wegzuspülen und den Gaumen zu erfrischen, soviel Wasser als den Boden der Schüssel bedeckt. Stellt sich der kluge Hund an sein leeres Trinkgeschirr, so deutet er an, daß er Durst hat und mag etwas Wasser erhalten. Unerläßlich sind für Junghunde harte Hundekuchen, Hartbrot und vor allem weiche Kalbsknochen. Bis zu 5 Wochen wachsen den Welpen ihre Milchzähne, mit 2—4 Monaten wechseln sie die Zangen- und Milchzähne, mit 3—5 die Eck-, mit 4—6 die Hakenzähne; die Milchbackzähne werden mit 5—6 Monaten gewechselt, die Molaren brechen mit 4—7, die Lückzähne zwischen 3—5 Monaten durch. Diese Vorgänge bedingen eine starke mechanische Tätigkeit des Gebisses; geben wir dem Hund während des Wachstums und der Skelettbildung nicht reichlich Knochen, so wird er den erforderlichen mechanischen Reiz an Stiefeln, Teppichen, Möbelstücken ausüben, Kohlen oder Mauer anfressen. Was man in Form von Knochen gibt, die 6—7 % Kalk-Kohlensäure, 58—63 % Kalkphosphat, 1—2 % Magnesium-Phosphat, 2 % Fluorkalzium, den Rest Eiweiß und Leimstoffe enthalten, erspart man an Fleisch. Hunde von mehr als 5—6 Jahren sollen niemals Knochen bekommen. Die letzte Regel lautet endlich: niemals sofort nach einer Hauptmahlzeit mit Junghunden Spaziergänge; denn Verdauung ist eine Arbeit, und die noch weichen Bänder und Gelenke würden sich bei der Belastung des Leibes zu stark dehnen und lockern. Es gibt leicht krumme Gliedmaßen, weichen Rücken und schwache Muskulatur. Breitstehende, massige, starkknochige Rassen wie Bulldoggen, St. Bernhardshunde, Rottweiler, Boxer, Bordeauxdoggen dürfen eher etwas mastiger gefüttert werden. Leichtere hochstehende, wie Windhunde, Whippets, Dobermannpinscher, sollen konsistentes, trockenes Futter erhalten: viel Gehalt in wenig Menge. Ebenso dürfen Jagd- und sonstige Gebrauchshunde nicht zu weichlichen, überschwemmten Gestalten aufgezogen werden, sondern gehaltvoll, trocken, starkknochig. An der Form des Kotes (Exkremente) ersieht man schon, ob richtig gefüttert wurde; er soll nicht
dünnflüssig, weich sein. Zu hart deutet auf zu reichliche Knochenmenge und Mangel an Wasser. Als Grundfutter kommt in Betracht Haferschrot, Gerstenflocken, Roggenschrot, Buchweizengrütze. Reis (arm an Eiweiß, aber sehr reich an Stärkemehl), weniger Kartoffel und nie in Stücken, da sie nur als Brei ausgenützt wird. Das Minimum an täglicher Fettzugabe, die das Futter schmackhaft macht, ist für größte Rassen 16—25 g in der Jugend, für ältere 20—30 g, im Winter etwas mehr. Vorteilhaft wird Fett bei Welpen durch Phosphorlebertran ersetzt. Auch Fettgrieben sind wegen des hohen Eiweißgehaltes sehr zu empfehlen. Hülsenfrüchte sind stark eiweißhaltig, werden aber wenig gern gefressen und müssen durch Fett- und Fleischzusatz schmackhaft gemacht werden. Am besten wechselt man häufig, auch bei den 4—6 Tagesrationen: morgens entrahmte Milch mit Brot, 1—2 mal Gemischtkost, abends trockne Hundekuchen oder Knochen. Letztere niemals in das Futter, immer separat nachher. Fehlen sie zeitweilig, so ersetzt man sie durch Chlorkalzium (150 g auf 1⁄2 l Wasser, davon 1 Eßlöffel in das Futter gerührt). Man rechnet 1⁄10 g auf 1 kg Körpergewicht. Futterkalk (Schlämmkreide) darf nie zum Futter gegeben werden, da er durch Salzsäurebindung die Hauptverdauung im Magen erheblich beeinträchtigt. Mit kleinen Beigaben von Rohzucker (höchstens 20 g für Welpen) kann man den Nährwert von Magermilch oder Grundfutter vorteilhaft erhöhen. Aber niemals sollen Zucker, Semmel oder sonstige Leckerbissen außerhalb der feststehenden Stunde gegeben werden; diese dienen höchstens als Belohnung bei der Dressur. Mit solchen Verwöhnungen erzielt man schlechte Fresser und Bettler. Während der Mahlzeiten der Familie darf sich der Hund wohl im Eßzimmer, aber nur in angemessener Entfernung vom Tisch auf seinem Lager („Platz”) aufhalten. Ein Herantreten des Hundes, dessen Fütterung mit zugesteckten Brocken, wäre ein nicht mehr gutzumachender Erziehungsfehler. Ihn auf sein Lager zu bannen, ist wertvolles Mittel, um Gehorsam vorzubilden. Auch Gehorsam muß gelehrt und geübt werden.
[a]4. Kapitel.]
Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer.
Die beste Fütterung und Pflege versagt, wenn Junghunde mit Würmern behaftet sind; ja es gehen mehr Welpen an Spulwürmern (Darmentzündung) zugrunde als an Staupe (Sucht). Äußerlich ist das Vorhandensein an Magerkeit, glanzlosem Fell, zeitweilig aufgetriebenem Leib, Aufstoßen nach den Mahlzeiten, viel Durst, sogar Erbrechen, aufgebogenem Rücken (Katzenbuckel) bemerkbar. Spulwürmer (3—8 cm lang, rötlich gelb, 1 mm stark, im Kot sehr leicht festzustellen) haben fast alle Junghunde, sind durch Masse gefährlich, durch Chenopodiumöl ohne üble Nebenerscheinungen leicht zu entfernen. Weit schlimmer sind die kürbiskernförmigen Bandwürmer, da sie durch Flöhe sehr leicht überall verbreitet werden, sich sehr rasch vermehren, und dann zu Darmverstopfungen führen. Wo Fleischabfälle nicht roh verfüttert werden, ist der aus etwa 1⁄3 cm langen Gliedern bestehende Bandwurm seltener; seine Jugendform, die durch Maul oder After des Hundes abgeht, ist für Menschen lebensgefährlich, weshalb man das Ablecken von Händen oder gar Gesicht nie dulden soll. Ist auch nur der leiseste Verdacht auf Würmer vorhanden, so verabfolge man morgens in der Milch 1 bis 2 Santonintabletten, die, mit Kakao gepreßt, in jeder Apotheke für Kinder vorrätig zu haben sind, oder das billigere Chenopodiumöl (2—3 Tropfen je nach Größe), noch besser das entgiftete Präparat Chenoposan und beobachte den nächsten Kotabgang. Fast alle Wurmmittel reizen durch ihre Schärfe den Darm, weshalb man durch leichten Kotabgang die Kur unterstützt und starke Mittel bei noch zarten Tieren sich vom Tierarzt oder einem hundeliebenden Apotheker dosieren läßt. Das beste neuere Mittel ist Megan (Bayer) gegen alle Arten Würmer. Man gibt 0,65 g pro Kilogramm Körpergewicht. Harmloser
sind die sich im Mastdarm aufhaltenden, weißen fadenförmigen Würmer (5—8 cm lang), die nur ein lebhaftes Jucken im After Hervorrufen und den Hund quälen, so daß er sich reibt, scheuert oder zu beißen sucht. Durch ein Klistier (Knoblauch in Milch gekocht) kann man ihn davon rasch erlösen. Billiger als Santonin ist das Präparat Santoperonin (Orbiswerke) und relativ ungiftig. Gegen Flöhe gibt es nichts besseres als den engen Kamm und tägliches Nachsehen, wenn sich der Hund kratzt. Bei Überfülle vorheriges Einreiben mit Cuprex (Merck). Ebenso gegen Läuse. Ungeziefer soll man gar nicht aufkommen lassen, weshalb die Decke über Matratze, die Matte täglich ausgeschüttelt, das Heu oder kurze Stroh in der Kiste öfter erneuert wird. Ein gutes Vertilgungsmittel für Läuse ist Chloroform oder Benzin. Da letzteres feuergefährlich, nicht bei Licht einreiben. Radikal wirkt Cuprex (Merck), es vernichtet auch die zäh auf den Haaren klebenden Eier (Nisse). Harmlos ist ein Betupfen mit einer Lösung von 9 Teilen Olivenöl und 1 Teil Anisöl. Das oft empfohlene Petroleum verwende man nur bei robusten Rassen. Wohnt man in Nähe von Laubwald und kommen die Hunde nach Spaziergang mit Zecken (Holzböcken) behaftet heim, so reißt man sie nicht aus, sondern betupft sie mit Terpentinöl aus einem Kännchen mit spitzem Auslauf, wie sie für Nähmaschine und Fahrräder benützt werden. Bäder sind für Welpen nicht zu empfehlen, da sich die Tiere nach solchen, wenn nicht völlig trocken, leicht erkälten; auch müßte jede Lösung, um Parasiten oder Milben zu töten, so scharf sein (2 % Kreolin), daß die zarte Haut entzündet würde. Selbst wenn die Hundebesitzer aus Rücksicht auf das Wohlbefinden ihrer Tiere die Würmer und deren Überträger und Verbreiter (Flöhe) nicht vernichten wollten, so sollte das schon wegen der Übertragungsgefahr erfolgen. Um sich ein Bild von deren Umfang zu machen, sei darauf hingewiesen, daß ein einziger Spulwurm, deren der Hundedarm oft dicke Knäuel beherbergt, nach Prof. Dr. Günther (Der Darwinismus und die Probleme des Lebens;
S. 10) in einem Jahr 64 Millionen winzigster Eier, ein Bandwurm bis 100 Millionen zu produzieren vermag, die meist durch den After abgehen. Irgend ein wirksames Wurmmittel muß in der Hausapotheke jederzeit vorrätig sein. Über das Eingeben von Medikamenten s. Kap. 25.
[a]5. Kapitel.]
Lob und Strafe.
Die alten Dressurbücher kennen als Dressurmittel nur Korallenhalsband und Prügel, und sie erörtern höchstens, ob man mit der Hand, zusammengelegter doppelter Führungsleine, Ochsenziemer oder lederner Hundepeitsche und auf welche Körperteile man schlagen solle. Ehe man je zu einer Züchtigung schreitet, prüfe man genau die Ursachen des Nichtgehorsams, ob etwa ein Befehl oder Verbot, in gereiztem, unbekanntem Ton, also dem Hund ungewohnt und unverständlich war, oder ob er während Ablenkung der Aufmerksamkeit durch Nebenumstände erfolgte. Vor allem, hatte der Hund überhaupt verstanden, was man von ihm wollte und kann man schon eine aktive Betätigung (Ausführung) erwarten? Es ist gar nicht zu verlangen, daß er entgegen seinem Trieb, Vergnügen oder Behagen auf jede Aufforderung nachgiebig eingeht, daß er eine Marionette ist, die durch Befehle in Bewegung gesetzt, durch Verbote zur Ruhe genötigt wird. Die Antwort auf die an sich selbst gestellte Frage, wann man strafend schlagen sollte, müßte man sich dahin geben: schlage womöglich nie, so wenig wie dein Kind, suche immer mit andern Mitteln auszukommen; man kommandiere aber auch so wenig als möglich, sonst entwertet man dieses Hauptmittel der Autorität. Das Kommando sei kurz, straff, ruhig; eher leise, niemals schreiend; der Ton muß sich wesentlich von der sonstigen, freundlichen Ansprache unterscheiden. Mit Kindern und Hunden parlamentiert und überredet man nicht, sondern man
befiehlt. Etwas anderes ist es, durch einen mechanischen Druck (zum Hinlegen oder Setzen), durch Winke einen Befehl verständlich zu machen und der Ausführung nachzuhelfen. Zum Abwehren schadet ein Schlag mit der dünnen Gerte nicht, da es ja bei dem Hunde steht, sich solche zu ersparen. Neben dem leichten Schlag kommt als Strafe bei Ungehorsam in Betracht: Anlegen an Kette, oder Leine (auf Spaziergang), Einsperren. Strafe und Schlagen ist nicht dasselbe! Noch größer ist der Unterschied zwischen Wehren und Befehlen. Je fester der Gehorsam gegenüber dem Wehren und Verbieten (Unreinlichkeit, Anbeißen von Verbotenem, Springen auf Möbel, Winseln oder Heulen bei Alleinsein, Betteln bei Tisch, Herumtollen trotz Verweisens auf den „Platz”) sitzt, desto leichter ist später das Befehlen. Bis es zu diesem kommt, muß der Welpe verstehen und beachten lernen, muß eine gewisse Triebkraft, Bewegungslust, Tatendrang, veranlaßt durch Muskulatur und Interesse an allen Vorgängen der Außenwelt, also Vertrautsein mit dieser, sowie der innere Zusammenhang mit dem Dressurlehrer vorhanden sein, der geistige Reife voraussetzt. Zum Wehren und Verbieten ist es nie zu früh, weil wir durch mechanische Nachhilfe das Verständnis unterstützen können. Das Befehlen darf erst einsetzen, wenn sich der Lehrer von der nötigen körperlichen Energie und Regsamkeit überzeugt hat. Also: den richtigen Moment erfassen und nur verlangen, was der Hund auch verstanden hat. Führt er das aus, so darf für die ersten Male mit einem Leckerbissen (Biskuit, Zuckerstücke) nicht gespart werden. Und später muß jede Erfüllung mit freundlichem Lob und lebhafter Anerkennung belohnt werden. Pflichtgefühl besitzt selbstverständlich kein Tier, wohl aber ist der Hund sehr empfänglich für Lob und Aufmunterung. Ungehorsam gegenüber Kommando kann zur Ursache haben: Furcht vor der schlagenden Hand, verspätetes oder mangelndes Auffassungsvermögen, motorische Langsamkeit, Eigenwillen; letzterer äußert sich durch Flucht, Kundgabe des Unmuts, Hinlegen, nervöse Empfindlichkeit, Erregungszustände. Ehe