Angekl.: Bei einem Geständnis kam bei mir außer diesen Dingen auch noch die weibliche Scham dazu, die mich nicht sprechen ließ.
Vors.: Was Ihre weibliche Scham verletzt, hätten Sie ja verschweigen können.
Angekl. (fast weinend): Sie nennen es Lügen, ich phantasiere so gern. Sie nennen mich lügnerisch. Als Mensch würde ich ja so gern dem Menschen ein Geständnis ablegen, es hat mich immer gedrängt, dem Untersuchungsrichter, dem Menschen, zu gestehen. Aber hinter dem Untersuchungsrichter steht der Staatsanwalt, der aus einer Verzweiflungstat den tückischen Mord machen will.
Vors.: Sie vergessen eben, daß die Richter auch Menschen sind und diesen Menschen hätten Sie sich als Mensch zeigen können.
Nun wird die alte Frau Konegen vernommen. Sie erzählt, daß sie einen eigenen Haushalt führe, obwohl sie in einem Hause mit ihrer Tochter zusammen wohne, und daß sie nur, als Frau Stülpnagel erkrankte, in der Küche mitgeholfen habe. Sie selbst ist nie krank geworden.
Vors.: Wann ist Ihre Tochter erkrankt?
Zeugin Konegen: Das kann ich genau sagen. Am 12. Juni, ich brauche nur in meinen Aufzeichnungen nachzusehen.
Unter vergnügtem Lachen im Zuschauerraum (!) zieht die alte Dame ihre Papiere hervor und beginnt vorzulesen:
„Am 9. Juni waren die Kinder krank, dann wieder besser.
Am 12. Juni Dorothea krank.