»Aber Anna,« sagte er endlich, als sie noch immer wie leblos vor ihm stand, »freust du dich denn gar nicht ein bißchen?«
Sie hörte wieder den Ton seiner Stimme, sie blickte auf und sah sein Gesicht mit einem Ausdrucke unsäglicher Güte und Liebe auf sich gerichtet, und plötzlich brach sie in Thränen aus und fiel ihm schluchzend um den Hals.
Dieser Ueberschwall von Gebensfreudigkeit – das sollte alles nur eine Ausgeburt des Wahnsinns sein? Dieser Mensch, der sich auflöste, nur um ein Lächeln auf ihrem Gesicht hervorzurufen, das sollte ein Verrückter sein? Nein, nein, nein! Und sie drückte das Gesicht an seinen Hals und schüttelte, wie in Verzweiflung, das Haupt.
Der Baron stand ratlos. Diese Thränen sahen doch gar nicht wie Uebermaß von Freude, sondern wie echter Schmerz aus. Bevor er aber noch zu Worte kommen konnte, fing sie an.
»Eberhard,« sagte sie, indem sie die Arme von seinem Halse löste, »siehst du, es ist ja so himmlisch gut von dir, und ich bin dir ja so maßlos dankbar für alles, aber ich bitte, ich beschwöre dich, laß es genug sein, schenke mir nichts mehr.«
Die Heiterkeit wich von seinem Gesichte.
»Ich hatte geglaubt,« sagte er langsam, »es würde dir Freude machen – und nun willst du es gar nicht haben?«
Er schickte sich an, den Schrein zu schließen, und dabei sah er so kummervoll aus, daß ein reißender Schmerz durch ihre Seele ging.
»Nein, nein,« rief sie, »ich will es ja nehmen, gern nehmen, und ich bin dir ja so, so dankbar dafür, aber ich wollte ja nur sagen: dann nichts mehr, Eberhard. Laß es damit genug sein, bitte, versprich es mir, bitte, bitte!«
Er drückte den Kasten ins Schloß und sah sie an, als begriffe er nicht, was sie wollte.