Und die junge Dame an der Kasse präsentierte mir mit bezauberndem Lächeln eine Rechnung von fünf Dollars und packte mir eine Haarbürste, eine Zahnbürste und eine Dose mit Pomade fein säuberlich ein. Ich fiel beinahe in Ohnmacht. All' das Zeug hatte ich nickenderweise in aller Unschuld gekauft! Ich wollte protestieren, ich wollte – – da sah mich die junge Dame mit einem süßen Blick an, mit einem Blick, der einen Eisblock hätte schmelzen können. Da tat auf einmal die Fünf-Dollarrechnung gar nicht mehr weh. Ich bezahlte nicht nur, sondern ich bezahlte mit Vergnügen.
Stundenlang wanderte ich ziellos umher, beschauend, staunend. Mir kam's vor, als sehe eine Straße wie die andere aus, als herrsche überall das gleiche verwirrende Getöse, das gleiche Getümmel. Ein Eindruck verwischte den andern. Ich fing an müde und vor allem hungrig zu werden. Da sah ich ein Schild mit grellen roten Buchstaben: Restaurant. Schleunigst trat ich ein.
An kleinen Tischen saßen Männer, in angestrengter Arbeit vornüber gebeugt. Sie aßen krampfhaft darauf los, als sei dies ein Preisessen, mit einem tüchtigen Preis für den, der zuerst fertig würde. Speisekarten gab's nicht. Dafür hingen überall an den Wänden Plakate mit Namen von Gerichten, und riesengroße Schilder besagten, daß hier ein Einheitspreis herrsche. Was man auch aß, alles kostete fünfundzwanzig Cents.
»Was ist's Ihrige?« brüllte der Kellner im Vorbeijagen.
»Beefsteak!« schrie ich ihm nach.
»Medium?« brüllte er zurück.
»Yes!« schrie ich auf gut Glück, denn ich hatte keine Ahnung, was "medium" bedeuten sollte. (Das Wort ist ein echt amerikanischer Spezialausdruck, Restaurantjargon, und heißt "mittel", halb durchgebraten.)
»Tee, Kaffee, Milch?« erkundigte sich der Ganymed, vom anderen Ende des Lokals herüberschreiend.
»Bier!« rief ich entrüstet.
»Nix Bier!« johlte er zurück. »Tee, Kaffee, Milch …«