»Soll ich Ihnen nun sagen, warum er das thut?«
Sie blieb regungslos; nur ihre bleichen Lippen bewegten sich.
»Warum?« fragte sie tonlos.
»Sehen Sie,« fuhr er fort, »weil im Wasser neben dem Kahn etwas einherschwimmt, und weil er nichts thun und nichts denken kann, als immer und immer und immerfort auf das, was da neben ihm schwimmt, hinzublicken.«
Seine Stimme sank zu einem heiseren Flüstern herab.
»Und das, was da schwimmt, sehen Sie, das ist etwas Schreckliches, etwas Gräßliches, das ist ein Ungeheuer, so etwa, verstehen Sie, wie die Seeschlange, von der die Schiffer erzählen, daß sie ihnen auf der See begegnet sei. So müssen Sie sich das denken. Mit einem schuppigen Leibe, verstehen Sie, und ganz lang. Und das Schrecklichste an dem Dinge, sehen Sie, das ist der Kopf. Der läßt sich eigentlich gar nicht beschreiben, aber er sieht so ungefähr aus, wie ein ungeheurer Papageienkopf. Ein Schnabel ist daran, ein großer krummer Schnabel, und zwei Augen sind in dem Kopfe –«
Er verstummte. Anna vernahm, wie sich die Luft in seiner Kehle zusammenpreßte, als fände sie keinen Ausweg.
»Die Augen,« fuhr er fort, »sehen Sie, die sind es, auf die der Mann in dem Kahne immerfort hinschauen muß. Die Augen sind fürchterlich, ganz groß und ganz grün, wie die Augen von einem furchtbaren bösen Menschen. Und die Augen blicken immerfort zu dem Manne herauf, und wenn sie ihn ansehen, dann ist's wie ein Lächeln darin, wie ein grauenvolles, und als wollten sie sagen: ›ich habe dich, du entkommst mir nicht‹. Und das, sehen Sie, das ist es, was den Mann gefesselt hält und gefangen hält und gebannt hält, daß er nichts thun und nichts denken und sich nicht helfen und nicht retten kann, obschon er hört, wie der Wassersturz immer näher und näher kommt.«
Abermals verstummte er, und da auch Anna, von Grauen versteinert, keinen Laut hervorbrachte, herrschte eine Zeit lang ein beklommenes Schweigen.
Dann that er einen tiefen, seufzenden Atemzug und seine Stimme nahm wieder den ruhigen, sanften Ton vom gestrigen Abende an.