So kam er in ihr Wohnzimmer, wo ihre Möbel standen und ihr Schreibtisch und ihre Blumen, wo alles noch erfüllt schien vom Dufte ihrer Persönlichkeit, und so endlich in ihr Schlafgemach. Da stand noch das Bett, in dem sie gelegen hatte, das einst so zierliche, jetzt so verwüstete Bett, und nun erfaßte es ihn wirklich wie Raserei, und er fing an, mit dem Lichte unter die Sofas zu leuchten und unter das Bett, als müßte sie da irgendwo versteckt sein, als müßte, müßte er sie finden.
In dem Augenblick aber ertönte hinter ihm die eiserne Stimme: »Was soll denn so etwas? Herr Baron stecken ja noch das ganze Schloß in Brand.«
Die harte Faust des Alten riß das Licht aus seiner Hand und hielt es hoch, so daß es ruhig stand, dann zog er ihn vom Boden empor, nahm seinen Arm unter seinen Arm, und indem er ihn wie in einer Zwinge gefangen hielt, führte er ihn hinaus, die Treppe hinauf in sein Zimmer. Er brachte ihn zu Bett, wie ein Kind, untersuchte noch einmal die Fenster.
»Nun schlafen Herr Baron,« befahl er; dann riegelte er von außen die Thür zu.
So verging Tag nach Tag, und so ein Abend nach dem andern. Jeden Tag das stundenlange Sitzen am Rasenplatze auf der Bank, das stumme Suchen mit den Augen in der Allee, jeden Abend das wandernde Licht von Zimmer zu Zimmer, das Suchen und Suchen und Nichtfinden, und bei Tage und am Abend, immerfort der Alte um ihn, hinter ihm, neben ihm, immer und immerfort.
Im Dorfe und in der Umgegend verbreitete sich unterdessen die Nachricht, daß die junge Frau Baronin plötzlich gestorben sei, und dieser Nachricht folgte ein Gerücht, das man sich nur unter der Hand zuraunte: Der Herr Baron hatte seine eigene Frau umgebracht.
Er war verrückt geworden, der Baron, und der alte Johann bewachte ihn. Der brave alte Johann!
Er hatte immer großes Ansehen im Dorfe genossen, jetzt aber war er geradezu eine imposante Persönlichkeit geworden. Eigentlich war doch er jetzt der Herr vom Schloß.
Wenn er mit seinem dicken Stock die Dorfstraße entlang kam, flogen die Mützen und Hüte von den Köpfen; er aber war ein stolzer Mann, er erwiderte keinen Gruß; wie ein Stier mit vorgestrecktem Kopf ging er seines Wegs. »Er hat jetzt halt so einen zornigen Blick,« flüsterten sich die Leute zu, wenn er vorüberging.
Ja, er hatte einen zornigen Blick, und besonders, wenn er bei dem Taglöhnershause vorbeikam, wo die Eltern des Mädchens, der Franzel, wohnten.