Abb. 2. Hoogenberg, Der Brand des Rathauses in Antwerpen i. J. 1576.

Freilich, wer nur einigermaßen dieses Volkes, dieses Landes Geschichte kennt – war nicht überrascht über diese furchtbar wilde Raserei, die wir lieber dem Pöbel als einem Volke zuschreiben möchten. Wurde doch Belgien in allen Jahrhunderten zum Schauplatz gräßlichster Kämpfe. Bald war es französisch, bald deutsch, bald spanisch, bald holländisch. Ein Land aber, das durch Kriege und Freiheitskämpfe politischer, religiöser und wirtschaftlicher Art so durchwühlt und vernichtet und nach Zeiten blühenden, aufbauenden Reichtums wieder zerstört wurde, oft genug von Teilen des eigenen Volkes, das mußte durch diese Kette furchtbarer Erlebnisse, die noch in den flämischen Legenden, Liedern und Bildern weiterleben, eine Hochschule jenes unsicheren und bedenklichen, weil allzu unbedenklichen Patriotismus werden, der die einzelnen mehr zur bewaffneten Selbsthilfe erzieht als zum einheitlich, stark und offen vorgehenden Heere.

Diese Erinnerungen sind unerläßlich zur Erklärung jener Wutausbrüche des belgischen Volkes, wie der gleichzeitig echt volksgemäßen und doch durch und durch unabhängigen großen, starken und unvergleichlichen flämischen Kunst, die zu allen Zeiten aus tiefsten, blutenden Wunden des Volkes zu neuer Größe sich erhob.

Abb. 3. D. Vinckboons, Der alle ereilende Tod.

Was de Coster in seinem unsterblichen »Ulenspiegel« von Todesängsten und Todesqualen erzählt – in Hoogenbergs dickem Atlas geschichtlicher Begebenheiten (Abb. 2) in unzähligen anderen Stichen, in Coppens »Gallischer Grausamkeit traurigem Zeugnis« (Abb. 1) bleiben genug Erklärungen lebendig, für die immer und immer noch zum Auflodern glimmende Glut des Volkes gegen vermeintliche Angreifer.

Aber wie das völkerverblendende England mit jenen Bildern und Erinnerungen furchtbarster feindlicher Zerstörungswut das belgische Volk gegen uns hetzte, als das grausamste von allen –, so zeigen wir nun mit eben diesen Bildern, die auch de Costers Bibel des flämischen Volkes illustrieren, wie ganz anders deutsche Heeresmassen siegreich vorrücken als jene Zerstörer Antwerpens, als die französischen Mordbrenner Brüssels und der herrlichen Pfalz am Rhein. – – Doch genug von solchen Erinnerungen.