»Freilich ist er das,« gab er zur Antwort, »treu beinah bis zum Uebermaß, und das ist es ja eben –« er brach mitten im Satze ab und wanderte wieder schweigend auf und nieder.

»Siehst du,« fuhr er nach einer Weile fort, »solche alten Diener, die man vom Vater überkommt, die einen als Kind auf dem Arm getragen haben, die einen immerfort begleitet haben, sind ja einerseits ein Schatz, und darum kann man sie nicht so aus dem Hause schicken, wie man es vielleicht mit andern machen würde.«

Ein Zucken ging über sein Gesicht und in seinen Augen flimmerte es, wie die Erinnerung an einen schweren Grimm, den er durchgemacht hatte.

»Du wirst doch nicht an so etwas denken!« sagte Anna, indem sie aufstand. Eine innere Stimme flüsterte ihr zu, wie notwendig ihm die stetige Begleitung eines treuen, mit seiner Natur vertrauten Menschen sein mochte.

»Ich denke ja nicht daran,« versetzte er, »nur das wollte ich sagen, siehst du, solche alten Diener werden andrerseits auch manchmal zu einer Art von Last. Sie wollen den Haushofmeister, gewissermaßen den Schulmeister spielen, und das – na, indessen –« er brach wieder ab. »Lassen wir die dumme Geschichte; sie ist abgethan und, wie gesagt, gar nicht der Rede wert.«

Anna war zu ihm herangetreten und sah ihm bittend in die Augen.

»Mir zuliebe,« sagte sie, »sei geduldig mit dem alten, treuen Menschen; er meint es gewiß so redlich und gut mit dir.«

Der Baron blickte mit einem eigentümlichen Lächeln auf sie nieder.

»Das sagst du,« erwiderte er langsam. Seine Lippen bewegten sich, als wollte er noch etwas hinzusetzen; aber er sprach es nicht aus. Allmählich aber, indem seine Augen auf ihrem Gesichtchen ruhten, kehrte der Ausdruck stiller Zufriedenheit in seine Züge zurück.

»Du bist ein Engel,« sagte er, »und so gut, wie du selbst es gar nicht weißt.«