Abb. 38. P. P. Rubens, Die flämische Kirmes.

»Alle Laster, die Freßsucht, die Trunkenheit, die Ausschweifung, sind hier in einer so donnernden Hymne gefeiert, daß man gar nicht auf die einzelnen Worte achtet. Eine ungeheuere Musik, keine Zurückhaltung, keine Dämpfung, brutal bricht sie aus wie Zimbelschlagen, rauschende Blechmusik und das Gröhlen der breiten Baßgeigen. Rubens vergötterte seine Rasse, er liebte in ihr die Gutmütigkeit, ihre Sinnlichkeit, ihre rohe, rote Glut. Von allen Genrebildern des Rubens ist dies Kirmesbild das berühmteste und typischste«. (V.)

Abb. 39. P. van der Heyden, St. Georgskirmes.
Kupferstich nach P. Breughel.

Wild und sinnlich sind auch die Kirmessen des Breughel, des Vinckboons, des Jordaens. Aber nur Rubens prägt und stilisiert das Bild, das hundert andere gemalt, zu einem Rassezeichen, zum Signum seines Volkes voll künstlerischer Klarheit und Kraft.

In der Darmstädter Galerie hängt ein Bild Breughels, das vielleicht am ehesten neben die Rubenssche Kirmes gehört. Wie die Bauern sogar noch unterm Galgen tanzen. (Abb. 37.)

Bei Rubens meint man, das müßte so sein. Bei Breughel erlebt man erst dies wundervolle »Und doch, und doch« der uralten flämischen Lebenslust trotz aller Widerwärtigkeiten des Daseins.

Rubens Kirmes ist tatsächlich Signum – Breughels Bild aber ist die Allegorie eines Malerphilosophen sondergleichen.

Beide Künstler sind wahr und überzeugt vom Werte ihrer Art.