Er fing an einer Sträucherreihe zu pflücken an, ich an der nächsten. Seine Arme arbeiteten wie Windmühlenflügel und seine Hände wühlten in den Baumwollbüschen, zupfend, greifend, pflückend … Wie feines, schneeweißes Haar sahen die Silberknollen aus. Sie steckten in vier zusammengewachsenen rundlichen Kapseln und ließen sich mit einem leisen Griff herauszupfen, so, wie reife Eicheln leicht aus ihren Bechern fallen. Dort, wo die Früchte aus den Kapseln herauswuchsen, waren sie fest und hart; die von den Fäden ganz umsponnenen Samenkügelchen konnte man deutlich fühlen. Aus dem festen Kern heraus aber quoll es seidenweich, faustgroß, in runden Bällen, von denen zwischen breitem Grün Dutzende und Aberdutzende an jedem der Sträucher saßen. Ich zupfte und zupfte, doch Charley war schon weit voraus. Da kam der Eifer des Wettbewerbs über mich. Mit flinken Fingern ging's in die weiße Pracht hinein, die Bälle einheimsend, so schnell es nur gehen wollte. Ich hatte nur Augen für meine Hände, die hastend vom Busch zum Sack und vom Sack zum Busch flogen. Bald fing mein Rücken zu schmerzen an, denn die Sträucher reichten einem nur bis zu den Schultern und man mußte fortwährend in gebückter Stellung stehen.

»Ausleeren!« rief Charley.

Sein Vater und seine Schwestern waren herbeigekommen. Der Alte zog eine primitive Federwage aus der Tasche und begann mit dem Wiegen.

»Charley, 25 Pfund.«

»Ich armer alter Mann: 23 Pfund.«

»Mary, 24 Pfund.«

»Lizzie, 22 Pfund.«

»Ed, 18 Pfund. Verdammt gut für einen Grünen.«

Ein Schluck Wasser aus den Tonkrügen, und dann ging's wieder in die Buschreihen hinein. Die Stunden flogen dahin; Reihe auf Reihe wurde abgepflückt, Sack auf Sack gewogen und ausgeschüttet, bis am Ende des Feldes es sich auftürmte wie Hügel frischgefallenen Schnees. Immer heißer wurde es. Der schwere Hut drückte auf meinen Schädel, das Tragband schnitt in die Schultern ein, die Kleider schienen mir am Leibe zu kleben; aber ich war so vergnügt wie schon lange nicht mehr, froh wie ein Kind, das ein neues Spielzeug bekommen hat. Beim Mittagessen aß ich mehr, als ich je in meinem Leben gegessen hatte und am Abend war ich so müde, daß mich die ganze Familie auslachte! Und am Abend des dritten Tages schrieb ich einen begeisterten Brief an meine Eltern. Ich sei Texasfarmer. Mir ginge es ausgezeichnet. Es sei wunderbar – einfach wunderbar …

Die Neger kamen. Sie halfen pflücken und luden ihre Baumwolle auf dem Farmhof ab. Denn ein großer Teil der Muchowschen Farm war an Neger verpachtet, die Land und Werkzeug geliefert bekamen und dafür die Hälfte der Ernte abliefern mußten. Sechs Familien waren es, Männer in zerfetzten Hosen, Weiber in roten und blauen Röcken und grellkarierten Kopftüchern, splitternackte Kinder, die alle zusammen schwatzend und schreiend in die Baumwollenfelder zogen und gefüllte Säcke herbeischleppten, bis sich weiße Berge auf dem Farmhof türmten.