»Viel Glück, lieber Freund! Wie gefällt Ihnen mein gutes altes St. Louis? Lassen Sie es sich möglichst gut gehen und nehmen Sie dieses putzige Leben nicht allzu ernst!«
Da hatte ich laut aufgelacht. Wenn man Kupferkessel putzte, hatte das Leben so gar nichts Putziges – und was ich vom guten alten St. Louis kannte, waren – – eine Miniaturhölle im krassesten Elendsviertel der Stadt und eine andere Miniaturhölle in einer der vornehmsten Karawansereien der hotelzivilisierten Welt.
Im Zeichen der Zeitung.
Witwe Dougherty. – Das Reich der Bücher. – Kipling-Begeisterung. – Ein Wegweiser des Kismet. – Mein erstes literarisches Verbrechen. – Der Beinbruch als Glückszufall. – Ich werde Depeschenübersetzer bei einer großen deutschen Zeitung. – Enthusiasmus und Neugierde. – Aller Anfang ist leicht! – Ein journalistisches Mädchen für alles. – Amerikanisches Deutschtum. – Der Schwur gegen die Potentaten. – Vom Sehen und vom Lernen. – Wieder draußen in der kalten Welt. – Reisefieber!
Die Frau mit den scharfen Linien im Gesicht und dem aus böser Erfahrung geborenen Mißtrauen der zimmervermietenden Sippe in ihrem Wesen sah mich prüfend von oben bis unten an und brummte:
»Das Zimmer kostet zwei Dollars die Woche, junger Mann, und wer nicht pünktlich vorausbezahlt, der fliegt!«
»Wie meinen Sie?«
»Fliegt, hopla, adieu – die Witwe Dougherty vermietet ihre Zimmer nicht zu ihrem Vergnügen. Will aber nichts gesagt haben, Herr – nur mein Geld muß ich haben. Kohlen kosten zehn Cents der Eimer, und wenn Sie kochen wollen, leih' ich Ihnen das Geschirr. Wer bar bezahlt, ist der Gentleman! Nehmen Sie das Zimmer?«
Bruder Leichtfuß, sonnenfroh mit seinem Reichtum von dreiundvierzig grünen Scheinen des Dollarlandes, bezahlte klüglich gleich für einen ganzen Monat und richtete sich in einem von Witwe Doughertys winzigen Zimmerchen häuslich ein, den ersten Abend zwischen den eigenen vier Wänden in unzähligen Zigaretten selig verträumend. Elegant war er wieder, der Lausbub, und Geld hatte er in der Tasche! Da war's kein Wunder, wenn er sich blutwenig um Zukunftspläne und Zukunftsnöte scherte. Das Ringen um die Zukunft war im Grunde gigantisch einfach! Furchtbar simpel!! Man – jawohl, man – nun, man ging eben nach dem Rezept von Freund Starkenbach in einen Wolkenkratzer und ließ sich in den verschiedenen Kontors melden – nun, und redete – Das würde sich alles schon finden. Das hatte ja gar keine Eile! Die Welt war wunderschön …