Um die Fahrt zu verkürzen, bog jetzt der Kutscher von der Chaussee in einen Weg ab, der quer durchs Land einen Bogen der großen Fahrstraße abschnitt. Obschon man hier stellenweise durch sandigen Untergrund hindurch mußte, blieben die kräftigen Braunen, die vor den Wagen gespannt waren, in munterem Trabe, so daß man gut vom Flecke kam.

Nach einer halben Stunde etwa tauchten vor den Reisenden die dunklen Umrisse eines baumreichen Parks auf, und indem man näher kam, sah man über den Bäumen ein Haus emporsteigen. Vielleicht war es das Dunkel der Nacht, welches die Linien des Gebäudes undeutlich machte – jedenfalls erschien es, von hier unten gesehen, außerordentlich groß, beinahe kolossal.

»Ist das das Schloß, das zu dem Park gehört?« unterbrach der zweite Reisende, der im Lande fremd zu sein schien, die Stille, die bisher im Wagen geherrscht hatte.

»Jawohl, das ist das Schloß,« erwiderte der Arzt. »Ein gehöriger Kasten! Nicht wahr?«

Die Bezeichnung traf zu. Einem ungeheuren finstern Kasten sah das Bauwerk ähnlich, wie es in seiner schweren Masse, lautlos, scheinbar leblos, auf der Terrasse über dem Parke lag, und mit den schwarzen, lichtlosen Fenstern in die dunkle Nacht hinausstierte.

Indem die Blicke des Reisenden noch an dem merkwürdigen Bilde hafteten, griff der Kutscher mit einem plötzlichen Ruck in die Zügel, so daß die Pferde zum Stehen kamen.

»Herr Dukter,« wandte er sich vom Bocke zum Wagen um, »itze sucht er wieder – da!«

Mit dem Peitschenstiele deutete er auf das Schloß hin; die Augen des Arztes und seines Begleiters folgten der angegebenen Richtung.

In dem toten Hause war es lebendig geworden.

Hinter einem der dunklen Fenster, und zwar demjenigen, welches sich an der äußersten Ecke des Hauses befand, dämmerte ein Lichtschein auf, der sich allmählich verstärkte, so daß es aussah, als käme eine Leuchte aus dem hinteren Teile eines weitläufigen Gelasses langsam nach vorn.