Abb. 43

Auf der 2. Stufe wird man dann daran denken können, körperhafte Dinge perspektivisch darzustellen. Ist die Übung auf der ersten Stufe ausgiebig erfolgt, so wird die zweite Stufe keine besonderen Schwierigkeiten mehr bereiten; denn bei näherem Zuschauen stellt sich dann die perspektivische Darstellung körperhafter Dinge nur als eine Zusammenstellung mehrerer perspektivisch dargestellter Flächen dar. Eine Zigarrenkiste – über Eck gestellt – würde für die perspektivische Wiedergabe die Lösung der Aufgabe verlangen: drei viereckige Flächen – zwei senkrecht und eine wagrecht stehende – in ihrem gegenseitigen Zusammenhang wiederzugeben ([Abb. 6]).

Es ist an und für sich gleichgültig, ob man die perspektivische Wiedergabe körperhafter Dinge mit runden oder mit eckigen Formen beginnt. Am leichtesten lassen sich Rundformen an das bisher erworbene Können anschließen. Irgendein zylindrischer oder ein kegelförmiger Körper lassen sich ohne weiteres aus der bereits geläufigen flächenhaften Darstellung gewinnen ([Abb. 46]).

Abb. 44

An Modellen für einfache linienperspektivische Darstellung ist jedes Wohn- und Studierzimmer reich. Man lege ein Buch vor sich hin auf den Tisch oder man schichte einen Stoß Bücher übereinander und versuche die perspektivische Wiedergabe ([Abb. 47]). Man stelle kleine Gruppen zusammen: Zigarrenkiste, Zündholzschachtel, Aschenbecher; Tisch, Stuhl, Krug; Marktkorb, Flasche; Reisekorb, Hutschachtel u. a., Schränke, Truhen, Öfen usw., Zimmerecken u. a. geben Gelegenheit in Hülle und Fülle, das Erkannte an wirklichen Gegenständen neu zu entdecken und wiederzugeben. Oder man werfe einen Blick durchs Fenster – der Rahmen des Fensters ist ein treffliches Mittel zur Erkenntnis der Neigungswinkel – und man wird eine Menge neuer geeigneter Modelle vorfinden: den Giebel oder die gestaffelte Feuermauer vom Nachbarhaus ([Abb. 49]), Erkertürmchen, Dachfenster, Kamin, Telegraphenstangen und -drähte ([Abb. 48]) und was dergleichen Objekte sonst noch sein mögen.

Abb. 45

Das Zeichnen nach der Vorstellung endet nicht mit jenen Übungen, wie sie die Vorstufe verlangte, sondern findet seine Fortsetzung auf allen Stufen der zeichnerischen Entwicklung. Nur wird aus jenen schematischen Darstellungen nach und nach ein anschauungsgemäßeres Zeichnen werden, je nach dem erreichten Grade von Verständnis und Können. Besonders geeignet, Sicherheit in der Auffassung und Darstellung zu erzielen, sind frei aus der Vorstellung heraus gefertigte perspektivische Aufgaben.