»Aber –«

»Drittens verfügt das Konsulat über keinerlei Mittel zu Unterstützungszwecken. Tja – wenn Sie kein Geld mehr haben, können Se wiederkommen und 'ne Karte an den deutschen Verein haben. Dort kriegen Se 'n Vierteldollar und 'n Mahlzeitticket.«

»Herr – seh' ich so aus?« sagte ich wütend. Mir war, als müßte ich in den Boden sinken. Dieser Mann war ein Barbar, ein Prolet, ein – –

»Tja – das kann man nich' wissen!«

Er grinste mich an und ich starrte ihn an.

»Wollen Se sonst noch was wissen?«

»Herr, ich bin humanistisch gebildet!« schrie ich, knallte die Tür zu und stolperte die Treppenstufen hinunter. Ein Hohngelächter gellte mir nach. Mit zornrotem Kopf lief ich die Straße entlang. Dem Konsul würde ich schreiben und ihm gründlich meine Meinung über das Betragen seines Kanzleichefs sagen! Meinem Vater würde ich schreiben und ihn bitten, sich beim bayerischen Ministerium zu beschweren und –

Herrgott, was anfangen!

Heute war Wochenende, und nach Bezahlung der Wochenrechnung im Hotel würde mir wahrscheinlich kein Geld mehr übrig bleiben. Was tun – was tun? Ich nahm mir vor, aus dem Adreßbuch deutschklingende Namen von Kaufleuten herauszuschreiben und die um Rat zu bitten, so schwer's auch sein würde. Irgend etwas mußte sich doch finden … Wenn sich aber nichts fand! Wenn ich da stand ohne Geld? Bittere Gedanken stiegen in mir auf und formten sich zu bitteren Vorwürfen. Trotz allem und trotz allem – war es recht gewesen, daß man mich aufs Geratewohl hinausgeschickt hatte in die weite Welt? Und auf einmal kam mir in meiner Verzweiflung der Gedanke, daß das Geld in meiner Tasche das einzige Bindeglied zwischen mir und der Hilfe in der Heimat war. Heute konnte ich noch telegraphieren, morgen würde ich das Geld für das Kabeltelegramm nicht mehr haben …

Ich ging aufs Telegraphenamt. Auf einer Fensterbank in einem stillen Winkel beschrieb ich ein Formular nach dem andern, nur um eines nach dem anderen zu zerreißen. »Sofort Kabelgeld.« Nein, so war's nicht richtig; einen Grund wenigstens mußte man angeben, kurz und klar, denn natürlich kostete jedes Wort viel Geld. »Hilflos, erbitte Kabelgeld.« Dieses Formular zerriß ich schnell, kaum geschrieben, so schämte ich mich vor mir selber. Hilflos. Wie das klang. Nein: »Bitte hundert Dollars Hotel City Galveston, da Arbeitssuche noch erfolglos.« Wieder zögerte ich. Ich stellte mir vor, wie das Dienstmädchen das Telegramm ins Wohnzimmer bringen würde – Ich bildete mir ein, mein Vater würde die Achseln zucken und irgend etwas Scharfes, Häßliches sagen, und meine Mutter würde bitten … Wenn ich meiner Mutter kabelte? »Noch erfolglos schlimm daran schnell hundert Dollars Hotel City Galveston.« Hundert Dollars waren freilich sehr viel Geld und –