»Zug um Zug!« lächelte er. »Zuerst ich. Also die Sache ist so: Zuerst fing der Gouverneur (governor oder auch pater nannte er seinen Vater) melodisch an zu brummen. Nach dem Empfang gewisser Rechnungen – sie waren allerdings sündhaft, wie ich zu des Gouverneurs Entschuldigung bemerken muß – stimmte er einen gellenden indianischen Kriegsgesang an und telegraphierte mir so unerhört grobe Telegramme, daß ich mich vor den Telegraphenboten genierte. Sie rochen direkt nach Schwefel. Endlich, als das Professorenkollegium der Universität Harvard mich aus dem Tempel hinausjagte (diese gelehrten Herren haben so wenig Humor), wurde der Gouverneur tobsüchtig. Well, ich wurde also 'rausgeschmissen und fuhr prompt ins liebe Vaterhaus nach New York. Die mater war todunglücklich –
»Du sollst sofort nach der Bank kommen. Ach, Franky dear, was bist du für ein schlimmer Junge!«
Das fing gut an. Mir war elend zumute, das kann ich Ihnen sagen. In der Bank (der Gouverneur ist Präsident der First National Bank von New York) machte der Kassier ein Gesicht, als sei ich eine verabscheuungswürdige Kreuzspinne, und führte mich ins Privatkontor.
»Nimm Platz,« sagte der Gouverneur. »Nach meinen Informationen aus Harvard hast du dich betragen wie ein Hanswurst! Well, sir, was hast du zu deinen Gunsten anzuführen?«
Ich hm – hmte. Was soll man auch in solchen Fällen sagen!
»Nichts – nichts – gar nichts gearbeitet. Fußball gespielt. (Für den Betrag deiner Rechnungen der Sportfirma ernährt ein Arbeiter seine Familie!) Schulden gemacht links und rechts! Dumme Jungenstreiche! Was war das eigentlich mit dieser letzten Geschichte?«
Ja, diese letzte Geschichte!
Der Schlußkladderadatsch basierte auf einem Hundeschwanz, an den ein gewisser Franky dear eine geschickte Auswahl von Feuerwerkskörpern angebunden hatte. Nun frage ich Sie: Was konnte ich dafür, daß der dazugehörige Hund dem Professor der Physik gehörte und die wahnsinnige Idee hatte, zu seinem Herrn in die Physikklasse zu rennen – mitsamt Schwanz, Knallfröschen und Donnerschlägen! Dabei war das Hündchen nervös, begreiflicherweise, und rannte in dreieinhalb Sekunden für mehrere hundert Dollars physikalische Instrumente über den Haufen. Lange soll es nicht gedauert haben. Aber so lange es dauerte, war das Tempo dieser Vorstellung ungewöhnlich flott! Und dabei hatte ich doch rein erzieherische Absichten verfolgt, denn wenn Moppelinus sich heimtückisch in ein Studentenzimmer schleicht und einen nagelneuen Flanellanzug schändet, so muß Moppelinus bestraft werden! Well, der Gouverneur lachte nicht einmal. Ich sei der Schandfleck einer sonst ehrbaren Familie. Aus den einzelnen Posten von Faulheit, Leichtsinn und Frechheit ergebe sich als Gesamtbilanz ein hoffnungsloser Taugenichts. Ich solle mich gefälligst zum Teufel scheren, und zwar sofort, augenblicklich, ohne Zeitverlust. (Wahrscheinlich war irgend eine Lieblingsaktie des pater auf der Börse bös gezwickt geworden, denn er schien in einer Schandlaune.)
»Ich finde es entschieden langweilig, Vater eines Sohnes zu sein!« sagte er dann ganz gemütlich. »Dieses – dieses Zeug,« dabei deutete er auf einen Stapel Rechnungen, »werde ich regulieren. Im übrigen handelt es sich nicht um Geld, sondern um ein Prinzip. Du wirst arbeiten, sir. Mein Privatsekretär wird dir deine Instruktionen erteilen. Vorläufig wünsche ich dich nicht mehr zu sehen.«
Der Privatsekretär im Vorzimmer grinste und überreichte mir maschinengeschriebene Befehle. Sehr präzise. Sofort nach Chicago fahren und sich bei dem Präsidenten der Illinois Central Eisenbahn melden (in deren Aufsichtsrat der pater saß). Dort angestellt werden im Hauptbureau – mit acht Dollars Wochengehalt.