Abb. 25
Abb. 26
Auf der Suche nach geeignetem Material, nach zusammengesetzten flächenhaften Modellen, wird man bald auf Gegenstände stoßen, die gemischten Charakter tragen. Ein Hoftor z. B. zeigt in seinen hölzernen Bestandteilen flächenhaften, in seinen steinernen körperhaften Charakter. Die perspektivische Wiedergabe ist auf dieser Stufe noch nicht möglich. Man gebe darum das Ganze flächenhaft ([Abb. 22]). Man wähle auch auf dieser Stufe zunächst wieder Gegenstände, die Formen zeigen, durch deren Wiedergabe jene Elementarformen neuerdings geübt werden ([Abb. 23]). Solche Modelle finden sich unter den Kulturerzeugnissen, auch unter den modernsten ([Abb. 24]) häufiger als unter den naturgewachsenen; denn die Natur kümmert sich nicht um geometrische Gesetze. Das Zeichnen nach der Wirklichkeit aber wird die lebendige Natur nicht ausschalten können, sondern wird sie zeichnerisch zu bewältigen suchen. Schon auf der 1. Stufe werden flache Naturformen: Blätter, Schmetterlinge, Käfer, Fische, d. s. Lebewesen, die sich überdies durch eine gewisse Symmetrie auszeichnen, dargestellt werden. Aber auch hier werden – wenigstens bei Anlage der Zeichnung – jene Elementarformen eine Rolle spielen, indem sie die Gesamterscheinung charakterisieren und den Blick von verwirrenden Details ab- und dem Wesentlichen zuwenden. Ein Efeublatt würde nicht in naturalistischer Form ([Abb. 25]), sondern in einer gewissen Stilisierung wiedergegeben werden, die ihr eigenartiges Gepräge jenem Streben nach Regelmäßigkeit, Gefälligkeit und Linienschwung verdankt ([Abb. 26]).
Abb. 27
In ähnlicher Weise könnte jedes Naturblatt zum zeichnerischen Problem werden, ein gewaltiger Vorzug dieser modernen Modelle vor jenen früheren Vorlageblättern, die fertige Problemlösungen brachten und dem Zeichner die eigentlich künstlerische Leistung vorwegnahmen.