»Das wolltest du? Wirklich?« Man sah ihm die Freude an, die ihre Entscheidung ihm bereitete.
»Aber daß du nur keinen Schreck bekommst,« fuhr er fort, »wenn du da hinauskommst; es ist etwas einsam, verstehst du. Ich habe da ganz allein mit meinem alten Johann gehaust.«
»Ach Gott,« versetzte sie, »das denke ich mir ja gerade so wunderschön! Siehst du, ich bin ja auch mein Leben lang so allein gewesen, so an die Einsamkeit gewöhnt. Nun richten wir uns das alte schöne Schloß ein, wie es für uns beide paßt, dann gehen wir durch den Park, und nicht wahr, den Park gibst du in meine Obhut? Ich denke mir das so köstlich, Gärtnerin zu sein!«
Sie war ganz lebhaft geworden; ihr Gesicht glänzte. Der Baron sah sie hingerissen an. Vor seinem Geiste erschien eine Reihe der lieblichsten Bilder: er sah seine junge Frau durch die düsteren Räume des alten Schlosses wandeln, wie den Geist des neuen jungen Lebens; er sah sie im Park umherschalten, anmutig zur Arbeit aufgeschürzt, und Haus und Garten wurden jung und lebendig und schön unter ihren Händen und seine Seele ward jung und freudig und stark in ihrer geliebten Nähe.
»Alles soll so sein, wie du es sagst,« rief er jauchzend, indem er sie an sein Herz drückte, »sobald das Wetter einigermaßen wird, fahren wir hinaus und ich zeige dir alles, und dann kommen wir zurück und kaufen Tapeten und Möbel und Blumensamen und alles was der Mensch sich denken kann. Und nachher, da leben wir da draußen zusammen, wie auf einer Insel im weiten Meer. Wir beide ganz für uns, und fragen nach keinem Menschen und nach keiner Welt!«
Er war wie trunken von Freude, als er sie endlich verließ, und auch vor Annas Phantasie begann die Zukunft wie ein helles freundliches Land emporzusteigen.
Am nächsten Tage aber erhielt ihre fröhliche Stimmung einen Stoß. Genau zu der Stunde, an der gestern der anonyme Brief gekommen war, erschien heute, von derselben Hand verfaßt, ein zweites Schreiben.
Gar nicht erst aufmachen, sondern ohne weiteres in den Ofen stecken, das war Annas erstes Gefühl – aber die Neugier war stärker als die Wallung der Vernunft, und sie folgte dem verhängnisvollen Triebe, der in uns ist, Dinge, von denen wir wissen, daß sie uns gräßlich widerwärtig sein werden, daß sie unsern Seelenfrieden stören werden, recht genau und in der Nähe anzusehen.
Das, was sie heute las, war dies:
»Haben Sie denn das Verhältnis noch nicht gelöst? Noch immer nicht? Bedenken Sie sich, es wird Zeit! Es wird hohe Zeit!!!«