Abb. 5. Adriaen Brouwer, Das Gehör. K. Pinakothek in München.
Also gingen belgische Künstler ganz andere Wege als das von schweren Schicksalen heimgesuchte belgische Volk?
Oder ist die lustige, verwegene Bauernmalerei doch vielleicht nur holländischer Kunstimport?
Oder sind belgischer Volkscharakter und belgische Kunst Dinge, die sich kaum berühren? –
Vielleicht – und das liegt sehr nahe – haben die belgischen Künstler, aus lauter Überdruß an den qualvoll blutigen Ereignissen des Landes, nur immer in idealen Welten gelebt, nicht in der der tatsächlichen Ereignisse?
War die Kunst nur fröhlich, aber Volk und Zeit traurig?
Nein! Nein!
Die belgische Kunst, d. h. das, was die größten belgisch-flämischen Künstler vorzugsweise geschaffen, und die Bilder, die das belgische Volk vor anderen geliebt hat, sind weder das eine allein noch das andere.
Die Höhepunkte flämischer Kunst – und jene Kunstwerke, die in Belgien in Auftrag gegeben und geschaffen wurden, zeigen einen Geist, der gleichzeitig humorvoll und voller Satire, grausam und melancholisch, sinnlich und übersinnlich, angstvoll und lebensfreudig, phantastisch und arbeitsam ist. Das sagen die Kunstwerke, das sagen die Dichter Belgiens, das sagt doch auch des Landes Geschichte.