Hat der Hund das spielende Wesen abgelegt, seine Glieder in der Gewalt, das endgültige Gebiß bekommen, so geht der Junghund in den Jährling über, je nach Rasse im 7., bei größten Schlägen im 9. Lebensmonat. Am schnellsten lernt jedes Tier, wenn es genau nach Methode wie die Vorfahren erzogen wurden, Rassen mit Tradition der Dressur wie Jagdspaniels begreifen fast von selbst. Statt des Lederriemens erhält der Jährling sein solides Zug-, der Polizeihund sein Dressurhalsband; an Stelle der Führungsschnur tritt die Lederleine, Zwang zu exakter Ausführung ersetzt bisherige Nachgiebigkeit. Wir erleichtern nur noch Begreifen und Ausführung, sind aber unerbittlich in exakter Befolgung. Leinenführig ist nur der Hund, der an linker Seite, dicht am Knie, den Kopf für Führer sichtbar, die Vorderläufe in gleicher Höhe wie der Herr geht, ohne die Leine je zu spannen. Bester Zeitpunkt der Übung: Rückkehr vom langen Spaziergang, nicht sofort bei Ausgang. Wir überdenken vorher, so daß uns der Rückweg längere Zeit an Mauern, grader Vorgärtenreihe, Häuserwänden ruhig vorbeiführt. Dort angekommen, deutlicher Anruf, kurze stille Rast, Anlegen. Leine kurz in linke Hand, in rechte Gerte, Kommando: „am Fuß” und im gleichen Augenblick energisch antreten. Nun gehen

wir ganz langsam so dicht an der Mauer oder Häuserreihe, daß der Hund links durch diese, rechts durch das linke Bein eingeengt ist. Die Kopfstellung leitet die Länge der Leine. Prellt er mit dem Kopf vor, so erfolgt ein leichtes Zurückziehen und Zuruf „zurück”. Genügt das nicht, ein warnender Schlag mit der Gerte aus dem rechten Handgelenk über die vorgestreckte Nase. Leichtes Lob, lebhaftes würde zum Springen veranlassen, harte Strafe zum ängstlichen Nachschleichen. Das Marschtempo sei alsbald flotter, damit der Hund nicht teilnahmlos nebenher trottelt, sondern animiert geht, da prägt sich das „am Fuß” fester ein als bei dem bisherigen gewohnten Nebenherlaufen. Bleibt man mal stehen, so wird das Kommando „am Fuß!” mit Kurzhalten und lebhaftem Antritt neu gegeben, die Schritte sollen tunlichst hart hallen, wenigstens die ersten, damit die Bewegungsart die Führung unterstützt. Erster Tag ohne Hindernisse und Wendungen; am Endpunkt lösen, loben, Erlaubnis zum Vorspringen mit aufmunterndem „Voraus”. Nach voller Zufriedenheit am zweiten Tag zeitweilig unmerkliches Lösen der Leine, sonst erst bei dritter oder vierter Wiederholung. Wechsel des Weges vorteilhaft, später auf anderer Straßenseite ohne die bannende Wand oder Mauer links. Nächste Steigerung: belebtere Wege unter leichtem beruhigendem Zuspruch bei Annäherung von Hunden; Lob und Ermahnung sollen von Abirren abhalten. Jedes scharfe Abbiegen nach rechts erfolgt unter Kommando „am Fuß”! und leicht angezogener Leine. Wiederholung frei „am Fuß”. Zum Schluß jedesmal Lob und Entlassung: „Voraus”.

[a]14. Kapitel.]
Setz dich, Leg dich, Ablegen.

Drei reine Gehorsamsübungen, wozu der Hund begreifen muß, was er soll; das Verharren ist das Folgen aus Einsicht, daß er sich damit Strafe erspart. Anfangs übt

man im leeren Raum unter Ausschaltung von Ablenkungen, zu denen auch der Trieb des ersten Auslaufens beim Ausgang gehört. Zunächst Namenanruf, Anhängen der Leine, Stehen dicht vor Herrn, die linke Hand faßt nach Halsband unter der Kehle und drückt leicht zurück, die rechte drückt die Keulen nieder, kurzes Kommando „Setz”! Die rechte Hand läßt nach, zeigt dem Hund die senkrecht vor die Nase gehaltene Handfläche (späteres Zeichen ohne Kommando), die linke bleibt noch. Bannender Blick und Zeigen der rechten Hand. Macht er keine Miene aufzustehen, so tritt man zurück, leises Lob. Alsbald beim Ausgang Erlaubnis zum Voranspringen, wenn angezeigt, Abmarsch mit „am Fuß”! Später Wiederholungen, kurzes Kommando und Hilfe zur Ausführung ergänzen sich rasch zusammenfallend. Nutzanwendung: so oft der Hund am Fuß geht und der Herr stehen bleibt, jedesmal „Setz dich”! Bald nur noch auf Vorhalten der Hand senkrecht vor die Nase, bis,sich der Hund von selbst setzt, sobald und wo immer der Herr still steht. Zweck: würde der Hund ungeleint neben dem Herrn, der irgendwie durch Unterhaltung, Blick in Schaufenster, auf Plakat usw. beschäftigt ist, stehen, so wird er leicht zu fremden Hunden laufen, sich langweilend weiter bummeln. Das konsequente Setzen ist ein Bannen am Ort, ohne daß er leicht getreten wird oder in Versuchung kommt. Je temperamentvoller die Rasse (Polizeihund), desto wichtiger ist dieses Bannen; Zwerghunde lernen es selten, da ungeduldig.

Ein weiterer Schritt, etwas schwieriger, für jede höhere Dressur unerläßlich, ist das Legen auf gedehntes Kommando. Gut erzogene Hunde wissen schon aus dem Befehl: „Platz, leg dich”, was sie jetzt sollen. Führen sie es aus dem Gehen beim Fuß angeleint, nicht auf gedehnten Befehl: „Leg dich” aus, so drückt man mit linker Hand auf den Rücken, während die rechte unter die Vorderläufe greift, sie nach vorne schiebend. Die linke Hand bleibt, der rechte Arm erhebt sich wagrecht wie hypnotisierend über den Augen. Allmählich

hebt sich die linke weg, der rechte Arm bleibt mit wagrechter Hand erhoben; will der Hund aufstehen, so klappt die Hand auf den Oberkopf unter „Leg dich”! Nach einer Reihe von Übungen muß der Hund lediglich auf Erheben des rechten Arms mit wagrechter Hand und allmählichem Senken auch ohne Wortbefehl sich legen. Dieses erfolgt immer mit leiser Stimme, die auf den Hund eindringlicher wirkt, als Schreien. Vollen Erfolg hat nur, wer öfter wiederholt, aber unbedingte Befolgung fordert, falls nötig mit Gerte nachhelfend. Jedes Nachgeben und Verzicht auf Ausführung lockert auch die Disziplin auf andren Gebieten. Ist das Legen (Down) für Jagdhunde unerläßlich, für manche die halbe Dressur, wenn damit das Niedersenken des Kopfes zwischen die Vorderfüße verbunden ist, so ist es bei kleinen Rassen entbehrlich, wenn man sie im Hause zum pünktlichen Gehorchen auf „Platz, leg dich”! erzogen hat. Auf „Setz dich”, sollte niemand verzichten. Alle Polizeihundrassen müssen das „Leg dich” ausführen, sowohl auf Wort wie Wink. Nutzanwendung:
1. Wenn der Hund auf größere Entfernung unsre Stimme gegen Wind nicht hört, können wir ihn durch Armaufheben bannen, bis wir zu ihm herangehen und ihn anleinen.
2. Ablegen zum Bewachen eines Gegenstandes, falls fremder Gegenstand fügt der Herr etwas hinzu, was seinen Geruch trägt (Handschuh). Hierzu wählt man einen ruhigen Ort, wenn möglich an Wandung, Böschung, Mauer, Baumstamm im Schatten, anfangs angelegt oder mindestens mit angehängter Leine. Nach Ermahnung entfernt sich der Herr, verhält sich ruhig verborgen; schleicht der Hund nach, wird er unter „Pfui” und Zeigen der Gerte zurückgebracht, aber alsbald persönlich abgeholt, unter Mahnung: ruhig „Platzt” damit er nicht entgegenspringt. Abrufen wäre falsch; was zu bewachen ist, darf nie verlassen werden.
Zur korrekten Befolgung gehören viele Übungen und Geduld, aber auch schon eine gewisse Reife des Hundes, sowie gutes Einvernehmen zwischen Herr und Hund. Ist man überhaupt zur An

schaffung des sogenannten Torquatushalsband (Stachelhalsband) geschritten, das für Jagd und Polizeihund fast unerläßlich, so wird man durch Anlegen an solches sicher Resultate erzielen, ebenso den Hund rascher zum Gehen an Fuß bringen. Aber ein solches Instrument sollte nur für dickfellige Hunde benutzt werden, die auch durch ein paar kräftige Schläge nicht verdorben (scheu) werden. Sehr nützliche Gehorsamsübungen sind „Setz dich” und „Leg dich” dicht vor der gefüllten Futterschüssel. Hunde, die so geübt sind, versagen nicht leicht in Freiheit.

[a]15. Kapitel.]
Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd.

Alle mittelgroßen und größeren Rassen, ausgenommen die schweren Bernhardiner, müssen lernen, dem Fahrrad zu folgen, dessen Tempo für Junghunde zu mäßigen ist, da sie sonst leicht dauernd in Hinterhand ruiniert werden. Andererseits gibt es kein besseres und bequemeres Mittel, den Junghund zu einem gesunden, kräftigen, bruststarken, wohlgestalteten zu trainieren als das Laufen hinter dem Rad. Die ersten Male muß man sich allerdings die Mühe machen, das Rad zu schieben und zwar ganz scharf auf rechter Straßenseite; ausnahmsweise folgt der Hund nicht links, dicht am Fuß, sondern darf frei gehen. Vom Rad aus ihn an der längeren Leine zu führen, empfiehlt sich nicht, das könnte nur ein sehr geschickter Fahrer mit einem außerordentlich lenksamen, leinenfesten Hund riskieren und hätte höchstens den Erfolg, daß der Hund den Weg nur einmal macht. Hat der dem geschobenen Rad aufmerksam folgende Hund den ersten Lauftrieb hinter sich und seine Geschäfte verrichtet, so steigt man auf einsamer Landstraße, die noch wenig von Autos befahren ist auf, hält sich zur Erziehung dicht rechts, nimmt sofort flottes Tempo, das den Hund zu gestrecktem Trab veranlaßt und nicht viel Zeit läßt, nach links und rechts abzuschweifen. Die schrille Trillerpfeife hängt an Schnur am Handgelenk