Dann blieb das Licht stehen, flackerte eine Zeitlang hin und her, als würde die Leuchte von der Hand, die sie trug, im Kreise umhergeführt; alsdann verdunkelte sich das erste Fenster, das danebenliegende wurde hell – das Licht wanderte. Man konnte wahrnehmen, wie es aus dem ersten Zimmer in das anstoßende Gemach ging. Dort blieb es abermals stehen, und der Vorgang von vorhin wiederholte sich. Aus dem zweiten wanderte es in das dritte, und so die ganze lange Flucht von Zimmern entlang, und jedesmal das flackernde Umherfahren, jedesmal aber hastiger, als würde die Hand, die die Leuchte trug, immer erregter, als suchte das Licht etwas in den Ecken der Gemächer, und fände nicht, wonach es suchte. Wie das Ringen einer stummen, verzweifelten Seele, beinahe gespensterhaft sah das alles aus.

Zwölf Fenster befanden sich in der langen Front des Schlosses; an allen zwölf wanderte das Licht entlang, bis daß es endlich in das letzte, von dem ersten Zimmer entfernteste Gemach gekommen zu sein schien.

Hier wurden die Bewegungen noch ungestümer als zuvor, das Licht fuhr herauf und herab, daß es aussah, als suchte es am Fußboden umher.

»Itze is er in ihrem Schlafzimmer,« sagte der Kutscher, der kein Auge von dem Vorgange verwandt hatte.

»Ja, jetzt ist er in ihrem Schlafzimmer,« bestätigte der Arzt. In dem Augenblick aber trat eine neue Erscheinung ein: das Licht, das ganz tief am Boden umhergeglitten war, als suchte es unter Möbeln und Betten, wurde plötzlich hoch gehoben und stand ruhig und still, ohne weiter umherzuirren und zu flackern. Es sah aus, als wäre eine andre, festere Hand hinzugekommen, die es der ersten abgenommen hatte und emporhielt. Dies dauerte einige Zeit, dann verdämmerte der Lichtschein nach dem Hintergrunde des Zimmers, verschwand sodann völlig, und gleich darauf lag das Schloß wieder finster und leblos da, wie es zuvor gelegen hatte.

»Itze is der Johann gekommen und hat ihn geheißen vernünftig sein,« sagte der Kutscher, indem er leise in sich hineinlachte, wie jemand, der sich gegrauelt hat und froh ist, daß der Spuk zu Ende ist.

»Es scheint,« erwiderte der Arzt, »jetzt ist der Johann gekommen. Also – fahr auch zu.«

Er lehnte sich zurück; der Kutscher schnalzte mit der Zunge, und die Pferde zogen wieder an. Wenige Minuten später lag das Schloß den Fahrenden im Rücken.

Der zweite Reisende, der das abenteuerliche Schauspiel schweigend beobachtet hatte, wandte sich jetzt an seinen Begleiter. Aus dem Gespräche des Arztes und des Kutschers hatte er entnommen, daß der rätselhafte Vorgang ihnen verständlich erschien.

»Können Sie mir denn sagen,« fragte er, »was das alles für eine Bewandtnis hat?«