„Zwingst du Hagel, Blitz und Regen? — Und wenn schon — wie willst du auf Rübenboden Wein ernten, Reis und Oliven? — Nein, nein, wir sind Kinder der Scholle, nicht ihre Herren. Und glücklich, wer die Seele des Himmelsstriches mit bekommt, unter dem er geboren ist. Der mag zufrieden sein mit noch so hartem Los, denn er kennt kein besseres und hat die Sehnsucht nicht, es kennen zu lernen. Aber wer im grauen Norden aufwächst mit einer südlichen Seele, der bleibt arm und heimatlos!“

„Sprichst du von dir?“

„Ja und nein. Hier ist alles Weite, Überfluß, Schönheit — wie leicht ist es da, zufrieden und gütig zu sein. Aber du ahnst ja nicht, wie trostlos arm an Freude es dort oben bei uns ist! Häßliche Häuser, eng zusammengewinkelt, um den kostbaren Rübenboden zu schonen. Ringsum ebene Felder, weiß im Winter, braun im Frühling, grün im Sommer, gelb im Herbst — in ewigem Wechsel. Wie sollen dort frohe Menschen erwachsen? Dort ist das Leben eine Schuld, die abgearbeitet werden muß. — Ich denke an meinen Vater — was wäre aus dem geworden, hätte ihn das Schicksal in diese Landschaft gestellt. Und aus mir ...!“

„Du stehst ja mitten drin in der gepriesenen Landschaft!“

„Ja — aber die Kindheit dort oben läßt mich nicht los!“

„Wirklich, läßt sie dich nicht los, du Ärmster! — Nun, ich glaube weit eher, du willst sie nicht loslassen — oder?“

„Nein, ich will nicht,“ sagt Fritz langsam.

57

Es geht dem Herbst zu, und das erste Bankjahr nähert sich seinem Ende. Da kommt ein langer Brief vom Herrn Rat, der neben ernsthaften Ermahnungen auch viel unerwartetes Lob enthält und, nach langwierigen Betrachtungen darüber, daß es für Fritz, nun er einmal diesen Beruf gewählt, vorteilhaft sein müßte, möglichst viel von der Fremde zu sehen, in der überraschenden Frage gipfelt: wie er über eine Versetzung nach Kairo dächte? Er solle sich ernsthaft prüfen und vor allem auch bedenken, daß er die neue Stellung anschließend an seine jetzige antreten müßte, ohne vorher nach Hause kommen zu können. Bliebe er aber weiter in Mailand, so wäre ein Urlaub von zwei Wochen wohl zu erreichen. Dies und manches andere müßte er mit sich selbst ausmachen, jedenfalls aber sich bald entscheiden. Natürlich ohne Übereilung.

Vom Vater ein paar kurze Zeilen, die ihm den Entschluß freistellen. Er sollte rechtzeitig Bescheid geben. Natürlich dürften Sentimentalitäten, wie die weite Entfernung oder die lange Trennung, keine Rolle spielen. Die einzige Frage sei vielmehr, ob er nach diesem ersten Jahr an dem selbstgewählten Beruf festhalten wolle oder nicht. Die Rückkehr an die Universität, nach dem kostspieligen Umweg über Mailand, wäre ja natürlich ein haarsträubender Blödsinn, aber es würde sich in Gottes Namen darüber reden lassen. Hauptsache sei, daß er endlich einmal einen festen Willen zeige ...