»Bringt ihn ins Schloß,« gebot Eberhard von Fahrenwald, noch atemlos, aber mit ruhiger Sicherheit in der Stimme. »In die Stube unten, neben der Küche, mit den Eisengittern vor dem Fenster. Heute nachmittag fahre ich selbst mit ihm nach Breslau und bringe ihn ins Irrenhaus.«

»Is gutt, gnädiger Herr Baron, is gutt,« kam es zur Antwort. Wer so sprechen und befehlen konnte, war vernünftig, das war ihnen klar.

Die Männer zogen mit dem Wahnsinnigen ab; Anna und der Baron blieben zurück; an der Stätte, die eben von dem furchtbaren Lärm erfüllt gewesen war, trat eine tiefe Stille ein. Annas Kraft war zu Ende; sie saß am Rande des Wegs, hatte ihr Taschentuch hervorgezogen und weinte still in ihr Tuch hinein.

Ihr gegenüber, mit dem Rücken an einen Baum gelehnt, stand Eberhard von Fahrenwald. Seine breite Brust arbeitete noch von dem überstandenen Kampfe; seine Augen ruhten stumm auf seiner Frau.

So verging geraume Zeit. Dann erhob sie langsam das Haupt und wandte es zu ihm herum. Er that einen Schritt auf sie zu; es sah aus, als wollte er etwas sagen, aber bevor er noch dazu gelangt war, sprang sie auf, breitete die Arme aus und mit einem Schrei der Liebe flog sie an seine Brust.

»Umarme mich,« sagte sie, »ich will, daß die Arme mich umfangen, die mich vom Tode gerettet haben!«

Als sie das sagte, brachen auch ihm die Thränen aus den Augen, unaufhaltsam, wie ein Strom. Ja – er hatte sie zum Leben errettet; und sie wußte es und hatte es ihm gesagt.

Er drückte sie an sich, nicht mit der wilden Glut und nicht mit der ängstlichen Scheu der früheren Tage, sondern mit der Sicherheit der warmen bewußten Liebe.

»Anna,« sagte er leise und innig; und er küßte ihr Gesicht, das hingegeben zu ihm aufblickte.

Dann legte er die Arme um sie, und sie schlugen den Weg zum Schlosse ein.