Den letzten, wie allen früheren schaudererweckenden Katastrophen des belgischen Volkes widersprechen in denkbar schroffster Weise unsere landläufigen Vorstellungen von alter niederländisch-belgischer Kunst.

Abb. 4. Adriaen Brouwer, Singender Bauer.

Man braucht doch nur das Wort »niederländische Malerei« auszusprechen und jeder Museumsbesucher, zumal der, der das Brouwer-Kabinett der Münchener Pinakothek kennt, lacht auf und sieht vor sich eine lustige übermütige Gesellschaft von Bauern, die fiedeln und singen in ihren dunkeln Kneipen, die auf den Märkten tanzen und schreien. –

Unsere Museumsbummler machen freilich keinen Unterschied zwischen Franz Hals, dem Holländer, oder Teniers, dem Antwerpener oder Ostade, oder Jan Steen oder Adriaen Brouwer, der von Haarlem nach Antwerpen zog.

Wozu auch gleich?

Jedenfalls, die große Reihe bunter Bilder, die das ausmachen, was wir kurzweg »niederländisch« nennen, die stellt uns das belgische Volk so lebenslustig und behaglich genießend vor wie nur irgend möglich. Wir sagen uns, wir sehen's in Brouwers und Teniers so gern reproduzierten, in den Galerien meistbetrachteten Bildern, daß sich die belgischen Künstler gut aufs Lachen verstanden haben und daß es recht lustig zuging dazumal in Antwerpen und Brüssel und allerorten an der Schelde und in Flandern und Brabant bei Braunbier und spanischem Wein und Burgunder – und daß sie sich sonst keine Sorgen gemacht und Seelenqualen.