Vors.: Von der Vergangenheit der Angeklagten haben Sie damals noch nichts gewußt?

Zeugin: Gar nichts. Erst als die zweite Anzeige erstattet wurde, erzählte man mir ihre Geschichte.

Vors.: War die Ehe Stülpnagels glücklich?

Zeugin: Soweit ich beurteilen kann, ja. Meine Tochter ist literarisch gebildet, eine gute Wirtschafterin, sehr fleißig.

Vors.: Aber ein gewisses Empfinden gegen die Verläßlichkeit Ihres Schwiegersohnes hatten Sie einmal?

Zeugin: Einmal, es war im Sommer 1921, die anderen Familienmitglieder waren auf Sommerurlaub, da kam Stülpnagel zu mir und verlangte, daß im Zimmer der beiden Buben die V. wohnen solle. Das habe ich natürlich energisch abgelehnt.

Vors.: Wie hat sich Ihr Schwiegersohn dazu verhalten?

Zeugin: Damals war er sehr wütend.

Vors.: Es liegt eine lieblose Äußerung vor, welche die V. einmal gemacht hat. Wie kann man nur über eine Dame so sprechen, an deren Schmerzen man selbst schuld ist? Eine arme Frau noch so zu verhöhnen.

Angekl.: Und eine andere arme Frau, die monatelang in Einzelhaft war, auch so krank und ohne Pflege, die verhöhnen Sie, Herr Hofrat, wenn sie in einer Aufwallung von Erbitterung auch nur ein Wort zu viel sagt. Ich bin doch auch ein Mensch.