Schwieriger gestaltet sich die flächenhafte Wiedergabe der bewegten Erscheinung. Man beobachte, den Stift in der Hand, eine Rabenschar, wie sie sich z. B. im Frühjahr oder im Herbst zwischen den Furchen der Sturzäcker breit macht. Der fliegende Vogel ändert sein Erscheinungsbild mit jedem Augenblick. Wer es festhalten will, muß sich an blitzschnelles Beobachten gewöhnen. Mit wenigen Strichen wäre dann der in der Vorstellung haftende Eindruck im Umriß wiederzugeben. Das Eindecken der dunklen Fläche kann man zu Hause mit dem Pinsel vornehmen ([Abb. 31]). Die Darstellung wird in solchen Fällen einem Gemisch von Zeichnen nach der Natur und Zeichnen nach der Vorstellung entspringen.
Abb. 32
Bei der Wiedergabe vierfüßiger Tiere wird man gut daran tun, schwierige Verkürzungen anfangs zu vermeiden. Die charakteristische Wiedergabe gewinnt man am leichtesten aus der Seitenansicht ([Abb. 32]). Ein treffliches Hilfsmittel bietet auf dieser Stufe das Studium guter Silhouetten.
Abb. 33
Auch das Ausschneiden aus Papier mit der Schere ist wie kaum eine zweite Tätigkeit geeignet, das Erfassen ganzer Figuren und das Gedächtnis für charakteristische Formen zu fördern. Das Zeichnen und Gestalten nach der Vorstellung dürfte eben auch auf dieser Stufe nicht versäumt werden. Nur sollte man stets darnach streben, alles mittlerweile durch Beobachten der Natur und durch Darstellen der Wirklichkeit Gewonnene und Erlernte mit einzubeziehen und mit zu verwerten (vgl. [Abb. 33]), so daß nach und nach auch das sogen. Gedächtniszeichnen sich vom bloßen Schema zu lösen und mehr und mehr den Eindruck des Erscheinungsgetreuen zu erwecken vermag.
Schmückendes Zeichnen.
Ist der Zeichner so weit gekommen, daß er einige Treffsicherheit in der flächenhaften Wiedergabe flächenhafter und körperhafter Gegenstände erzielt hat, dann wäre es an der Zeit, das erlangte Können in den Dienst dekorativer Aufgaben zu stellen. Über Art und Wesen des zeichnerischen Schmuckes habe ich an anderer Stelle[8] bereits ausführlich geschrieben, so daß ich mich hier kurz fassen kann. Ich vertrete die Anschauung, daß Schmuck kein Sonderdasein führen kann, sondern eines zu schmückenden Gegenstandes bedarf. Oder noch richtiger ausgedrückt: daß der Gegenstand nach dem Schmuck rufen muß, nicht umgekehrt, und daß darum die Art des Schmuckes durch die Art des Gegenstandes bedingt wird.