man also zur Strafe schreitet, prüfe man die Ursachen und versuche sie durch freundliche Ansprache, einen kurzen ruhigen Spaziergang an der Leine zu beseitigen. Dann wird man selbst zu der Überzeugung kommen, daß Zuhauen das ungeeignetste Mittel ist, den Hund zur Ausführung von Befehlen gefügig zu machen, dann wende man die systematischen Mittel an, die in Teil III aufgeführt sind, auch wenn sie etwas Geduld und Zeit erfordern. Unbedingte Züchtigung (auf die Keulen) verdient nur offensichtliche Widersetzlichkeit bei zweifellosem Verständnis für Befehl oder Verbot; diese erfolge jedoch ohne Zorn und Nervosität nach klarer Prüfung, damit der Hund fühle, wer seine Unfolgsamkeit straft, und daß es eine energische Kraft über ihm gibt.

[a]II. Teil.]
Die Erziehung des Junghundes.


[a]6. Kapitel.]
Stubenreinheit.

Die zielbewußte Erziehung hat dem Lernen vorauszugehen. Grundregel ist: dulde bei dem jungen Hund nie etwas, was du später verbieten wirst! Mag es noch so harmlos sein, wenn das saubere Tierchen auf einen Stuhl oder Divan gehoben wird, oder sich an den Kleidern aufrichtet; es versteht nicht, warum das, wenn es von der Straße naß oder schmutzig ist, nicht geschehen soll. Verbotene Räume, wie die Küche, sollen das immer bleiben. Laß ihn nicht seine schwachen Zähnchen an einem alten Hausschuh probieren: er kennt nicht den Unterschied zwischen alt und neu. Amüsiere dich nicht, wenn er in kindlichem Heldenmut Pferde anbellt, Geflügel hetzt; kleine Fehler geben später schwer auszurottende Laster. Je früher der Welpe mit der Großstadt, dem Lärm der Wagen, Pferde, Autos vertraut gemacht wird, desto leichter geht es; ahnungslos trottelt er im Schutz des Herrn, während er reifer geworden, nervös davon läuft und sich schwer an Großstadtverkehr gewöhnt. Um ihn zimmerrein zu erziehen, muß er an der Leine gehen; ein weicher Lederriemen genügt als Halsband, eine solide längere Schnur, in deren eines Ende ein Karabiner, in das andre eine Handschleife geknotet ist, genügt als Leine zum Führen; die richtige Leinenführigkeit kommt später, wenn er nicht mehr unreif und spielerisch ist. Zunächst achtet man

auf den Hund, wenn er vom Lager morgens aufsteht und sich nach einer Ecke des Zimmers begibt; man legt schnell den Zangenkarabiner an, ruft „Hinaus”! und führt oder lockt ihn auf die Straße. Nicht tragen, sondern führen. Liegt die Wohnung an belebter Straße, so läßt man ihn in den Hof oder zur nächsten ruhigen Seitenstraße bringen; denn über Beachtung von Menschen, Tieren, Wagen, Geräuschen kommt er nicht zu der Ruhe, die Entleerung auslöst. Der Hund verdaut sehr gut, aber langsam; der Magen eines Schäferhundes hat das Fassungsvermögen, das dem eines Pferdes gleichkommt. Die langsame Verdauung kommt von der oberflächlichen Zerkauung und Einspeichelung. Erhält er seine Hauptmahlzeit mittags, so sind die unverdauten Reste nach etwa 9 Stunden bis in den Mastdarm vorgerückt, so daß er etwa gegen 10—11 Uhr abends entleeren und ein ihn weniger belastendes Futter bis zum Morgen im Darm behalten kann. Wasser erhält er nach Spätnachmittag überhaupt nicht mehr. Je behaglicher sein Lager ist, womöglich in Korb oder flacher Kiste, mit etwas Mühe zum Verlassen verbunden, desto weniger wird er nachts aufstehen, herumlaufen und sich im Haus lösen. Hat er es trotzdem getan, so führt man ihn jedesmal morgens zur Stelle mit den Worten „Pfui, Hinaus”, beschleunigt seinen Gang zur Tür mit der Gerte. Sobald er (s. Kap. 8, Lautgeben und Melden) schon durch Ungeduld bei vorgehaltenem Futter, Knochen, Leckerbissen gelernt hat, auf Kommando Laut zu geben, wird man bei jedem Ausgang, Hinausführen, ihn an der Türe kurz bellen lassen, wodurch er anzudeuten hat, daß er hinaus will. Viele Dressurlehrer wollen das durch Kratzen an der Türe markieren lassen; das ist indessen für den Welpen schwieriger zu verstehen. Viele Hunde hingegen begreifen sehr rasch, daß sie eine nur angelehnte Türe mit der Nase aufstoßen können und markieren das auch bei den verschlossenen. Da man das aber nachts nicht hört, ist die Stimme des Hundes das natürlichste. Es wird oft im Leben vorkommen, daß der Hund auf diese

Weise den Herrn alarmiert. Das natürliche Verbellen der Jagdhunde ist nichts andres als ein Rufen des Jägers. Ein kluger Jagdspaniel verbellt jedes Stück Wild, das ihm zum Apportieren zu groß ist. Ein lockerer Hals ist immer Zeichen von Intelligenz und des Triebs, sich durch seine Sprache verständlich zu machen. Das Kratzen an der Tür verleitet den Junghund, wenn er allein gelassen wird, die Tür zu beschädigen; größer, gelingt es ihm durch Zufall und Aufrichten selbst die Tür zu öffnen, was er nicht lernen soll. Den Hund mit der Nase in den Kot zu stoßen, ist sehr unappetitlich, auch überflüssig; schon in die Nähe der Missetat gebracht, weiß er ganz genau, daß er gesündigt hat; es genügt ihn zur Stelle zu bringen, ihn zu strafen und hinaus zu stecken. Ist ein Hund trotz Anweisung, Unterstützung durch Futter (Kartoffel, Schwarzbrot macht viel Kot, belastet stark), trotz späteren Hinausführens nachts fortgesetzt unreinlich, so bleibt nichts übrig, als ihn abends an eine in den Boden gedrehte Ringschraube mit kurzer Kette dicht am „Platz” anzuhängen, da Hunde fast nie ihr Lager oder dessen Nähe verunreinigen. Hilft das und auch fühlbare Strafen nichts, so muß man ihn nachts in eine Schlafkiste sperren, die so hoch ist, daß er nur mit gesenktem Kopf darin stehen kann. Abends erhält er dann höchstens einen Knochen als Futter, kein Wasser.

[a]7. Kapitel.]
Gewöhnen an Kette und Leine. Verhalten im Haus.

Wie es viele Kinder gibt, die man dadurch, daß man sie immer herumträgt und sich beständig mit ihnen beschäftigt, verzogen und verwöhnt hat, so widmet sich auch häufig das ganze Haus mit dem neuen reizvollen Spielzeug. Die Folge ist, daß man den Welpen unruhig, anspruchsvoll, unleidlich macht. Grade in den ersten Tagen muß er zeitweilig ab