„Ich bin der Dampfer, der durchaus schwarze ...“ Sein Vater unterbricht ihn böse: „Willst du nicht arbeiten, oh Hundesohn, oh Kuppler, verflucht sei der Glaube deiner Mutter!“ Dann wendet er sich mit Vaterstolz zu den Gästen: „Er ist noch jung, aber seine Stimme ist sehr schön!“

Und sie rudern ...

Fritz bringt von diesen Ausflügen eine schwere Müdigkeit heim, und das Essen will nicht schmecken. Der Tischälteste, seit Jahren im Land, sagt ihm einmal gutmütig warnend: „Passen Sie auf, mein Lieber, Sie holen sich da draußen in der Sumpfluft ein Fieber, das sich gewaschen hat! Lassen Sie die Jägerei lieber sein — das ist was für Europa!“ — „Oh, es wird schon nicht so schlimm sein!“ sagt Fritz leichthin und fühlt gehässigen Trotz. — Jagen — in Europa! Als ob es ihm dort nicht verboten gewesen wäre! Nein — die neue Freiheit hier soll ihm kein Warner verkümmern!

Eine Woche drauf packt ihn das Fieber wirklich. Eines Morgens beim Aufstehen fühlt er quälenden Kopfschmerz, ziehende Mattigkeit in allen Gliedern. In der Bank überfällt ihn jäher Schüttelfrost, er taumelt frierend durch die breite Mittagsonne nach Hause, wirft sich ins Bett. Ihm ist, als wäre sein Hirn zur Bleikugel eingeschrumpft, die nun bei der leisesten Regung schmerzhaft an die Schädelwände schlägt. Ruhig liegen, ruhig. — Da kommt ihm ein leises Klingen ins Ohr, das schmutzige, oft geflickte Mückennetz wird zum prunkenden Betthimmel, der dumpfe Straßenlärm fügt sich zu rauschendem Rhythmus und jetzt, hinter geschlossenen Lidern, das Bild, das er so lange nicht mehr gesehen hat: ein weiter, glattgepflasterter Platz, auf den in langen, dichtgedrängten, glasharten Schnüren und Strähnen vielfarbiger Regen niederfällt, in allen Farben, blau, rot, gelb, grün. Regen, Regen ...

Den Poporutscher haben sie wohl ins Nebenzimmer gesteckt — aber warum zünden sie die große Lampe nicht an? Felix und Max müssen doch lernen ... Und die Mutter läßt sich nicht blicken ... aha, da kommt sie, bringt Licht ... und der Vater ... Ja, Vater, das hab’ ich mir nun auf der Jagd geholt, ein wenig Fieber, nicht schlimm ... das verfluchte Gerippe hat wieder einmal recht ... wart’, Hund, ich werf’ dich ab ... Ja, Vater, ich reite jetzt auch viel, fahre oft im Wagen, rauche Zigaretten ... Gott, ja ... man lebt eben ...

Da klingt eine laute, fremde Stimme: „Aspirin — alle Stunden ein Gramm, dreimal! —“ Ein bitterer Geschmack im Munde, Wasser drauf ... Das ist nicht der Vater! Ein fremder Mensch, und die Pensionswirtin ... Dann wieder Halbschlaf und Feuerregen, der langsam blasser wird, farblos — erlischt. —

Und ein Auffahren: „Wer steht dort neben der Türe, hoch und schlank, im weißen Kleid? — Gitta — Fräulein Gitta Hostrup — gewiß, ich hatte das Vergnügen, neulich in der Mouski — oh, bitte, nur ich habe zu danken, nur ich ... Mädel, sag, wo kommst du her? Weißt du denn, wie ich mich nach dir gesehnt habe — nach deinen großen Augen und deiner festen, langen Hand — willst du mir gut sein? Oder kannst du es nicht verzeihen, daß ich durch Sumpf gegangen bin? Sieh doch, ich war blind, ich kannte den Weg nicht ... Steh nicht so steinern dort an der Tür! — komm näher, komm, — verflucht, es ist der Bademantel ... oh, Gitta! — —“

Die starke Aspirindosis hat das Fieber gebrochen. Der nächste Morgen schon findet Fritz fieberfrei, aber lächerlich schwach und zerschlagen. Der Puls ist kaum zu spüren, im Schädel rollt immer noch die verwünschte Bleikugel. — Milch als einzige Nahrung — sie ist lauwarm, schmeckt nach Büffel. — Draußen hat sich eben die Sonne durch die Morgennebel gekämpft, pocht herrisch an die Fensterläden; ein heißer Wind fegt Staub herein — zwei Kakerlaken rennen erschreckt über den Steinfußboden. — Da ist so eine verdammte Mücke im Netz, schwirrt singend herum — bis man die Bestie erwischt, hat sie einen zehnmal gestochen ...

In Weißwasser werden jetzt die Brombeeren reif, die Tage sind still und klar, und die Nächte kalt, mit ersten Frösten ...

Draußen verzittert der Gebetsruf des Muezzin ...