»Kommen Sie,« sagte der Diener barsch. Jetzt hatte der gnädige Herr zu gehorchen.
Den Laubgang führte er ihn entlang, bis an das Gebüsch, dann brach er sich durch die Büsche hindurch, und einen Augenblick darauf stand Eberhard vor dem frisch zugeworfenen Loch.
Als er das sah, fiel er mit einem heulenden Schluchzen nieder, dann griff er mit den Händen in das Erdreich und begann, die Erde aufzuwühlen. Mit rauher Gewalt riß der Alte ihn fort.
»Ah, was soll denn so etwas!« sagte er.
Er nahm ihn wieder unter den Arm, noch fester als vorhin, ungefähr wie ein Polizist, der einen Entsprungenen geleitet. So führte er ihn aus dem Laubgange auf den Rasenplatz hinaus, in den Sonnenschein, und dort an eine Bank.
»Setzen Herr Baron sich hier,« gebot er.
Eberhards Widerstandskraft war gebrochen, er ließ sich nieder und drückte sich in die Ecke der Bank.
Der Alte ging um den Rasen herum und dann, auf der andern Seite des Platzes, so daß er Eberhard fortwährend unter Augen behielt, auf und nieder. Mit dem Knüppel, den er jetzt immer bei sich trug, schlug er in den Erdboden, daß der Kies raschelte. Dann setzte er sich auf eine Bank, Eberhard gerade gegenüber, und von dort aus stierte er unverwandt auf diesen hin. Er hätte tagelang so sitzen können, ohne sich zu langweilen.
Die »Einbrecherin« war beseitigt, er war wieder, was ihm von Gottes und Rechts wegen zukam, der Wärter seines »elenden, verrückten« Herrn – er war zufrieden.
Und inzwischen saß der unglückliche Mann, die Augen zu Boden gesenkt, weil er unablässig den fürchterlichen Beobachterblick auf sich gerichtet fühlte, erdrückt unter der Last seines Bewußtseins, das ihm jede Willens- und Widerstandskraft raubte, das ihn zum hülflosen Kinde in den Händen des grauenvollen Alten da drüben machte. Er war ja ein Verbrecher, ein Mörder! Was für ein Recht hat ein solcher, sich aufzulehnen? Er hat zu schweigen und dankbar zu sein, wenn man ihm das Leben läßt. Und warum ließ man ihm das Leben? Weil man annahm, daß er verrückt sei. Also – er war verrückt. Sein Kinn senkte sich auf die Brust, sein Körper kroch förmlich in sich zusammen.