In fortwährendem Fieber. Mein Gesicht war zitronengelb fast geworden, wie das eines Chinesen, und von Tag zu Tag wurde ich schwächer. Ich litt an Malaria. Die Keime der Krankheit hatte ich mir wahrscheinlich schon in Texas oder vielleicht auch in den Sumpfgegenden des Staates Arkansas geholt. Billy erkannte sofort, was mir fehlte. Täglich schluckte ich so und soviele Pillen des einzigen Gegenmittels, das es gab, Chinin. Der Tag fing mit Chinin an und hörte mit Chinin auf. Zuerst machte sich die Krankheit auch kaum anders bemerkbar, als in der sonderbaren Gesichtsfarbe, in Fieber und in Müdigkeit. Aber ich war so abgehärtet, daß ich mir aus dem bißchen Fieber wenig machte. Das dauerte wochenlang. Dann kam es über mich wie Schlafsucht, und oft mußte ich mich auf gefährlicher Fahrt gewaltsam wachhalten. Und dann packte mich der Schüttelfrost der Malaria.
Ein unangenehmer Geselle. Ich saß zusammen mit Billy und Joe in einem Frachtwagen, als es mich auf einmal glühend heiß überlief. Kaum eine Sekunde später schauderte ich in eisiger Kälte, und die Zähne fingen mir an zu klappern. Und dann schüttelte und rüttelte es mich, als sei ich eine Ratte in den Zähnen eines Foxterriers. Mein Körper flog hin und her; der Mund klappte auf und zu, ohne daß ich ein Wort sprechen konnte; Arme und Beine zuckten wie in Krämpfen. Da half kein Wollen, keine Selbstbeherrschung. Der Begriff Schüttelfrost ist viel zu blaß und schwach, um die Urgewalt solch' eines Malariafrostes wiederzugeben. Wehrlos war man wie ein Kind. Die Beine trommelten auf dem Boden des Wagens, der Körper wurde umhergeworfen. Und merkwürdigerweise verspürte ich dabei weder Schmerz noch ein besonderes Kältegefühl – nur ein willenloses Nachgeben jedes Muskels unter geheimnisvoll rüttelnder Macht – ein Wundern, was das sein mochte, wie lange es dauern mochte.
Zehn Minuten währte der Anfall, auf den Erschöpfung und Müdigkeit folgte.
Nun begann das Elend. Pünktlich jeden zweiten Tag, um die gleiche Stunde, zur selben Minute fast wiederholte sich regelmäßig der Anfall von Schüttelfrost. Und in immer zunehmender Stärke. Wenn es halb zwei Uhr wurde je am zweiten Tag, so wußte ich genau: Jetzt kommt mein treuer Feind, der Schüttelfrost! Da half weder Chinin, selbst in den ungeheuerlichsten Dosen, noch Whisky in großen Gaben. Geschüttelt mußte werden. Geschüttelt, daß ich oft meinte, die Glieder müßten mir aus den Gelenken gerissen werden; gerüttelt, daß Hören und Sehen mir verging. So waren Wochen vergangen, Wochen von Frost und Fieber. Und immer schwächer und elender wurde ich. Immer magerer. Immer gelber im Gesicht.
Aber ich ließ es mir nicht merken, wie erbärmlich mir zumute war, und freute mich wie ein Kind auf das sonnige Kalifornien. Täglich verschluckte ich mehr Chinin und täglich mußte ich mehr und mehr alle Kräfte zusammennehmen.
Da kam ein Tag im Spätoktober, der dem Träumen und dem Wandern ein Ende machte. In der Nähe von Roßville war es, auf einer kleinen Wasserstation. Ich war sehr krank.
Der Expreß war herangebraust. Billy und Joe sprangen auf die blinde Plattform. Ich sprang neben ihnen her. Und in dem Augenblick, als ich mich hinaufschwingen wollte, tanzte es vor meinen Augen wie tausend Sterne, und in meinem Kopf schienen die Dinge zu wirbeln. Trotzdem packte ich blindlings zu. Dann verspürte ich einen Stoß, einen Ruck und kollerte die Böschung hinab. Ich hatte den Messinggriff verfehlt und war gegen die Wand des Postwagens angesprungen …
Zitternd an allen Gliedern richtete ich mich auf.
Nachdenken! Billy und Joe hatten natürlich nicht mehr abspringen können und fuhren ohne mich weiter. Ich sah im Fahrplan nach. Der Expreß fuhr 69 Meilen weit ohne Aufenthalt. Selbstverständlich würden Billy und Joe auf jener Station auf mich warten. Also weiter mit dem nächsten Zug! Der kam, ein Eilfrachtzug, in einer Stunde. Ich trank Wasser, rauchte eine Zigarette. Aber mit einemmal, durch den Shock des Herabgeschleudertwerdens wahrscheinlich, kam all' die mühsam verhaltene Krankheitsschwäche zum Ausbruch. Die Dinge schwammen mir vor den Augen. Ich konnte kaum stehen, nur mit großer Mühe gehen. Als der Eilzug kam, wollte ich mitfahren, fiel aber beim zweiten Sprung vorwärts schon hin. Da wußte ich, daß ich sehr krank war und in meinem Zustand niemals nach Kalifornien kommen würde, und setzte mich hin und heulte zum Steinerbarmen um meinen Billy. War ich doch nur ein kaum zwanzigjähriger Junge!
Und ich dachte nach und dachte nach. Wenn ich Billy auch mit einem Personenzug nachfuhr, so war es doch nur neuer Jammer. Ich war krank und würde ihm nur eine Last sein. Denken – denken … Ich starrte auf die Karte, und in mein fieberndes Hirn schlich sich ein Gedanke ein: