gestellt werden, sein Lager auf Stunden im Vorhaus, Treppenhaus angewiesen erhalten, um auch sich zu bescheiden und Ruhe zu lernen. Durch beständige Beschäftigung mit ihm verlernt er ganz unter Tags zu ruhen und wird nervös. Nach Mahlzeiten heißt es „Platz”, beim Verlassen sofort: Hinaus! Diese Übungen dürfen nicht erst vorgenommen werden, wenn er schon verwöhnt und unrastig geworden, dann kostet es Mühe, und man muß sein Winseln und Herumlaufen wehrend bestrafen, das man selbst verschuldet hat. Windhunde, Airedaleterriers, Boxer, französische Bulldoggen fügen sich williger; Schäferhunde, Dobermannpinscher, Foxterriers nur ungern; wünscht man ruhigere Tiere, so mag man das schon bei Anschaffung berücksichtigen. Jung gewohnt, alt getan. Läßt man den Hund ohne solche Vorübungen allein im Haus, so wird er heulen oder seine Langeweile in Zerstörungen, Anbeißen von Portieren, Stiefeln, Polstern auslassen, die Türe zerkratzen, wenn sehr temperamentvoll, sogar annagen. Nachts, oder allein im Haus gelassen, wird ihm sein „Platz” im Treppenhaus angewiesen. Die Ruheübungen sind anfangs kurz, wenn älter, länger auszudehnen. Junge Hunde sollen nicht beständig an der Kette liegen, da sie dadurch in der Gebäudeentwicklung, namentlich an Vorderläufen und Brustpartie Schaden leiden, sie müssen es aber lernen, sich darein zu fügen, daß sie zeitweilig angekettet werden, um ihnen begreiflich zu machen, daß eine Gewalt über ihnen existiert, auch wenn der Herr nicht drohend vor ihnen steht. Wenn sie am Lager kurz angekettet, sich auch anfangs etwas aufgeregt benehmen, so ist es besser, sie gewähren und selbst zur Einsicht kommen zu lassen, als ihnen sofort zuzusprechen und zu drohen. Nur wenn sie es mit Heulen und Zerren allzu toll treiben, muß man kurz und energisch sie zur Ruhe verweisen, um sie bald zu erlösen, wenn sie sich eine Zeitlang gefügt haben. Zur weiteren Übung wird die Dauer verlängert. Haben sie so eingesehen, daß der Zwang stärker ist als sie, so wird man bei allen späteren Dressuren nicht erst den Kopf brechen
müssen. Springen auf Stühle ist sofort energisch durch einen Schlag mit der Gerte zu verweisen, ebenso jeder Versuch auf Divan oder im Bett Platz zu suchen. Niemals darf der Junghund irgend welche Gegenstände, die zufällig auf dem Boden liegen (Schuhe, Besen, nicht einmal ein Scheit Holz) oder fallen, mit den Zähnen erfassen oder gar auf sein Lager schleppen, um damit zu spielen. Das würde zum Zerbeißen führen. Beim ersten Versuch muß das ein kräftiger Schlag über die Schnauze rügen oder ihm der Gegenstand sofort unter Rüge abgenommen werden. Um die Strafe eindringlicher zu machen, legt man den betreffenden Gegenstand noch eine Zeitlang vor ihm hin und zwingt ihn zum ruhigen Liegen davor. Sucht sich ein Junghund mit besonderer Hartnäckigkeit ihn anreizende Gegenstände aus, so bestreue man diese mit Tabakstaub oder Pfeffer. Ein sehr nützliches und billiges Hilfsmittel zur Erziehung ist eine kleine Schlagmausefalle, die man zum Fang gespannt (natürlich ohne Köder) auf einen Hausschuh stellt. Berührt der Hund trotz Verbots den Schuh, so klappt die Falle zu, und der Bügel gibt einen energischen Schlag auf die Nase. Mit derselben Falle gewöhnt man Junghunden und auch älteren das Naschen gründlich ab. Auf die Falle wird ein Stück Brot oder Zucker gelegt und diese kommt auf einen Stuhl oder Tisch. Beim Stehlen erfolgt dann der Schlag, der für den Hund um so heilsamer ist, da er niemand bemerkt, der die Lektion austeilte. Besucher und Freunde bittet man, den Hund nicht anzulocken oder anzusprechen, ja bei Annäherung ihn mit leichtem Klaps oder Pfui abzuweisen; wir wollen keinen Allerweltsfreund, sondern einen zuverlässigen und treuen Wächter erziehen, der auf der Straße später Fremde vollkommen ignorieren muß. Das alles sind zwar Selbstverständlichkeiten, doch soll sich der Erzieher eines Hundes schon vorher bestimmt im Klaren sein, nicht erst nach Mißgriffen und Unterlassungen zur Erkenntnis kommen. Vorbeugen ist leichter als korrigieren. Ehe man lange überlegt und dann beschließt, muß schon das Kommando
der Abwehr erfolgen. Manches hängt auch von Rasse und Größe ab. Es gibt gewiß nichts schöneres, als wenn der freudig erregte Hund seinen Herrn stürmisch begrüßt, an ihm aufspringt und sich wie toll gebärdet, und doch muß das bei größeren Rassen gewehrt werden. Sollen wir da mit scharfem Verweis verbieten, was uns erfreuen müßte? Wir beugen bei unserem persönlichen Liebling vor, befehlen rasch: „Setz dich, gib Pfote” und drücken ihm diese. Ein Kompromiß. Wo geht es ohne solche im Leben?
[a]8. Kapitel.]
Melden und Lautgeben.
Unerläßlich ist es für den nützlichen Haushund, daß er sowohl auf Kommando, sowie bei allen auffälligen Erscheinungen Laut gibt. d. h. kurz anschlägt und das wiederholt, bis sein Verhalten beachtet worden ist. Wie der Hund genau den Tonfall der Stimme seines Herrn kennt und sogar selbst verwirrt wird, wenn dieser in heftiger Erregung Befehle gibt, so wird der Herr mit der Zeit genau unterscheiden, ob der Hund aus Ungeduld kurz und halblaut wie fragend, ob scharf tief grollend oder zornig als Drohung beim Wachen anschlägt, ob er nur mechanisch beim Bellen anderer Hunde mitmacht, was in langes Geheul oft in stiller Nacht übergeht, oder ob er einen zwar gegebenen Anlaß aus Übermut zu einer willkommenen Emotion für sich selbst steigert. Bei manchen Rassen, Dobermannpinscher, Pinscher und besonders Spitz, muß man zurückhalten und dämpfen, um nicht durch Erschrecken von Kindern und alten Leuten in Konflikt zu kommen, so daß man sie sogar morgens nicht frei, sondern nur angeleint hinausführt oder sie einen Gegenstand im Maul tragen läßt. Bei anderen Rassen muß das Lautgeben erst geweckt werden, indem man den Junghund auf ein Stichwort z. B. das kurz herausgestoßene, suggestive „Gib Laut” gewöhnt.
Fast alle Hunde schlagen an, wenn sie ungeduldig die Futterschüssel erwarten, bemerkt man nur den Ansatz dazu, so ruft man unter Vorhalten der Schüssel „Gib Laut”. Sobald das geschieht, wird das Futter gegeben und diese Übung so oft wiederholt, bis er sofort auf Kommando reagiert. Dann das Kommando ohne Schüssel, doch die Befolgung belohnt, später nur belobt. Andere Hunde, bei welchen der Trieb zur Bewegung lebhafter ist als der Hunger, bellen vor Ungeduld, wenn man an der Tür beim Hinauslaufen zögert; hier verfährt man ebenso. Andere lockt der abendliche Knochen mehr, den man beriechen läßt, ohne ihn zu geben. Wieder andere geben Laut aus Wachsamkeit, wenn sie fremde Stimmen hören, wenn es klingelt, was das Kommen von Menschen andeutet, oder wenn es an der Tür klopft. Auch hier bestärkt man durch Zuruf, verhindert aber den Übergang des Meldens in heftigen Zornesausbruch durch Kommando „Platz, leg dich”! Auf seinem Lager und in dieser Stellung hat absolute Ruhe zu herrschen, die man nötigenfalls durch so kurzes Anhängen mechanisch erzielt, so daß der Hund den Kopf nicht erheben kann. Jeder solche körperliche Zwang ist besser als ein strafendes Wehren, das vom Hund leicht als Strafe für Bellen, nicht aber als Befehl zum Aufhören aufgefaßt wird. Der Gelegenheiten und zufälligen Anlässe zum Lautwerden gibt es noch mehr; oft schon Anziehen von Paletot oder Ergreifen des Hutes, Poltern durch Hilfspersonen an der Tür, scharfes Fixieren, leichte Schläge auf die Vorderpfoten, wozu der Hund angelegt wird; je leichter der Hund aus sich heraus bellt, desto schneller lernt er auch auf bloßen Befehl und später bei den Anlässen, bei welchen der Befehl wiederholt gegeben wurde, auch ohne Befehl anzuschlagen. Solche sind: Eintritt oder Ankündigung fremder Personen, Warten vor geschlossener Tür auf Befehl „Hinaus”, nächtliches Stoßen auf verdächtige Geräusche und Dinge, auf Schuß. Ist es z. B. nachts nötig, daß er plötzlich verstummt und befolgt in Erregung den Befehl (st, st) nicht, so drückt man den Kopf
nieder oder wickelt schnell die Leine um den Fang, ohne Schmerzen zu verursachen. Für alle Fälle ist auch nützlich, sobald der Hund willig auf Befehl Laut gibt, mehrmals eine Zeitung im Keller oder Speicher anzubrennen und ihn direkt vor dieser fortgesetzt bellen zu lassen; dann wird er sicher jedes Feuer im Haus melden, dessen Geruch er wahrnimmt, wenn er es selbst nicht sieht.
[a]9. Kapitel.]
Verhalten auf der Straße.
Durch Begleiten am Fuß und exakte Leinenführigkeit (s. Kap. 13) ergibt sich diese für den erwachsenen Hund von selbst; vom Junghund kann das noch nicht gefordert werden; er läuft dem Herrn nach oder wird an der längeren Leine mehr geleitet, also kurz gehalten. Ohne solche soll er anfangs in der Großstadt mit Autos und starkem Menschenstrom während der lebhaften Verkehrsstunden nicht auf die Straße kommen. Man gewöhne sich und ihn, bis er sich gelöst hat, auf der Straße (nicht Trottoir) zu gehen; das sind wir unseren Mitmenschen, ihren Augen, Nasen, Stiefelsohlen schuldig, genau so wie sie unser Hund nie durch Bellen erschrecken darf. Noch weniger sollen sich Hunde allein aufsichtslos, selbst nicht in einsamen Straßen herumtreiben. Vermeiden wir durch rücksichtsvolle Haltung alles, was Anstoß erregt, so wird die Hundeliebhaberei mit Steuererhöhung, Maulkorb- oder Leinenzwang verschont bleiben. Zunächst wird der Junghund aus Spielerei allem, was sich rasch bewegt, Wagen, Radfahrer, Auto, Kindern, nachlaufen und nachbellen wollen. Ein scharfer Ruck und plötzlicher Schlag über Schnauze mit Gerte muß das im Keim ersticken, wenn es noch so harmlos erscheint. Ebenso das Hineinlaufen in fremde Häuser und Vorgärten, das Hinziehen zu andren Hunden. Hat man ihn nicht schon mehrmals im Haus durch Verabredung üble Erfahrung beim