung der Welpen besorgt die Mutter, die auch durch Lecken des Unterleibs die Kleinen zur Entleerung veranlaßt. Hat sie die Nabelwunde durch Übereifer entzündet, so mildert man mit Borsalbe. Bis zum 9. bis 10. Tage hören und sehen die Welpen noch nicht; dann öffnen sich Ohr und Lid, und es ist Zeit sie allmählich an Licht zu gewöhnen. Auch an Temperaturunterschiede, indem die Mutter zeitweilig ausgeführt wird. Je weniger Welpen man ihr beläßt, je rationeller man sie mit milchgebenden Stoffen füttert: Mehlsuppen, gesalzener Milch mit altem, eingeweichtem Brot, dazu täglich Fleisch und Knochen nebst Phosphor-Lebertran, desto länger und besser ernährt sie die Welpen. Solange sie nur liegen oder herumkriechen, genügt die flüssige Ernährung; das Zeichen zur halbflüssigen ist ihr Herumwatscheln oder Gehversuche. Anfangs der dritten Woche bricht das Milchgebiß durch, ein Signal, daß sie etwas zu beißen brauchen. Da selbst Pflanzenfresser im Mutterleib und während des Säugens nur animalisch ernährt werden, braucht man von kleinen Fütterungsgaben von geschabtem rohem Fleisch nicht zurückzuscheuen. Dazu gibt man nach und nach als Beigabe zur Muttermilch pasteurisierte

Kuh- oder noch besser Ziegenmilch mit etwas Kochsalz. Später setzt man der Milch Hafergrütze oder Hafermehl zu nebst kleingewiegtem Fleisch, füttert etwa 5 mal im Tag und läßt die Mutter nach 6 Wochen nur noch nachts zu den Welpen. Durch ein erhöhtes Brett oder Lager gibt man ihr Gelegenheit, sich vor den spitzen Krallen und scharfen Nägeln zu retten. Je früher und öfter es mildes und trocknes Wetter gestattet, die Kleinen an die Sonne, sei es auf Kiesplatz, Holzbelag (nur nicht feuchten Rasen) als Spielplatz zu bringen, desto besser. Doch nicht überfüttern, lieber öfter und immer gehaltvoller. Und sobald sie allein sich nähren, also mit etwa 8—9 Wochen, hinaus damit an die neuen Besitzer, die dem einzelnen mehr Sorgfalt und Futter zuwenden, können, als der Züchter einem ganzen Nest. Vorher läßt man die Namen nebst Züchteraffix bei zuständigem Stammbuch eintragen, da es Züchterrecht und -Pflicht ist, die Namen dauernd festzulegen, unter denen die zukünftigen Preisgewinner ihm dereinst Ehre machen sollen, und sie mit Stammbuchnummer legitimiert abzugeben. Zugleich mit dem abzugebenden Welpen und der Bestätigung über erfolgte Eintragung in das Zuchtbuch sollte jeder Züchter dem Laienkäufer ein Exemplar dieses Buches überreichen, damit der neue Hund dem Besitzer durch rationelle Aufzucht und Erziehung einst Freude bereite.

[a]2. Kapitel.]
Die Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz.

Ein unbeholfenes, noch weltfremdes, drolliges kleines Lebewesen kommt in eine völlig neue Umgebung und ist dementsprechend zu behandeln. Falls mit Bahn oder Post überschickt, sorgt man, daß es morgens durch Expreßboten eintrifft; der zukünftige Herr öffnet den Behälter selbst, damit ihn der Hund als Erlöser aus dem Gefängnis betrachtet. Er soll

einen ganzen Tag Zeit haben, den ersten Trennungsschmerz zu überwinden, damit er nicht nachts durch Winseln und Heulen die Familie oder gar das ganze Haus in der Nachtruhe stört. Durch vorherige Erkundigung beim Züchter orientiert man sich, ob das Schlaflager in Korb, Schlafkiste (diese ist mit seitlichem Einschlupf und Schubtür zu versehen, als Aufenthalt willkommen und zur Erziehung praktisch), Matratze, dicker Kokosmatte (bequem wegen Reinigung) bestand, welches Futter und wie oft gegeben wurde. Das erste Lager wird vorteilhaft aus dem Heu der Transportkiste, das noch Heimatgeruch hat, gebildet. Bereitzustellen ist außer dem Lager: ein kleiner Eimer mit Sägespänen und eine Flasche Septoform zum Desodorieren des Aufwaschwassers. Man darf sich nicht begnügen, nasse Spuren aufzutrocknen, sondern muß die betreffende Stelle durch Eingießen von etwas Septoform verwittern (den Uringeruch überdecken!), weil Hunde sonst dieselbe Stelle immer wieder benützen würden. Etwas billiger und ausgiebiger ist Lysol oder Kreolin, aber wegen des scharfen Geruchs in der Wohnung lästig. Alsbald nach Ankunft trägt man den Welpen in einen geschlossenen Hof oder Garten, sobald er durch unruhiges Herumsuchen verrät, daß er sich lösen oder nässen will. Beobachtet man ihn darauf in den ersten Tagen beständig, so wird man sehr bald am Benehmen und tiefer Kopfhaltung des Suchens merken, daß es Zeit ist, hinauszuführen, was zur Zimmerreinheit hinleitet. Diese zu erzwingen, ist erst möglich, wenn er sich etwas eingewöhnt hat und begriffen, daß es Dinge gibt, die ihm verwehrt sind, also Verbote und Gebote, die er befolgen muß, um sich nicht üblen Folgen auszusetzen. Das erste Begreifen ist ihm mit dem „Platz!” beizubringen, das ist das ihm zugewiesene Lager, auf dem er zu verharren und das er aufzusuchen hat, wenn das scharf gesprochene Wort „Platz!” erfolgt. Zunächst ist ein solcher im Zimmer, wo die Familie und er sich gewöhnlich aufhalten, so zu wählen, daß er von dort aus selbst übersieht, gesehen wird, aber nicht getreten

werden kann oder lästig fällt. Nachdem er sich einige Zeit frei bewegen durfte, wird er dorthin geführt, sanft zum Legen niedergedrückt unter Kommando „Platz”. Macht er Miene aufzustehen, so drückt man wieder nieder: „Platz”. Wiederholt es mehrmals mit viel Geduld. Hilft energisches Befehlen bei dem kleinen Quecksilber nicht, so unterstützt man das Kommando mit leichtem Schlag, doch nicht mit der Hand, die nie zum Schlagen dienen soll, sondern mit leichter Gerte (Zweig). Die Hand ist etwas, was der Hund nie fürchten soll; diese belohnt, streichelt, gibt, deutet. Ein gut behandelter und richtig erzogener Hund wird mit der Schnauze die Hand des Herren suchen, seinen Kopf in diese legen, nie nach der Hand von Menschen schnappen, auch wenn diese z. B. einmal genötigt ist, einen Knochen wegzunehmen oder energisch einzugreifen. Allzulange zwingt man anfangs zum Verharren auf dem „Platz” nicht, sondern gibt durch freundlichen Anruf des Namens, der kurz, höchstens zweisilbig sein soll, Erlaubnis zum Verlassen. Einsilbig und kurz, wie ein Ruck, suggestiv seien die ersten Kommandos und das Wehren: Pfui, Hier, Platz, Aus. Beim Anruf und überall, wo er beschleunigt folgen soll, klatscht man in die Hände; auch das wirkt aufstachelnd, suggestive. Niemals verzichte man darauf, daß der einmal gegebene Befehl „Platz” nicht ausgeführt oder auch nur nachlässig beachtet wird; folgt der Hund nicht, so führt oder trägt man ihn energisch zum Lager, wo er einige Zeit verharren muß, worauf man ihn belobt. Von den ersten Anfängen an muß es dem jungen Tier in Fleisch und Blut übergehen, daß jeder Befehl unweigerlich zu befolgen ist. Das ist für die ganze Erziehung und Dressur ausschlaggebend. Hat er nach mehrmaligen täglichen Übungen begriffen, was er soll und daß er muß, so wird der Ort des Lagers gewechselt, falls dieser z. B. nachts nicht im Wohnzimmer, sondern im Vorhaus sich befinden soll. Wer ein Landhaus allein bewohnt, wird immer das Treppenhaus dazu wählen, so daß der Hund nicht zu fern der Haustür liegt. In einem

Mietshaus empfiehlt sich dies für untere Stockwerke weniger, damit der Hund nicht wegen später nachts heimkehrender Mitbewohner alles im Schlafe stört. Selbstverständlich muß der Hund, falls man beim Verlassen des Zimmers das Kommando „Platz” gibt, dort verweilen, auch wenn er allein gelassen wird. Man überzeugt sich, indem man rasch zurückkehrt, spricht ihn bei Ungehorsam scharf an und unterstützt den neuen Befehl durch Drohung mit Gerte oder leichtem Schlag. Wenn das alles auch überflüssig erscheint, so führe man doch alle diese Übungen konsequent durch; es ist die eindrucksvollste, leichteste Vorbereitung für alle spätere Dressur. Das nächste Wort, das der junge Hund sehr rasch begreifen wird, weil das Hinausgeleiten aus der Monotonie des Zimmers, in dem er sich gesittet benehmen muß, ihm Freude macht, ist „Hinaus”. So oft es hinausgeht, wird das Wort mehrmals lebhaft wiederholt, bis sich für ihn damit der Begriff von Bewegung und Verlassen des Zimmers verbindet. Die Worte „Platz” und „Hinaus” sind es aber nicht allein, sondern der Ton und Klang, und dafür haben alle Hunde ein sehr feines Verständnis, da sie nie ein Wort selbst und dessen Bedeutung erfassen, sondern nur den Begriff, der sich für sie damit innig verbindet. Kinder haben dem Junghund nie zu befehlen; sie dürfen sich höchstens mit ihm befassen und spielen. Aber sie sollten unbewußt viel von dessen Erziehung profitieren.

[a]3. Kapitel.]
Fütterung und Futter.

Die älteste Hundehaltung war auf einen Abfallfresser zugeschnitten; sie ist es auf dem Lande im allgemeinen heute noch, durch gelegentliche Zugaben etwas verbessert. Unsre anspruchsvoller gezüchteten Rassehunde wären damit nicht auf der Höhe zu erhalten, und doch sollte sich die Ernährung nicht allzuweit davon entfernen, nur eine gewisse Nachhilfe ist

während der Entwicklungszeit unentbehrlich. Ebenso wichtig ist die Gleichmäßigkeit der Rationen, dem Alter angepaßt, die Regelmäßigkeiten der Mahlzeiten, endlich Vorhandensein der Aufbaustoffe. Konsequente Durchführung befördert ordnungsmäßiges Fungieren des ganzen Verdauungsapparats und der Auswertung. Einige Grundregeln für die Fütterung sind: Das Futter soll immer gut gewärmt werden, denn ehe die Verdauung beginnt, muß der Speisebrei auf Blutwärme im Magen gebracht werden. Hunde neigen alle zum raschen Verschlingen, deshalb gebe man das frische Gemüse klein gewiegt Fleisch klein geschnitten. Was sie nicht sofort auffressen, wird weggenommen; niemals soll die Futterschüssel stehen bleiben; weder im Winter, noch weniger im Sommer. Wird regelmäßig übrig gelassen, so war die Ration zu groß. Jeder Hund hat seine eigne Futterschüssel zu erhalten, womöglich in folgender Form des Querschnittes, damit sie nicht zu leicht umgeworfen wird: ┗━┛. Für junge Hunde oder kleine Rassen sind die sogenannten Kaninchenfuttergeschirre aus Ton sehr praktisch; sie dienen zugleich zum Abmessen der Tagesrationen. Selbstverständlich sind sie peinlich sauber zu halten. Niemals stelle man ihnen das Futter in Tellern oder Schüsseln hin, die in der Küche verwendet werden oder gedient hatten. Damit wäre, abgesehen von dem Unästhetischen, ja Gefährlichen wegen der Übertragung von Würmern, der erste Schritt getan, die Hunde zum Stehlen anzuleiten. Sie müssen wissen, daß es ihr Futter nur aus ihrem Geschirr gibt. Genau so ihr Wasser am gleichen Platz. Entgegen allen Lehren, daß den Hunden immer frisches Wasser zur Verfügung stehen soll, halten wir das für einen Mißgriff. Im breiigen Futter und in der Milch ist so reichlicher Wassergehalt, daß Hunde überhaupt nur 1—2 mal im Tag ein wenig Wasser brauchen. Das Futter belastet ohnehin den Leib, daß es nicht nötig ist, den Speisebrei noch mehr zu verdünnen. Viel Gelegenheit macht zu Gewohnheitstrinkern. Kommt der Hund im Sommer erhitzt heim, so genügt, um den Staub