die Erlaubnis erhält. Man hängt die Leine an das Halsband, was dem Hund immer das Bewußtsein gibt, doppelt an den Herrn zum Folgen gebunden zu sein, und läßt „setzen”, hält den Kopf unter Mahnung zur Ruhe, wagrecht, legt leise ein Stück Zucker auf die Nase und läßt langsam den Kopf los. Auch ohne Mahnung pflegt der ungewohnte Anblick die Augen zu bannen, unter „st” entfernt man sich und fixiert scharf. Tritt herzu, ein leichter Schlag von unten an den Unterkiefer wirft das Zuckerstück in die Luft „Nimm” gibt die Erlaubnis danach zu schnappen; fällt es zur Erde, so wirft man es nochmals in die Höhe mit „Nimm”. Am nächsten Tag wird die Übung wiederholt, später ohne Leine aber immer mit vorherigem Kommando: „Setz dich.” — Das vorgehaltene Stück Zucker dient auch als Lockmittel zum Durchschlüpfen zwischen die Füße im Gehen. Man stellt sich mit vorgestelltem Fuß vor den Hund, lockt mit der linken Hand den rechts sitzenden Hund. Ist er durchgeschlüpft, so wird das andre Bein vorgestellt und der Zucker in die rechte Hand genommen, bis man 3 oder 4 Schritte gemacht hat. Hierauf erhält er das verdiente Stück, das immer zum Schluß gegeben wird, auch wenn man nicht mehr nötig hat, es zum Locken vorzuhalten und der Hund auf Befehl „hier durch” in Erwartung der späteren Belohnung von selbst kommt und bei jedem Schritt zwischen den Beinen durchläuft. Manche Hunde niesen aus Verlegenheit, wenn man sie fixiert. Man fragt dazu: „Wie niest der Hund”? und belohnt. Andre Hunde reagieren auf Quietschball (Gummiball, der zusammengedrückt, fiebt) prompt durch kurzes Bellen. Man wiederholt dicht vor ihnen das Geräusch 3—4 mal, belohnt jedesmal, namentlich wenn der Hund öfter antwortet. Dann wird der Ball in der Hand verborgen, ganz leicht gedrückt, der sitzende Hund erwartungsvoll angesehen. Auf Antwort darf mit Belohnung nicht gespart werden. Ist man sicher, daß der Hund 5—6 mal unbedingt anschlägt, so kann man ihn als Rechenkünstler vorführen und fragen: „Setz dich”, wieviel ist 4 mal
8 weniger 29. Darauf dreimaliges Drücken auf den verborgenen Ball, wobei die Zuschauer, „um den Hund nicht zu verwirren” etwa 10 Schritt weit entfernt gehalten werden, so daß sie unmöglich das leise Geräusch des Balls in der Brusttasche durch den angepreßten Arm oder in der Hosentasche vernehmen können.
Alles das sind scheinbar überflüssige Spielereien ohne praktischen Wert. In Wahrheit ist alles nützlich, was der Hund lernt. Aus einem ergibt sich das andre. Noch bedeutungsvoller ist das Lehren für den Besitzer; er erlernt dabei den Hund behandeln und zu ermessen, wie weit ein Hund auf Erinnerung und Reize reagiert. Das Einvernehmen zwischen Mensch und Tier wächst; der Hund wird mit jedem neuen Begreifen leichter erfassen und fester behalten. Bis er Stimme, Ton, jede Regung versteht, worüber man oft irrig sagt: er versteht jedes Wort. Alle hohe Dressur ist Willigkeit zur Beachtung von Zeichen. Damit Belohnungen (ein Stückchen Kakes, Zucker) auch als solche empfunden werden, darf der Hund nicht überfüttert sein, auch außer den regelmäßigen Mahlzeiten in seiner Schüssel von niemand je Leckerbissen zugesteckt erhalten. Eher etwas knapp an einem Schultag (Regentag): ein voller Bauch studiert nicht gern.
[a]18. Kapitel.]
Wasserarbeit und Schwimmen.
Die meisten Hunde gehen gern von selbst bei Hitze ins Wasser, wenn sie nicht unvernünftig behandelt, d. h. hineingeworfen oder an einer plötzlich abschüssigen Stelle den Grund verlieren und erschrecken. Ehe man den mindestens 6—8 Monate alten Hund ans Wasser führen will, sucht man sich schon in Gedanken eine flache Uferstelle aus, an der man sich nach Spaziergang an heißen Sommertagen lagert. Dann läßt man ihn gewähren und selbst Bekanntschaft mit dem nassen
Element suchen. Jeder Zwang ist von Übel, Beispiel älterer Hund nützlich, aber nicht unerläßlich. Hat er sich ins Wasser gestellt und macht darin Gehversuche, so wirft man ein rundes Holzstück das mit langer dünner Schnur zum Herausholen zur Sicherheit versehen ist, wenige Meter von ihm noch ins flache Wasser: „Apport”. Sobald er herauskommt, schnell das Kommando „Setz dich, gib aus”!, ehe er sich noch schütteln kann. Wasserabschütteln vor Ablieferung des Apportgegenstands ist ein Dressurfehler, weil dabei meist der Gegenstand fallen gelassen wird und liegen bleibt oder, falls Ente des Jägers, entweicht. Was auch der Schüler ausführt, muß exakt sein. Hat man das Holz abgenommen, so mag er erst etwas herumspringen, ehe man aufs neue wirft. Nicht ermüden, und mit Lob abschließen, sodann flotter Heimweg namentlich später bei kühlerem Wetter. Einige Tage später versucht man es in tiefem Wasser; scheut er es, so geht man ohne Tadel nach Hause, versucht es nochmals. Das Versagen ist kein Unglück an sich, aber es gibt ein nie versagendes Mittel jeden Hund zum Schwimmen zu bringen. Dazu brauchen wir einen lebenden Gehilfen oder einen kurzen Pfahl, 1 m lang, unten spitz zum Einschlagen; oben (etwas unter Rand) wird eine Ringschraube eingedreht. Ort ein Bach, der zum Durchwaten für den Hund zu tief aber nicht reißend ist, Nähe einer Brücke. Auf dem einen flachen Ufer schlagen wir mit kräftigem Stein den Pfahl in den Boden, so daß er etwa 1⁄2 m noch herausragt, ziehen durch die Ringschraube eine lange kräftige Leine, werfen die beiden Enden auf das andre Ufer, zum sicheren Wurf mit angebundenem starken Holzstück. Sodann begeben wir uns mit dem Schüler über die Brücke zu der dem Pfahl gegenüber liegenden flachen Stelle. Das eine Ende wird an das genügend eng gestellte, aber nicht würgende Halsband befestigt, das andre nehmen wir in die rechte Hand. Mit der linken führen wir dicht an das Wasser und ziehen nun mit der rechten Hand langsam aber fest die durch die jenseitige Ringschraube laufende Schnur. „Voraus,
so ist's brav.” Der Hund fühlt sich geführt an der Hand des Herrn, wenn er auch im Wasser den Boden unter den Füßen verliert, zieht ihn die Leine, daß er nicht versinkt, noch unsicher wird oder Zeit hat zum Paddeln oder Wasser treten. Kurz vor dem Ufer, noch ehe er herausspringen kann, erfolgt das Kommando „herein, hierher”! und das andre Ende der Leine, das bisher nur nachgab, zieht zurück. Man kann denselben Effekt mit einem Gehilfen erreichen, der den Hund am Halsband hält, während man die lange Leine ans andre Ufer wirft, über die Brücke geht und nun selbst den Hund an dieser zu sich unter Anruf hinüberzieht. Dort wird er gelobt. Besser ist es aber, das ganz allein in aller Stille ohne Zuschauer und Teilnehmer abzumachen. Man wird erstaunt sein, wie rasch jeder Hund begreift, daß das Wasser gar nichts gefährliches ist, und daß er an der führenden Hand des Herrn immer in Sicherheit ist. Dieses Hilfsmittel muß in vollster Ruhe und Bedächtigkeit benützt werden, überzeugt, daß es hilft und daß der Hund ohne jede Aufregung sich leiten lassen wird, als ob man schon 10 Hunde auf diese Weise von der Harmlosigkeit des Wassers überzeugt hätte. Am besten setzt man sich einige Minuten vor dem Anlegen an die hinübergeworfene Leine ans Ufer und raucht eine Zigarette, was auch zum Vertreiben von Mücken nützlich ist. Jede Unruhe, Nervosität oder Unsicherheit des Herrn überträgt sich auf den Hund, den wir auch nie über Trauer oder Niedergeschlagenheit täuschen können, wie unsre Angehörigen, die wir aus Rücksicht leicht mit Worten zu beruhigen vermögen.
Zu Schwimmkünstlern und Tauchern kann man nur solche Rassen machen, die ererbte Wasserpassion infolge Lebensweise der Vorfahren (Neufundländer) oder Abstammung von Arbeitsschlägen (Pudel, Spaniel. Airedaleterriers, die Otterhundblut führen) besitzen. Öfter führt auch häufige Gelegenheit durch Nähe von Teichen, Flüssen, Meeres- oder Seeufer, harte Schläge, wie rauhhaarige Terriers und Pincher dazu. Vorbedingung zum Tauchen ist sehr klares, ruhiges
Wasser und freudiges Apportieren, wozu man Holzstücke durch Beschweren zum Untersinken präpariert, aber nie Steine, benützt. Will man den schwarzen Schnürenpudel in voller Schönheit und Farbe erhalten, so darf er nach dem Baden wie Schwimmen nicht lebhaften Sonnenstrahlen ausgesetzt werden; man wählt dazu die warmen Sommerabende. Auch lasse man sich nicht verleiten, an kühlen windigen Abenden Hunde ins Wasser zu schicken, besonders nicht kurz behaarte. Zum mindesten nehme man ein altes Handtuch mit und frottiere kräftig dem Haarstrich entlang. Ältere Jagdhunde, die viel zur Entenjagd benützt werden, zeigen durch Nierenleiden und Rheumatismus, wohin solche Zumutungen führen. Hat der passionierte Hund gegen Willen des Herrn ein eisiges Bad genommen, so begibt man sich im Eilschritt zur nächsten Behausung und scheue sich nicht, dort Wärmeschutz vor Ofen oder, nach Trockenreibung mit Heu oder Stroh, im Stall zu erbitten. Es wird selten gemütlose Menschen geben, die einem Tier Mitgefühl versagen, was zudem nichts kostet. Lieber eine halbe Stunde Aufenthalt, als ein krankes Tier, für das der Herr verantwortlich ist.