oder um den Hals; nützlich ist vorn an der Lenkstange an einer vernickelten Klemmvorrichtung die Peitsche zur Abwehr fremder Hunde. Führt man zu zweit, so sollen beide Räder mit etwas Abstand hintereinander folgen; vorn derjenige Teil an dem der Hund mehr gewöhnt ist, als der führende, der zweite gelegentlich korrigierend und überwachend, folgt. Eine Stunde zum Rad begleiten ist soviel Bewegung wie 4 Stunden Spaziergang. In der Stadt selbst und auf belebten Straßen fährt man erst, wenn der Hund nach einigen Wochen des Mitlaufens achtsam geworden ist. Um den etwas reiferen Hund zum Laufen neben dem Wagen zu erziehen, wäre es falsch, sogleich ein flott fahrendes Fuhrwerk zu besteigen; der Hund würde leicht aus Übermut oder Spielerei nach dem Pferd springen oder umkreisen. Auf dem Rückweg nach längerem Spaziergang ersuchen wir den Lenker eines langsam fahrenden Lastwagens uns zu Erziehungszwecken das Aufsitzen zu gestatten und nehmen rechts hinten Platz. Es kommt hierbei nur darauf an, daß der Hund den Herrn sieht und hört, sich an die für ihn verwunderliche Tatsache gewöhnt, daß er nicht dicht herangehen kann. Bellen und Anspringen, was bei langsamer Fahrt und vorausgegangener ausgiebiger Bewegung ohnehin selten, wird nicht geduldet, mit „Pfui” oder Drohung mit Gerte verwiesen. Hilft das nichts, so springt man ab, legt ihn an lange Leine und steigt rückwärts auf. Erst nach mehrmaligem Üben, nachdem rollende Räder und Pferd dem Hund nichts mehr unheimlich Fremdes, wird ein etwas flotterer Wagen bestiegen. Junge Hunde läßt man zum Ausritt nicht begleiten, außer man hat selbst Stall und Pferd, und der Hund ist durch öfteres Mitnehmen und vorherigen Aufenthalt im Stall mit dem Pferd vertraut, meidet die Nähe der Hufe, springt das sich bewegende Pferd nicht mehr an. Und auch dann ist es nützlich, vorher beim Ausführen des Pferdes den Hund einige Male mitgehen zu lassen. Der vorher an das Rad gewöhnte wird sich auch da sofort anpassen und dem Reiter folgen.
[a]16. Kapitel.]
Apportieren und Verlorensuchen.
Selbst wenn der Junghund nach den Anweisungen des Kapitel 12 schon „spielend gelernt”, — das Wort ist sehr bezeichnend und hat tiefen Sinn — hat, muß man ihm doch noch eine vollständige systematische Dressuranleitung zum korrekten Apportieren geben. Manche Rassen sind auch weniger arbeitswillig und zum Spiel nicht aufgelegt. Solchen mit ausgeprägten Sonderanlagen (z. B. Teckel, Windhund) ist es überhaupt möglich das Apportieren vor vollendetem 8.-10. Monat beizubringen, später ist es nahezu ausgeschlossen oder doch sehr langwierig. Zum Üben wird jetzt nicht Ball und Kugel, nur das Apportierholz verwendet. Raum dazu: ein ruhiges Zimmer ohne Ablenkungen, keine Zuschauer. Damit das Greifstück lieber gefaßt wird und die Zähne nicht verletzt, umnagelt man es mit einem Lederstreifen. Das Apportieren setzt sich aus 5 Handlungen zusammen (setz dich, faß, apport, setz dich, aus). Man ruft „herein” hängt die längere Leine (nicht die kurze Führleine) an das Halsband ohne das Tier durch Lebhaftigkeit zu erregen. Fiebert es vor Erregung hinaus zu kommen, so macht man mit ihm „am Fuß” einige Gänge; Kommando: „Setz dich”! Der Hund soll in Erwartung sein, aber nicht in Erregung, wenn es etwa die Zeit zum gewohnten Spaziergang wäre oder Gebell andrer Hunde, Lärm, Geräusche ihn ablenken. Ist das der Fall, so verschiebt man die Lektion, begnügt sich mit der Übung „leg dich”! Eine erfolgreiche Übung zu richtigem Zeitpunkt ist mehr wert als ein Dutzend erfolgloser. Sitzt der Hund in ruhiger Erwartung, so holt man das Apportierholz herbei öffnet ihm den Fang (Schnauze) mit leichtem Zwang, legt das Holz hinein, hebt leicht, den Kopf durch Druck von unten und spricht deutlich „Faß”, ihn scharf im Auge behaltend. Hält der Hund, so zieht man die Hand langsam
zurück unter Mahnung „Faß”! Nach wenigen Augenblicken nimmt man ihm das Holz mit der linken Hand ab, die rechte drückt leicht den Kopf nieder und hilft nach mit Kommando „Gib aus”! Man belobt, aber belohnt noch nicht. Nach einem kurzen Gang „am Fuß” erneutes Setzen und Wiederholung. Inzwischen Pause mit Ablegen. „Herein, setz dich”. Hält der Hund ohne Unterstützung, läßt sich das Holz willig in den Fang ohne Nachhilfe legen, so hält man es dicht vor die Schnauze: „Faß apport” ihm leicht entgegenkommend. Hat er das erstemal von selbst gefaßt, so wird er nach „aus” belohnt und die Lektion mit einem Rundgang „am Fuß” abgebrochen, aber nicht durch Spaziergang abgelöst, weil der Hund sonst während des Unterrichts nur an diesen denkt. Am besten erfolgen solche Stunden an langweiligen Regentagen, am stillen Sonntag Nachmittag. Es gehört dazu viel Nachsicht, Geduld und Zufriedenheit mit kleinem Fortschritt. Der Hund darf angesichts und während der Übung mit dem Apportierholz nie gestraft werden, damit er nicht ängstlich oder unlustig wird. Eher kann man das „Setz dich” vorher etwas scharf fordern, „leg dich” üben, aber dann das Holz noch nicht zeigen und erst bei erneutem Setzen ihm einlegen. Solange nicht das „Faß Apport” ohne Beihilfe klappt, schreitet man nicht weiter. Nimmt er das dicht vorgehaltene sogleich auf Befehl, so wird es das nächste Mal etwas weg und tiefer gehalten, nach alsbaldigem „gib aus” belohnt und abgebrochen. Eine kurze Lektion zur Zufriedenheit bringt mehr Erfolg als stundenlanges Wiederholen. Die nächste Übung ist Vergrößerung der Entfernung bis der Hund von selbst nimmt, sei es, daß wir das Holz bei kleineren Rassen auf den Boden, bei größten dicht vor seinen Augen auf bereitstehendem Holzschemel legen. Bei arbeitswilligen Hunden, die schon vorher spielend lernten, geht das alles in einer Lektion (mit einigen Pausen), bei andren kostet es 6—12 Tage. Ist ein Hund besonders hartnäckig und will sich das Holz absolut nicht einlegen lassen, so hilft oft ein Gewaltmittel.
Man nimmt ein ähnlich dickes Stück Rundholz, legt es ihm weit rückwärts in den Fang und bindet es durch mehrfaches Umschlingen im Nacken fest, doch ohne zu scharf abzuschnüren. Mit dieser Befestigung macht man mit ihm einen mehrstündigen Spaziergang, wodurch oft der Widerstand für immer gebrochen ist. Dabei ist Kontrolle und viel Gehen am Fuß nötig. Die Schnur im Nacken wird zur Sicherheit noch an das Halsband befestigt. Mit derselben Verschnürung haben wir hartnäckige Raufer und Katzenwürger besser als mit Maulkorb kuriert. Nimmt der Schüler das Holz vom Boden auf, so darf es nunmehr fortgerollt oder geworfen werden, doch soll der Hund erst auf Befehl „Faß apport” zuspringen. Dieses abwarten zu lernen, ist die Ursache, weshalb auch Hunde, die schon Ball, Kugel usw. bringen, die systematische Übung mit Sitzen vor Kommando, und mit sofortigem Abliefern mit Hinsetzen durchmachen müssen. Erst nach ganz exakter Ausführung darf das Apportieren im freien Gelände mittels mitgenommenen Gegenstands, nie mit aufgehobenem Stein oder Ast geübt werden. Schütteln, Beißen, Spielen, Herumziehen ist streng zu rügen und durch kurze scharf betonte Übung im geschlossenen ruhigen Raum (Zimmer, Hof) zu korrigieren. Nur ganz allmählich wird in langsamer Steigerung der bisherige Gegenstand durch beliebige andre, die anfangs die Witterung des Herrn tragen sollen, ersetzt. Niemand als der Herr darf mit ihm üben. Schwierige Aufgaben, z. B. Bringen von Metall (Schlüssel), das Hunde ungern mit den Zähnen berühren, werden belohnt, um die Äpportierfreude zu stärken. Dem „Faß apport” (Ergreifen und Bringen des Sichtbaren) folgt das „Such apport”, womit der Hund die erste Anleitung zum Verstehen von „Suchen” erhält. Der verwitterte (riechende) Gegenstand wird vor seinen Augen ins Gras, Klee, Heidekraut oder dergleichen geworfen, so daß der Hund zwar das Werfen, also die Richtung, nicht aber den eingefallenen Gegenstand liegen sieht. Diesen muß er durch Absuchen mit Auge oder Nase finden. Ist die Kugel
in ein grünes Tuchstück, das man mit einigen Tropfen Anisöl parfümiert hat, gewickelt und erhält er diese vor dem Werfen vorgehalten, so kommt der Hund rasch von selbst darauf, die Nase zu benützen. Meist genügt es und ist auch für spätere Nutzanwendung klüger, nur das Tuchstück einige Stunden in der Tasche oder auf bloßer Haut getragen zu haben. Beim Werfen im Winter im Schneefeld benützt man ein helles Leinenstück. Weiß der Hund genau, was „Such apport” bedeutet, so versteckt man im Zimmer die umwickelte Kugel, läßt den Hund erst setzen und animiert mit „Such verloren”. Der gefundene Gegenstand ist immer, auch im Zimmer unter Hinsetzen vor den Herrn abzuliefern. Mit der Hand gibt man die Richtung an, damit der Hund lernt, diese als Hilfsmittel zu betrachten. Erste Nutzanwendung: während Gehen „am Fuß” lassen wir die umwickelte Kugel fallen, nach zehn Schritten: Kehrt. „Setz dich”, der Hund weiß, daß es etwas zum Apportieren gibt. Wir deuten von ihm weg, dicht am Boden entlang nach mit der Hand rückwärts: „Such verloren”. Versteht er nicht, so gehen wir langsam mit ihm zurück und verkürzen das nächste Mal den Abstand auf 5 Schritte. Das Deuten am Boden lehrt ihn, daß er auf Rückspur suchen soll. Nach einer Reihe von Übungen begreift der Hund unter Benützung und Beobachtung der Winke mit Hand oder Arm ganz von selbst, ob er auf der Fährte oder frei suchen soll. Durch Lob und freundliche Behandlung wird das Apportieren und Suchen bei den meisten Hunden zur Leidenschaft; es darf sich nur niemals mit den Übungen der Begriff von schroffer Behandlung oder Strafen verbinden. Auch darf man den Hund nie durch allzuhäufige Wiederholung am gleichen Platz genau derselben Übung langweilen oder ermüden. Abschluß immer Lob und Zufriedenheit. Weitergehende Dressur der Spurenarbeit mit Gehilfen ist Sache der sogenannten Polizeihunddressur aus Sozialdressurbüchern.
[a]17. Kapitel.]
Kleine Kunststücke.
Unter teilweiser Ausnützung des schon vorher Gelernten und der bei spielender Dressur (Kap. 12) festgestellten Anlage lassen sich viele sogenannte Kunststücke beibringen, die man aus der Lust des Hundes am Springen, Apportieren, Verbindung von beiden, ableitet. Wer mit seinem Hund verblüffen will, daß dieser scheinbar rechnen oder lesen kann, der muß ihn nur mit leisesten Winken, kaum merklicher Bewegung der Lippen, Zucken der Schulter dirigieren. Dazu sind nur Hunde brauchbar, die mit Spannung dem Herrn ins Gesicht sehen, die Kommandos dort mehr ablesen als hören. Wer seinen Schüler an laute Befehle, von lebhaften Körperbewegungen begleitet, gewöhnt hat, darf nicht erwarten, daß er auf ein leises, mit geschlossenen Lippen hervorgebrachtes „Ss” reagiert. Oder ein Zucken von Schulter, ein Bewegen der Zehen, die im Stiefel ein Knarren oder Biegung des Leders verursachen, beachtet. Auf solchen, von den Mitmenschen nicht bemerkten Zeichen beruht das Lesenkönnen der Hunde oder ihre Fähigkeit, schwierigste Rechenaufgaben zu lösen. Noch nie hat ein denkender Hund oder Pferd in Abwesenheit des Herrn eine Frage beantwortet. Doch es ist sicherlich schon ein Beweis außerordentlicher Arbeitsfreude, wenn ein Hund immer wieder Buchstaben oder Zahlen klopft, scharrt, Buchstabenblätter herbeibringt. Man möge sich also trösten, wenn der eigne Hund nur mechanisch Gelerntes von sich gibt; selbst die gelehrtesten Hunde arbeiten nicht anders. — Hunde, die lebhaft sind und bewegungsfreudig, lernen sehr leicht springen, wenn man z. B. an langen Regentagen sie nicht hinausführen kann. Zwischen eine Tür stellt man ein Brett (Kistendeckel) in Länge der Türöffnung und in 3/4 Höhe des Hundes), befiehlt „setz dich” etwa 1—2 m von dieser entfernt, übersteigt selber lebhaft das Brett mit dem Ruf
„Komm hopp”. Und ebenso zurück. Wiederholt es mehrmals, später auch ohne vorher setzen zu lassen. Sodann wirft man den Ball oder Apportierholz und befiehlt: „Hopp, apport”, bis der Hund freudig auf Kommando das Brett überspringt. Das nächste Mal wird das Brett durch vier zusammengestellte Leisten in folgender Form zwischen der Türöffnung ▭ ersetzt, die nicht höher sein dürfen als er, weil sonst der Hund darunter durchschlüpft. Springt er freudig, so wird die Lattenumrahmung einerseits frei an eine Wand gedrückt, die andre Seite begrenzt man selbst und kommandiert „Hopp”. Endlich stellt man nur noch die obere Latte allein an verschiedenen Stellen gelegentlich auch allmählich erhöhend wieder zwischen die Türöffnung, bis der Hund freudig die wohlbekannte Sprungplatte übersetzt. Dann wird diese durch ausgestreckten Arm oder Spazierstock ersetzt. Über der eingeklemmten Latte zwischen der Tür wird ein Reifen, aus Spanischrohr gebogen und anfangs durch Umwicklung mit Packpapier vergrößert, gehalten, bis der Hund durch den dünnen, etwas verengten Reif über die Latte zugleich setzt und schließlich durch den Reifen allerorten. Dann wird er gradso durch einen Bogen springen, den man mit beiden Armen, anfangs noch über der Türlatte, bildet. Alle Steigerungen erst, wenn das Kommando „hopp” über das Brett sofort verstanden und willig ausgeführt wird. Mit Lob, freundlichem Abklopfen nicht zu sparen, als Abschluß eine kleine Belohnung. Alle kurzrückigen Rassen (Terrier, Pudel, Pinscher, französische Bulldoggen, Dobermann) sind sprungwillig, weniger die längeren, auf kürzeren Läufen, oder die Trabläufer (Schäferhund, Rottweiler), die es aber aus Galopplauf im Freien über eine Wandung zwischen Gartentür ebenso rasch begreifen. Auch hier kann man Apportierlust dazu benutzen, namentlich wenn der Sprung aus Garten oder Hof zum Spaziergang ins Freie führt. — Hat der kleine Hund durch öfteres Zuwerfen kleiner Brocken, anfangs aus der Nähe, das Auffangen unter „Nimm” begriffen, so muß er auch lernen, zu warten bis er