»Warum kommt er denn nicht?«

»Kann nicht. Is krank. Kann nicht sitzen, nicht liegen, nicht stehen, kann kein gar nix.«

»Wieso denn?«

»Oh – das is' sehr einfach. Ein anderer farbiger Gentleman hat ihm ein' ganze Ladung Schrot in die rückwärtige Gegend hineingeschossen!«

Wir brachen in schallendes Gelächter aus.

»Wegen ein' kleine Meinungsverschiedenheit beim Würfeln,« fiel Melusina Maryanne, die junge Negerfrau, mit schriller Stimme ein. »Lord – was is' das Würfelspielen für ein' schlechte Gewohnheit! So was tut mein Slim nicht! Ich würd's ihm auch mit mein' Besen austreiben!«

»Tut Slim niemals nich',« log der Neger darauf los und schielte vergnügt zu Charley und mir herüber.

Als das Rot des herbstlichen Sonnenaufgangs durch die Baumreihen zu schimmern begann, kamen sie von allen Seiten herangeritten, schwarze Gestalten mit Äxten über den Schultern, auf struppigen Pferden, auf altersschwachen Maultieren. Im Nu häufte sich ein Berg von alten Sätteln und Decken am Waldrand. Die Ponys und "mules" begannen draußen auf dem Feld zu grasen. Die Reiter aber drängten sich um das Feuer und ließen sich von Melusina Maryanne heißen schwarzen Kaffee in ihre blechernen Becher einschenken, fischten Speckstücke aus der brodelnden Pfanne und frisches Maisbrot aus dem Kessel. Weiße Zähne zermalmten und dicke Lippen schmatzten.

»So, Jungens!« rief der Herr der Farm von seinem Gaul herab, »nun wollen wir dem alten Wald zu Leibe gehen. Charley, Ed, zählt euch dreißig Mann ab und fangt hier zu arbeiten an. Die anderen kommen mit mir. Los, Kinder. Wollen 'mal sehen, auf welcher Seite mehr gearbeitet wird!«

Hemden wurden heruntergerissen, nackte schwarze Oberkörper glänzten im Sonnenlicht, und donnernd erdröhnten die Axtschläge. In langer Linie arbeiteten unsere dreißig Neger, Baum an Baum. Mit rhythmischer Regelmäßigkeit fielen die hoch über die Köpfe geschwungenen Äxte. Zuerst ein Hieb von oben, der tief in den Stamm hineinbiß, dann ein ergänzender waagrechter Schlag, der das angehauene Holzstückchen herausschleuderte. So entstand eine winzig kleine Kerbe in der Form eines liegenden V, flach wie ein Teller unten, schräg in den Baumstamm hineinfressend von oben. Mit jedem Hieb wurde die Kerbe größer, bis der verwundete Stamm sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen konnte, die Holzfasern rissen und der Baum krachend zur Erde fiel. Dann sprangen drei, vier Mann auf ihn und hieben ihm die Äste ab, und der alte Jim schlang eine Kette um den Stamm und schleppte ihn mit seinen Maultieren an den Waldrand hinaus. Die Äste blieben liegen. Da waren Fichten, deren rotes Holz so weich und wässerig ist, daß es nur zum Verbrennen taugt; Buchen, Eichen und Hickorybäume, deren Stämme auf einen besonderen Haufen gelegt wurden, denn sie waren so wertvoll, daß sie in Brenham verkauft werden sollten. Ihr Holz ist hart wie Eisen. Die zähen Ranken, die sich von Baum zu Baum schlangen, der Efeu der alten Eichen und wucherndes Gestrüpp mit scharfen Dornen fielen unter den Axthieben. Schritt für Schritt drangen die Neger in den Wald ein. Ich hielt es nicht lange aus beim Zusehen, sondern sprang vom Pferd, holte mir eine Axt und schlug darauf los, daß die weißen Holzsplitter flogen.