Von einer Moschee hoch oben in der Mouski kommt der Zug und geht durch die Mouski zum Hause eines persischen Notabeln. Es sind fast durchwegs Perser, die mittun.
Die kleinen Krämer zu beiden Seiten der engen Straße stellen Sessel auf den schmalen Bürgersteig vor ihren Läden und vermieten sie zu ein, zwei Piastern. In der Straße drängt sich das Volk. Der Ordnungsdienst ist einfach: Wenn die Schauîsche zu Fuß nicht mehr ausreichen, um die Bahn freizuhalten, dann werden oben irgendwo soviel Berittene nebeneinander gestellt, daß sie die Straße eben ausfüllen. Dann ein letztes, warnendes „Ouaah hazîb — oha, Achtung!“ des Polizeioffiziers, und los, vom Fleck weg im Galopp, die Straße hinunter. Überritten wird fast nie jemand; und wenn schon — die Pferde sind nicht beschlagen. Nur hinter den Reitern ist die Straße dicht bestreut mit großen, gelben Lederpantoffeln, Tarbouschen und Nabbûts, den krummen Bauernstöcken.
So oft auch die Straße unter der Menschenmenge verschwindet, die Reiter fegen sie immer wieder rein, bis auch die Hartnäckigsten es müde werden und sich in die Seitengäßchen verziehen, oder sich in die Lücken der Sesselreihen auf dem Bürgersteig quetschen.
Auf den Sesseln sitzen die Europäer und warten.
Der aufwirbelnde Staub, der schwere Geruch von Hammelfett, von gebackenen, gebratenen, gesottenen Unmöglichkeiten, der Dunst der Menge liegt wie eine wuchtende Plache über der engen Straße, läßt den Schall nicht verflattern, wirft ihn wieder und wieder zurück — Schreie, Flüche, klappernde Hufe, Stimmengesumm.
Endlich — der Zug. Ein letztes Mal fegen die Reiter vorbei; hinter ihnen her schweres Blutlicht, überholt sie, hüllt sie ein. Näher — jetzt — der Zug.
Ein kleiner Eselwagen mit Holzscheiten, Fackelträger zu beiden Seiten. Die Fackeln: an langen Stangen Körbe, aus Eisenbändern geflochten. Darin brennen Holzscheite; will eine verlöschen, so wird aus dem Wagen neu nachgelegt.
Die offen brennenden Scheite geben Glut und Rauch; es ist, als würde aus den Eisenkörben dicker, dunkler Wein hochgeschleudert und flösse an Dingen und Menschen herunter.
Dann ein Pferd, reiterlos, altertümlich reich gezäumt.
Im Sattel stecken ein paar lange Pfeile; früher einmal staken sie im Pferdeleib — jetzt nur im Sattel.