Am Ende der Woche ging's mit vier hochbeladenen Wagen nach der Baumwollenmühle. Einen Wagen fuhr ich und kam mir sehr wichtig vor auf meinem hohen Sitz und hielt die Zügel krampfhaft in den Händen, als ob die alten Maultiere nicht auch ohne mich hinter den Wagen dreingelaufen wären! Nach einer halben Stunde Fahrt hielten wir mitten im Wald vor einem wackelig aussehenden hölzernen Gebäude, aus dessen hohem eisernem Schornstein schwarzer Rauch quoll.

Drinnen begannen Maschinen zu stampfen. Ein Wagen nach dem andern wurde dicht an das Gebäude herangefahren und sein weißer Inhalt mit großen Holzschaufeln in eine breite Öffnung hineingeschaufelt. Von dort brachte ein endloser Aufzug, ein breites Lederband mit Holzkästchen, die Baumwolle nach oben. Wir gingen in die Cottongin, die Baumwollenmühle, hinein, an einem Dampfkessel vorbei, den ein halbnackter Neger mit Holzklötzen fütterte, und stiegen auf einer Leiter zu dem Maschinenstockwerk empor. Aus dem Aufzug flutete ein weißer Strom von Baumwolle in ein Sägewerk, dessen mit ungeheurer Geschwindigkeit sich hin und her bewegende kleine Sägen die Silberfrüchte zerrissen und zerfetzten. Die federleichten weißen Fäden wurden von der Maschine weitergeschoben in einen breiten Holzkasten hinein, der senkrecht bis hinab auf den Erdboden reichte, während die schweren Samenkörner durch eine Öffnung in den unteren Raum fielen. War der Holzkasten mit Baumwollfasern angefüllt, so senkte sich eine hydraulische Presse herab, die genau in seine Öffnung paßte, und preßte die leichte weiße Masse in einen schweren Ballen zusammen, den mechanische Vorrichtungen mit Sackleinwand und Eisenbändern umspannten.

Der alte Muchow pinselte mit schwarzer Farbe auf jeden Ballen ein gewaltiges M.

»So,« sagte er, »nun wollen wir den Samen in einen Wagen schaufeln und die acht Baumwollballen auf einen zweiten Wagen laden. Ihr beide könnt dann nach Brenham hineinfahren. Euch Jungens macht es doch mehr Spaß, wenn ihr in die Stadt fahren könnt, als mir. Ich denke, wir spannen die vier Gäule vor deinen Wagen, Charley, und geben Ed die Maultiere. Mit denen kann er zurecht kommen.«

»Selbstverständlich!« behauptete ich.

Wenn man mich damals gefragt hätte, ob ich eine Dampfmaschine zu erbauen verstünde, würde ich wahrscheinlich auch ja gesagt haben! Das Vierspännigfahren ging gut, eine Tatsache, die für den gesunden Pferdeverstand der Muchowschen Maultiere zeugte. Die Straße war zwar miserabel und hatte allerlei gefährliche Löcher und Rinnen, aber die Tiere wichen ganz von selber aus. Als wir uns Brenham näherten und der Weg breit und eben wurde, rief mir Charley zu, ich solle neben ihm fahren.

»Die Reklamereiter werden gleich kommen!« schrie er herüber.

»Die was?«

»Die Reklamereiter, mein Sohn. Jungens, die eine volle Whiskyflasche in der Satteltasche stecken haben und sich ein besonderes Vergnügen daraus machen werden, einem gewissen Charley und einem gewissen Ed einen ordentlichen Schluck von der richtigen Sorte anzubieten! Die Sache ist nämlich so: für Baumwollsamen bekommst du bei jedem Agenten genau das gleiche Geld, die Tagesnotierung selbstverständlich. Die Samenagenten können also ihre Konkurrenten nicht durch höhere Preise überbieten, sondern nur durch größeren Umsatz. Deshalb schicken sie Reklamereiter auf die Landstraßen hinaus, gerissene Jungens, die jeden Farmer im Umkreis von fünfzig Meilen kennen. Oft lauern auf einer einzigen Zufuhrstraße ein halbes Dutzend solcher Reklamereiter. Sobald eine Wagenladung in Sicht kommt, reiten sie auf den Farmer zu und sind so liebenswürdig zu ihm, als ob er der Präsident der Vereinigten Staaten wäre; bieten ihm Whisky an, erzählen ihm die neuesten Brenhamerwitze, reiten neben seinem Wagen her, so lange, bis einer von ihnen die Ladung gekriegt hat. Heidi, da sind sie schon!«