Einschmeicheln bei Fremden machen lassen, so muß man das mit einer Vertrauensperson für die Straße verabreden, der man die Gerte in die Hand gibt. Sobald der Junghund sich vertrauensselig dieser nähert, erfolgen durch diesen einige energische plötzliche Schläge. Nach 2—3, Lektionen, besonders nützlich, wenn die Gehilfen selbst einen Hund mit sich führen, ist der Sünder für immer kuriert. Die kleine Mühe, wozu jeder gern die Hand bietet, lohnt sich für alle Zeit und reichlich, während man allein durch zehnmaliges Warnen weniger erzielt. Auch wir haben im Leben alle schlechte Erfahrungen selbst machen müssen, obschon es an „guten Lehren” von Jugend auf in Schrift und Wort nicht gefehlt hat. Genau so der Hund, der dabei zugleich lernt, daß es immer nützlich ist, sich nur an seinen Herrn zu halten. Tollt der Hund Wagen nach, so würde der temperamentvolle Terrier oder Schäferhund bei erbetnem Schlagen und Knallen des Kutschers erst recht in Erregung geraten, nur der von der Peitsche getroffene aufschreiend ablassen. Das beste Erziehungsmittel ist deshalb die Gummischleuder (Abb. 1), die zum Kurieren für Raufer, Geflügel- und Hasenhetzer unersetzlich wertvoll ist. Ein scharfer Pfiff und dazu einige Schrotkörner, deren Herkunft dem Hund unheimlich ist, wirken Wunder. Die Schleuder, spielend zu handhaben, bequem in der Tasche zu tragen, eine kleine Ausgabe, ist auch gegen fremde Raufer nie versagend
und erspart bei lebhaften Hunden die hohen Unkosten für Dressur oder für manchen verhüteten Schaden. Haben wir in einsamer Straße unseren Rüden von der Leine gelöst und es nähert sich ein größerer Rüde, so sieht man schon an der aufgerichteten Kampfstellung, gesträubtem Rückenhaar, erhobner steiler Rute, ob Rauflust vorhanden ist. Anlage dazu haben fast alle geschlechtsreifen Terriers, Schäferhunde, Boxer, Doggenschläge, Dobermannpinscher; hält man einen solchen, so versäume man Anschaffung der Gummischleuder (Zwille) nicht und beobachte scharf, besonders im Alter beginnender Geschlechtsreife. Durch beständiges Führen, sofortiges Anlegen kann man wohl Vorbeugen, aber nicht heilen. Bei den ersten Anzeichen von Erregung, Stutzen beim Anblick des Gegners muß schon der Strafschuß erfolgen und dann sofort an die Leine, aber nicht vom anderen Hund in entgegengesetzter Richtung wegführend, sondern an diesem dicht vorbei unter scharfer Mahnung. Pudel, französische Bulldoggen, Schnauzer, Bernhardiner. Neufundländer, Rottweiler, Zwergrassen sind weniger kampflustig veranlagt; diese werden nur bisweilen durch bissige Angreifer verdorben. Jene soll man durch einen Schreckschuß seinem Schützling fernhalten. Auch bei nächtlicher Ruhestörung des im Hofe im Zwinger befindlichen Hundes ist diese „lange Peitsche” nützlich, sowie das wirksamste Mittel aufdringliche Rüden fern vom Hause zu halten, wenn man eine Hündin besitzt und diese läufig ist. Betritt man einen Laden, so hält man den Junghund sehr kurz, duldet nicht das Beriechen der am Eingang stehenden Körbe, Säcke, Kisten, da das häufig vom Aufheben des Beines begleitet ist. Da er aber leicht aus Spielerei fortlaufen oder überfahren werden könnte, läßt man erst vor dem Laden allein warten, wenn er fest im Appell ist.
[a]10. Kapitel.]
Verhalten auf Spaziergang.
Im Gegensatz zur Aufsicht und Beherrschung auf der Verkehrsstraße, soll beim Spaziergang hinaus möglichste Freiheit für den Hund angestrebt werden; hier soll er sich ausleben und körperlich entwickeln. Nur flotter Auslauf auf hartem Boden gibt gesunde Glieder, harmonische Bewegung, geschlossene Zehen, festen Rücken, widerstandsfähige Konstitution, kurz alles, was gegen Krankheiten stählt, zum Gebrauchs-, Zucht- und Arbeitshund stempelt, und zu jener schönen Erscheinung macht, die der Preisrichter auf Ausstellungen über alles stellt und hoch auszeichnet. Doch auch was uns selbst eine ästhetische Freude beim Anblick ist, zumal wir es sich entwickeln sehen und durch rationelles, immer dem Können und Alter angepaßtes Trainieren unterstützen. Auf langen Spaziergängen lernen sich Herr und Hund kennen und wachsen zu einer Einheit zusammen. Von der Erfrischung und Erholung für uns selbst noch gar nicht zu sprechen. Winselnd und ratlos bleibt der schwächlich aufgezogene, mangelhaft ernährte, energielose Hund vor einer steilen Böschung, die wir überklettern, stehen, während der temperamentvolle es drei- und sechsmal versucht, bis es ihm gelingt, uns nachzufolgen. Er wird gelobt, wie man überhaupt viel mit dem Hunde sprechen soll. Zeigt er Spuren von Ermüdung, z. B. nach lebhaftem Tollen etwas eingesenkten Rücken oder lockre Ellenbogen, so wird länger gerastet. Hat man statt eines Welpen einen halbfertigen oder älteren Hund erworben, so kann man ihn mit achttagelanger Haltung im Haus und an Leine nicht so fest an sich gewöhnen, als wenn man schon am zweiten Tage ihn über einige Stunden hinaus in die Einsamkeit von Feldwegen bringt, und dann springen läßt. Läuft er auch scheinbar davon, so rufe man nicht und gehe in entgegengesetzter Richtung. Kehrt er zurück in die Nähe, so spricht
man freundlich mit ihm, ohne ihn anzulegen und läßt ihn weiter herumspringen. Bis er ermüdet selbst dicht herbei kommt und erst kurz vor der Wohnung oder Stadt wieder angelegt wird. Fremde zogen hinaus, zwei gute Freunde kehren zurück. Freiheit ist aber nicht gleichbedeutend mit Zügellosigkeit. Wenn es auch ein schönes Bild ist, einen Hund hinter einem Hasen über die Felder fliegen zu sehe, so muß man doch sofort anrufen, wenn der Hund mit tiefer Nase auf Wildspur sucht. Aus dem gelegentlichen Hetzer, den jeder Jäger zu erschießen berechtigt ist, wird ein Gewohnheitswilderer. Und außerdem soll jeder Natur- und Tierfreund das Recht des Jagdinhabers respektieren und dessen Wild nicht beunruhigen. Es ist wohl kein Unglück, wenn unser Hund Krähen hoch macht, aber zwischen schwarzen Haushühnern im Hof und Krähen ist für ihn kein Unterschied; er versteht nicht, warum ihm dort erlaubt wäre, was hier scharf gewehrt werden muß. Wenn auch Hundefreunde selten Katzenliebhaber sind, so müssen wir doch den Junghund sofort abrufen und anlegen, wenn er Miene macht, solche anzugreifen. Es könnte leicht ein Auge kosten. Fast alle Katzenwürger entstehen durch Anhetzen, wobei allerdings die sogenannte natürliche Feindschaft, die nichts ist als Kampflust des großen Hundes gegen das kleine fauchende, drohende Tier, unterstützt. Unterläßt man anfangs das Anhetzen, so ist es leicht abzurufen, ebenso von ruhigem Geflügel. Ein gutes Mittel zur Geflügelfrommheit ist es im Einvernehmen mit dem Geflügelhalter den Junghund an der Leine nahe an eine ihre Kücken führende Henne zu bringen. Diese geht in Mutterliebe so energisch auf den Hund los, daß dieser für immer belehrt ist. Allzuängstlich braucht man bei Begegnung mit fremden Hunden in der Einsamkeit nicht zu sein, es gibt höchstens Flöhe. Sonst aber meist: viel Lärm um nichts. Muß man aber eingreifen, so fasse man nie mit ungeschützter Hand nach dem Halsband, das hat schon manchem gefährliche Bisse eingebracht. Eher nach Hinterlauf oder noch besser an der Rute. Fremde
drohende Bauernhunde lassen sich meist verscheuchen, wenn man sich nur bückt, um einen Stein aufzuheben. Sie haben darin Erfahrung. Mit Stock bei größten Hunden dreinschlagen, steigert die Wut der Kämpfer. Bei vielen Hunden hilft rasches Entfernen und Abpfeifen mehr als Dabeistehen und Schelten. Zur Abwehr von Gewohnheitsraufern, bei denen uns vielleicht ein liebgewordener Weg vorbeiführt, leistet ein Schrotschuß mit der Gummischleuder allerbeste Dienste. Nach 2—3 maliger Anwendung weicht der Köter schon aus Entfernung aus, wenn er die Vorbereitung bemerkt. Ferner tritt die Schleuder in Dienst, wenn der Hund Radfahrern oder Wagen nachprellt, was er selten tun wird, wenn man fleißig mit ihm ins Freie geht. Auf einsamen Wegen kann es passieren, daß der Hund auf Aas stößt (tote Mäuse oder dgl.) und sich darauf wälzt, so daß er mit entsetzlichem Gestank behaftet zurückkommt. Hunde, die dazu neigen, das Aas auf große Entfernung wittern und darauf zulaufen, muß man im Auge behalten, sofort anrufen, wenn sie erst mit der Nase prüfen. Gehorchen sie nicht, so erfolgt der Schrotschuß, darauf anleinen und sie unter Verweis der betreffenden Stelle führen. Manche Hunde, die zu einseitig ernährt werden (Mangel an Nährsalzen), neigen zum Kotfressen. Auch hier hilft nur Aufpassen, wenn man versteckte Stellen, Mauern, Gräben oder sonst für menschliche Kotablage geeignete Plätze passiert. Eine tägliche Gabe von Chlorkalzium in das Futter getropft (Dosierung s. 1. Kap.), sowie Fleisch oder Knochenbeigaben, unterdrücken diese üble Neigung. Sonst wird man möglichst wenig auf Ausgängen erziehen, anrufen, dirigieren. Der Hund soll sich nach dem Herrn umsehen; wer ihn an jeder Straßenecke ruft, erzieht einen Hund, der geht, wohin er will, statt daß er den Herrn beständig im Auge behält.
[a]11. Kapitel.]
Der Appell (Kommen und Gehen auf Befehl).
Zu dieser sehr wichtigen Übung raten wir, solange der Hund noch im unreifen, aber eindruckfähigen Alter steht. Der Gehorsam muß anerzogen in sein ganzes Wesen übergehen, nicht durch Dressurlektionen erzwungen werden. Der Nachhilfe, die dazu unerläßlich, setzt der Junghund noch weniger Muskelkraft entgegen, ist noch leicht einzufangen, auch soll er dabei durch kleine Belohnungen den Eindruck gewinnen, daß rasches Befolgen für ihn von Vorteil ist. Hat er begriffen, was er soll, so genügt später freundliches Lob. Das vertrauensvolle bedingungslose Herkommen soll auch deshalb der systematischen Dressur, bei welcher man ohne gelegentlichen Zwang und gewisse Härte nicht auskommt, voraus gehen, da der Junghund im Kommen nur das Laufen zum freundlichen Herrn erblickt, der ihn noch nicht mit Lernen und sonstigen Zumutungen bedrückt hat. Wie alle späteren Übungen erfolgt diese im Anfang nicht bei starkem Ruhebedürfnis (kurz nach der Hauptmahlzeit), auch nicht direkt während lebhafter Emotion (Spiel, Springen, Bellen), in deren Bann seine Aufmerksamkeit voll steht, noch in Anwesenheit ablenkender Personen (Kinder, belebter Hof). An die Führungsleine muß er schon so weit gewöhnt sein, daß er sich an dieser nicht ungebärdig benimmt, in diese beißt. Für diese Übung wird sie durch eine längere (3—5 m) ersetzt. Man gibt ihm an dieser voll nach, legt die Schleife um das Handgelenk und ruft den Namen, dazu lockend: „herein”, in die Hände klatschend. Dieses Klatschen war oben schon angedeutet, um seinen Gang zu beschleunigen, wenn ihm die Futterschüssel hingestellt wird. Kommt er nicht sofort, so zieht man ihn unter Anruf heran falls nötig mit leichtem Ruck. Dann beklopft und streichelt man ihn freundlich, als ob er von selbst gekommen wäre.
Nach einigen Minuten und Gehen an der verkürzten Leine läßt man diese nach und wiederholt den Anruf, wie oben angegeben. Sobald er das erste Mal willig und von selbst kommt, erhält er eine Belohnung und lebhaftes Lob. Ohne Ablenkung durch die Umwelt wird jeder Hund nach 3 Tagen verstehen, was er soll. Immer noch erfolgen die Übungen an langer Leine, die man versuchsweise aus der Hand läßt. Kommt er willig, so löst man ihn nach Belohnung und springt selbst mit ihm ein Stück, was immer für jeden Hund ein wohl verstandenes Zeichen von Anerkennung ist. Plötzlich bleibt man stehen, entfernt sich rasch nach rückwärts und ruft unter Händeklatschen. Wer es vorzieht, kann sich auch einer Pfeife bedienen. Aber niemals geht man beim Hereinrufen, um den Weg zu kürzen, entgegen, weil das Zugehen eher etwas Drohendes hat, oder den Hund zu der Annahme veranlaßt, es gehe weiter, und bisher war er immer gewöhnt, gemäß der Richtung des Herrn zu laufen. Diese Übungen sind so lange an der langen Leine fortzusetzen, bis der Hund genau begreift, was er soll und daß er muß. Hierauf kommen Übungen in Freiheit, wozu man die Gummischleuder mitnimmt. Ignoriert der Hund den Anruf völlig, dreht sich nicht einmal um, so erfolgt plötzlich der Strafschuß ohne vorherige Drohung. Auf diesen der freundlichste Anruf. Hierauf wieder einige Übungen an der langen Leine. Hört der Hund auf Anruf, nähert sich aber nur zögernd und halt machend, so wäre ein Strafschuß falsch; dann entfernt man sich rasch und lockt; wiederholt die Übungen an der Leine. Überflüssiges Pfeifen und Anrufen (Kommando, etwas anderes als Unterhaltung) ist zu vermeiden; außer auf Gehör (Ruf, Klatschen) wird man vorteilhaft durch Anwinken mit dem Arm unterstützen und so zugleich auf das Auge einwirken. Später wird das Deuten mit dem Zeigefinger eine Hilfe sein, wo er einen Gegenstand zu suchen, also seine Aufmerksamkeit hinzulenken hat. Zunächst deute man mit dem Arm zum Herrn: „herein”; für den fertigen Hund muß später das