Das Pferd als lebendige Erinnerung an das Schlachtroß des toten Heiligen.
Dann der persische Konsul mit den Notabeln, alle im dunklen Kaftan, und dem dunklen persischen Tarbousch. Stumm, würdig und — ein wenig unbeteiligt schreiten sie vor sich hin.
Ob sie der Glaube treibt, oder die Pflicht? Wir kennen diese Mienen — zu europäisch — weiter!
Die Gläubigen. Die erste Gruppe — zehn, zwölf Leute. Sie haben den Kaftan offen, die linke Brust entblößt, rufen die Heiligen: Hussein! Hassan!
Bei jedem Ruf ein Faustschlag an die Brust.
Die dumpfen Schläge und Rufe durchschüttern das glutige Dämmer wie das Hämmern eines gigantischen Herzens, das Blut durch die Riesenader dieser Straße triebe.
Ein Abstand — die zweite Gruppe. Leute mit nacktem Oberkörper — wieder zehn, zwölf — eine geschlossene, schwere Eisenkette in doppelter Windung um den Hals geschlungen. „Hussein! Hassan!“ bei jedem Ruf ein Riß an der Kette, einmal mit der linken, einmal mit der rechten Hand. Blut rieselt von den wundgerissenen Schultern.
Ein herrischer Geruch drängt sich vor, pocht hart an die Schläfen, macht die Augen glitzern —: Blut!
Kein Laut mehr aus den Reihen der Zuschauer; der Rhythmus hat sie bezwungen, ihre Herzen klopfen hart im Takt mit dem Anruf: „Hussein! Hassan!“
Noch ein Pferd; ein weißes Bündel darauf; eine Puppe — nein — ein Kind! Ein dreijähriger Bub in weißem Hemdchen, gestützt und gehalten von dem Mann, der das Pferd führt. Ein blankes Dolchmesser in der Kinderfaust. Auf dem kleinen, glattrasierten Kopf eine Schnittwunde. Das dünne Stimmchen kräht mit, fest im Rhythmus: „Hussein! Hassan!“ Und ein kurzes Schlürfen dazwischen, weil ihm das Blut in dünnem Faden übers Gesicht in den rechten Mundwinkel läuft.