Aber er sah ihre Augen mit stummem Grauen auf sich gerichtet.

»Es war ja um deinetwillen, daß ich so heftig wurde,« fuhr er fort, »weil ich sah, daß das Bild dich erschreckte.«

Und als sie noch immer nicht im stande war, ein Wort zu erwidern, drückte er das Haupt wieder in ihren Schoß und schüttelte es und faßte sie fester mit den Händen.

»Geh nicht von mir!« stöhnte er, »verlaß mich nicht!«

Bei diesem Worte wurde ihr wieder weich und warm. Schweigend breitete sie die Arme um ihn her, senkte das Gesicht auf sein Haupt und ein Strom von Thränen, der lautlos aus ihren Augen brach, verkündete, daß das Eis geschmolzen war, das sich für einen Moment um ihre Seele gelegt und sie von ihm getrennt hatte.

So saßen sie schweigend bei einander, lange Zeit. Das einzige Geräusch, das man vernahm, war das Knistern des Holzes im Kamin, das in sich zusammenfiel, um sich in Kohle zu verwandeln und danach zu Asche zu werden. Sonst regte sich kein Laut, und es war, als hauchten die alten Möbel, die Bilder an den Wänden die dumpfe Stille aus, die wie eine Last im Zimmer lag. Es war, als thäten sich geräuschlos in Winkeln und Ecken und in der Luft umher Augen auf, dunkle, schwermütig forschende Augen, als blickten sie fragend auf die beiden in sich versunkenen Menschen dort, und als blinzelten sie sich gegenseitig zu, Gedanken tauschend, wie die Abgeschiedenen sie verstehen, die Lebenden aber nicht.

Endlich hatte Anna ihre Fassung wieder erlangt.

»Komm weiter,« sagte sie, indem sie sich vom Sofa erhob.

Er stand auf.

»Nun wirst du wohl nichts mehr sehen wollen?« fragte er.