Winken mit dem Arm allein genügen. Sitzt das Herkommen fest — geübt wird es seltener, nur praktisch angewandt —, so wird das entgegengesetzte geübt. Erst einige Male im Zimmer blitzschnell „Platz”, unter Lösen der Leine und Armbewegung, scharf gegeben. Sodann etwa 20 Schritte vom Hause: „Geh Platz!” unter Lösen von der Leine scharf gegeben unter Drohung mit Gerte. Zu Hause wird er erwartet und gelobt, aber nicht belohnt, weil er sonst leicht von selbst umkehren könnte, in der Erwartung, sich damit etwas zum Fressen zu verdienen. Nächsten Tages wird die Entfernung erhöht auf 30 m und der Hund nach 14 Stunde abgeholt und mitgenommen. Geht er nicht sofort freiwillig, so begleitet man anfangs einige Schritte und wiederholt das Kommando „Geh Platz”. Diese Übungen müssen zunächst nicht auf alle Entfernungen ausgedehnt werden; da es aber nützlich ist, wenn man seinen Hund mit einer Botschaft nach Hause senden kann, werden sie später nach vollendeter Reife wiederholt, wenn der Hund alt und selbständig genug ist, sich nicht abfangen zu lassen. Jetzt sollen einige solche Übungen zunächst nur den Junghund lehren sofort nach Hause zu finden, wenn er sich vom Herrn zufällig verirrt oder allein unbeaufsichtigt das Haus verlassen hätte. Ist er im Nachhausegehen nie geübt worden, so irrt er ratlos ab und kann leicht zu Verlust geraten. Nützlich ist es auch bei Heimkehr vom Spaziergang in Nähe des Hauses stehen zu bleiben und ihn mit Kommando „Geh Platz” vorauszuschicken. Man geht nach, wenn er gefolgt hat und ruft dem an der Haustür wartenden Hund aus etwas Entfernung zu: „Gib Laut”, worauf ihm das Tor oder die Tür dort geöffnet werden soll. Das nächste Mal wird er von selbst durch Bellen Einlaß verlangen.

[a]12. Kapitel.]
Spielende Dressur.

Die spielende Dressur wird von Anhängern der scharfen Parforce-(Gewalt)-Dressur, die erst bei fertigen Hunden einsetzen dürfe, schroff verurteilt. Der Berufsdresseur, der in 6—8 Wochen einen Hund in allen Fächern firm machen soll, kann freilich damit nicht arbeiten. Wer sie aber anwendet, muß sich bewußt sein, daß er nicht mit dem Hund spielen, sondern den Trieb zum Spiel ausnützen, der nichts ist als Kräfteüberschuß, worin schon Schiller das Wesen des Spieles sah (s. dessen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen”, 27. Brief). Dem Kind ist sein Spiel tiefer Ernst; nur wer darauf eingeht, es nicht als gehaltlose Tändelei ansieht, wird das Kind verstehen und richtig leiten. Ebenso den zum Spiel aufgelegten Hund. Die besten Tricks der Dressur wilder Tiere, bewunderte Paraden von Freiheits- und Schulpferden sind nicht vom Dresseur erfunden und geschaffen, sondern vom Tier selbst; der Vorführende schleift höchstens ab und inszeniert. Ebenso bei den Hunden; kleine Wunder von Dressur erreicht auch bei Hunden nur, wer ihren Spieltrieb im Jugendalter beobachtet, ihn ausnützt durch Entgegenkommen, aus einer Pose und einem Versuch etwas macht, dazu das Kommando und Nebenumstände schafft. Was wir selbst nach Vorschriften für alle Hunde an Erfolgen erzielen, ist nur ein Wehren unter Drohung und Zwang, Erziehung genannt, und ein mechanisches Einpauken von Gehorsamsübungen unter Ausnützen von Sinnesanlagen (Gehör, Nase) und Urtrieben (Suchen, Revieren, Wachen, Haß gegen andre Tiere). Mehr oder minder scharf gedrillt und prompt ausgeführt, größere oder geringere Anlagen bei einzelnen Rassen und innerhalb dieser der Individuen, das allein unterscheidet die Resultate an den Hunden trotz aller Erziehung und Dressur. Den Jagd- und Gebrauchshund in Vollendung macht die Hochzucht. Anders

beim Gesellschaftshund. Sobald ihm Bewegung nicht mehr eine Anstrengung ist, er auch geistig regsam wird, setzt der Spieltrieb ein, das Verlangen nach Beschäftigung, etwas Tätigkeit. Kommt der Besitzer dem nicht entgegen, bietet er nicht die äußeren Anreize, deren das in Gefangenschaft gehaltene Tier ebenso bedarf, wie der Mensch, so sucht der Hund selbst nach Betätigung. Je nach Kraft, Größe, Temperament ergibt das unliebsame Vorkommnisse; Zerstörungssucht nennt man es bei Kindern. Vorbeugend sperrt man tateneifrige Hunde in den Zwinger ein, hängt sie an die Kette, wo sie störrisch werden und verdummen, während gerade die beste Zeit zur Erziehung wäre. Beständig in menschlicher Gesellschaft werden sie intelligent, lenksam. Am leichtesten lernt der Hund im Spieltrieb apportieren; wenn er sich irgendwelche Gegenstände auf seinen Platz schleppt, ist der richtige Zeitpunkt. Man läßt vom Drechsler aus Buchenholz einen Apportierbock von folgendem Querschnitt ◻═◻, schlicht ohne Politur drehen, der leicht rollt, je nach Größe der Rasse 15—30 cm lang, bewegt ihn dicht vor den Augen des Hundes, wirft ihn leicht in die Höhe, fängt ihn auf, um so die Aufmerksamkeit zu erregen, rollt ihn dann an einen glatten Platz: Hausflur, Garten, nach Ruhe während des Spaziergangs an einsamer Stelle vor seinen Augen fort mit dem aufmunternden Ruf: „Apport”. Der Hund springt sofort nach, um ihn zu fangen. Ergreift er nicht sogleich, so kommt man zuvor, nimmt ihn weg, bewegt das Holz vor ihm und wirft aufs neue: „Apport”. Für Foxterriers, Airedales, die gerne springen, kann man auch eine Holzkugel oder Vollgummiball wählen, doch werden diese dann zuweit mit der leichten Beute davon eilen. Und es kommt darauf an, daß der Hund den Gegenstand alsbald abgenommen erhält, bis er selbst merkt, daß Ablieferung eine Fortsetzung des Spiels bedeutet. Das Apportierholz ist immerhin für das noch schwache Gebiß eine kleine Last. Sowie der Hund gefaßt hat erfolgt das Kommando: „herein”, auf das er in seinem Eifer meist nicht prompt folgt, nur mit Aufhorchen

oder Zögern reagiert. Man eilt herzu, nimmt ihm mit sanfter Gewalt das Holz ab, reizt ihn ein wenig und wirft aufs neue: „Apport”. Dieses Spiel wird höchstens 3—4 mal wiederholt, so daß es Reiz des Neuen hat. Keinesfalls darf es ermüden oder langweilen, niemals dürfen wertlose Holzstücke oder gar Steine, an denen häufig Zähne abgebrochen werden, benützt werden. Läßt man auch nur einmal den fortgeworfenen Gegenstand zum Zerbeißen oder den Hund achtlos wegwerfen, so stiftet man für spätere Dressur zum korrekten Apportieren Schaden, verleitet man ihn sich Gegenstände des Haushalts zum Zerstören einzuholen. Hat der Junghund Freude am Nachspringen und Ergreifen, läßt sich aber nur widerwillig abnehmen oder jagt damit davon, so übt man einige Male an langer Leine. Für jedes Abnehmenlassen oder gar Bringen erfolgt lebhaftes Lob. Mit ein wenig Entgegenkommen muß man schon zufrieden sein, dann wirft man weiter. Gestraft wird hierbei nie, höchstens die Übung abgebrochen. Erst wenn man zufrieden ist, wird der Holzbock durch Holzkugel oder Vollball ersetzt. Wirft man letztere in Rasen, so umwickelt man sie mit hellem Stoffstück, um sie sie mit dem Auge zu finden. Kluge Hunde beobachten die Stelle des Einfallens und lernen bald, was sie nicht sehen, mit der Nase zu suchen, eine wertvolle Erleichterung für Verlorenapportieren. Wichtig für alle spielende Dressur ist der richtige Zeitpunkt; dieser ist, wenn der Hund selbst sein Lager verläßt und zum Herrn kommt, sich meldet; dann ist er aufgelegt, empfänglich. Spiellust läßt sich anregen, fördern, nicht befehlen. Setzt er sich fragend vor uns, so richten wir ihn an den Vorderpfoten auf, halten ihn einen Augenblick, lassen los, aber die Hände dicht vor ihm und sagen: „so schön”, ihn scharf ansehend. Macht er Miene sich herabzulassen, so mahnen wir mit „schön”, brechen ab, ehe er herabgeht, beloben und belohnen ihn. Das nächste Mal halten wir ihm unter dergleichen Mahnung einen Bissen dicht vor die Nase: „so schön”, werfen ihn nach kurzer Zeit im Bogen von oben zu mit dem Ruf „Nimm”! Werden

diese und ähnliche Übungen gemacht, wenn der Hund von selbst zum Herrn kommt, so haften sie nach 3—6 mal. Holt man ihn und nötigt ihn dazu, so wird er nach 10 maliger Anweisung noch immer die mechanische Unterstützung und Anleitung brauchen. Richtet sich der Hund von selbst oder nach Anlocken unter Vorhaltung von Knochen oder Zucker auf den Hinterbeinen auf, so ist es Kleinigkeit, diese Stellung zu verlängern durch langsames Entfernen über ihm nach rückwärts, unter Zeigen und Vorhalten des Bissens ihn das Gehen auf den Hinterbeinen (Tanzen) zu lehren. Durch Aufheben aufgerichtet und Zuspruch lernt er es schwer, viele, gar nicht. Sie müssen selbst die dazu nötige Stellung ausbalancieren und einen Zweck vor Augen sehen. Sitzen wir ruhig im Zimmer, und der Hund kommt langsam heran, berührt uns mit der Pfote, so ergreift man diese lebhaft und drückt sie. Hält dann die offne Hand vor die Pfote. Erhebt er sie nicht, so stößt man leicht von rückwärts den Vorderlauf an: „Gib Pfote.” Handbewegung, Armhaltung und Wort müssen sich immer ergänzen. Stille im Zimmer, Abwesenheit anderer Menschen sind der richtige Moment. Das im Augenblick gegebene zu erfassen macht den Laien zum Dressurkünstler, nicht das Programm und Lehrbuch. In allem sonstigen mag man nachlesen und Rat hier einholen, was in diesem Kapitel 12 steht, muß in das Gefühl übergehen und in den Fingerspitzen sitzen.

[a]III. Teil.]
Systematische Dressur des Jährlings.


[a]13. Kapitel.]
Leinenführigkeit.