Wie die Sitten des Volkes sind die Themen der Künstler bezeichnend für Rasse und Art, Ideale und Wirklichkeit.
Mag die große griechische plastische Kunst nur die Sehnsucht nach vollkommener Menschheit verbildlichen – die Belgier fühlen sich vollkommen, vollkommen in ihrer Art. Ihre Kunst ist vollkommen, wie alles Autochthone – sie bleibt groß und wird stark bleiben, solange sie wie Antäus aus der Heimat ewiger Erde neue Kraft gewinnt.
Nur der Tod flämischen Geistes würde das Ende bedeuten belgischer Kunst.
Den Bahnbrechern echter Rassekunst blieben, mit der erwähnten kurzen Unterbrechung durch eine landfremde Renaissance, Belgiens fernere Künstler treu durch die Jahrhunderte.
Und wenn auch in der neueren belgischen Kunst – ganz wie in der deutschen – manche Malerei gerade wegen ihrer Heimatlosigkeit den einen mißliebig auffällt, den andern schmeichelt, – man denke auch an den charakterlosen pariserischen Belgier Alfred Stevens, – es sind doch in Belgien bis auf heute kräftige Stammhalter genug der echten flämischen Rasse am Werk.
Abb. 47. Jak. Jordaens, Wie die Alten sungen, so piepen die Jungen.
Ein solcher Stammhalter ist Jef Lambeaux, den wir weniger kennen als andere, die viel, viel schwächer, aber sensationeller.
Wie wundervoll verkörpert Lambeaux in seinen prächtigen, üppiggesunden, starken Göttern und Menschen (Abb. 49) alles das, was Belgiens Kunst groß gemacht, alles das, woraus Belgiens Künstler das Beste ihrer Schöpferkraft gezogen und genährt.
Die belgische Kunst nahm, wie Rooses gesagt, aus dem Leben das Fröhliche, Lachende, Genießbare. Sie ist eine menschliche Kunst. Lambeaux »Freude« braucht keine Benennung. Es ist die starke Freude aller Gesunden.