Der alte Johann erwiderte nichts, rührte sich aber auch nicht vom Fleck, nur sein Mund that sich halb auf, daß man die langen Zähne darin sah.
In der Brust des Barons stieg etwas herauf, gurgelnd und rauschend, wie eine steigende Flut.
»Auf den Boden damit, hast du mich gehört?«
Diesmal schrie er nicht, er brüllte. Anna blickte auf; sein Gesicht war verzerrt.
Ein furchtbares Entsetzen überkam sie.
»Eberhard!« kreischte sie auf.
Als er den Schrei vernahm, senkte er den Blick zu ihr. Sie stand leichenblaß, mit schlotternden Gliedern, die Hände wie flehend und zugleich wie abwehrend zu ihm erhoben. In dem Augenblick war es, als knickte sein aufgestraffter Körper in sich zusammen, die lodernde Wut in seinen Augen erlosch, um einem maßlosen Erschrecken zu weichen, und mit einem dumpfen »o mein Gott« schlang er beide Arme um sie, riß sie an seine Brust, und so, indem er sie an sich gepreßt hielt, zog er sie aus der Galerie in das anstoßende Gemach, wo er sie auf das Sofa niedersinken ließ.
Sobald sie Platz genommen, sank er knieend zu ihren Füßen, das Haupt in ihren Schoß gedrückt, die Hände um sie gelegt, als fürchtete er, daß sie aufspringen und entfliehen würde. Daran aber hätte Anna wohl kaum gedacht, sie fühlte sich von dem eben erlebten Schreck ganz kraftlos und gebrochen. Sie mußte die Zähne aufeinanderpressen, damit sie nicht klappernd zusammenschlugen, ihre Glieder zitterten wie im Frost.
Als der Baron das Beben ihres Leibes verspürte, hob er das Gesicht zu ihr auf.
»Aengstige dich nicht,« flehte er, »ängstige dich nicht.«