Sie faßte seine Hand mit beiden Händen.

»Siehst du,« sagte sie, »du mußt doch bedenken, daß ich an so etwas nicht gewöhnt bin; du weißt ja doch, daß ich ganz arm bin; ich habe doch früher nie Schmuck getragen, und an so etwas muß man sich doch allmählich gewöhnen. Und wenn das dann so mit einemmal, so massenhaft kommt, siehst du, Eberhard, lieber guter Eberhard, das mußt du dir doch selbst sagen, daß einen das geradezu ängstigt. Das erstickt einen ja und erdrückt einen und das hält man gar nicht aus.«

Ihre Worte waren hastig erregt von ihren Lippen gekommen, aber sie beruhigten ihn. Er entnahm daraus, daß es wirklich nur die Armut in ihr war, die vor dem plötzlichen Reichtum erschrak.

»Du liebes, bescheidenes Kind,« sagte er zärtlich, indem er den Arm um sie legte, »ich glaube wirklich, du hast vollkommen recht, und es war falsch, daß ich zu rasch gewesen bin. Aber du weißt ja doch, warum ich es gethan habe und bist mir nicht böse?«

»Ich – dir böse sein –« erwiderte sie stockend, und die Thränen drängten ihr von neuem empor, so daß sich ihr die Kehle zuschnürte.

Er stellte den Schmuckkasten auf den Tisch.

»Also mag er da bleiben,« sagte er, indem er seinen Ton zur Heiterkeit anstrengte, »und vorläufig genug damit.«

Sie blieben dann noch eine Zeit lang bei einander, aber eine unbefangene fröhliche Stimmung wollte nicht mehr recht aufkommen. Der Vorgang von vorhin wirkte in beiden nach, und zwischen ihnen, auf dem Tische stand der verhängnisvolle Schmuckkasten, der an dem allen schuld war.

Am nächsten Tage blieb Anna verschont; es lief kein Brief ein. Als der Baron indessen erschien, lag ein Schatten auf seinem Gesicht und in seinen Augen war ein dumpfes Glühen.

Anna erschrak einigermaßen, als sie ihn sah; sein Ausdruck war so anders als an den vergangenen Tagen.